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Beauty & Pflege

Färben? Aber natürlich!

Haarfarben (© korionov - iStockphoto)
(© korionov - iStockphoto)

Einen rötlichen Schimmer oder ein dunkleres Braun, das schaffen Pflanzenhaarfarben auf die sanfte Tour. Was können sie noch? // Bettina Levecke

„Dieses Produkt ist nicht für Personen unter 16 Jahren bestimmt“ – seit ein paar Jahren müssen bestimmte chemische Haarfarben diesen Warnhinweis tragen, denn sie können Allergien auslösen. Ein Risiko, vor dem auch Erwachsene nicht gefeit sind. Pflanzliche Haarfarben sind da eine prima Alternative, auch wenn sie etwas weniger intensiv wirken.

Pflanzenhaarfarben vertiefen oder nuancieren die natürliche Haarfarbe mit Pigmenten, zum Beispiel aus Henna, Walnüssen, Rhabarber oder Indigo. „Die Pigmente legen sich wie eine Schutzschicht um das Haar und lassen es kräftiger und glänzender werden“, erklärt Michael Rogall, Naturhaarfriseur in Köln und Autor des Buches „Haarsprechstunde“. Anders ist das bei konventionellen Produkten: Ihre Inhaltsstoffe dringen in die Haare ein. „Chemische Haarfarben verändern das Innenleben der Haare und lagern künstliche Pigmente ein“, sagt der Experte.  Wasserstoffperoxid zum Beispiel zerstört die haareigenen Pigmente, um den Blond-Effekt zu erzielen. Ammoniak lässt das Haar aufquellen. Andere Inhaltsstoffe konventioneller Haarfarben können bei empfindlicher Haut zu Irritationen oder Allergien führen.

Pflanzenhaarfarben mit dem BDIH- oder Natrue-Naturkosmetiksiegel sind frei von solchen chemischen
Substanzen. Das macht sie verträglicher – aber auch begrenzter in ihrer Wirkung: „Pflanzenhaarfarben sind vergleichbar mit Wasserfarben, die sich transparent auf ein Blatt Papier legen“, so Rogall. Immer gleiche Farbtöne, wie chemische Produkte garantieren, geben sie nicht. Das pflanzliche Farbergebnis hängt viel mehr vom individuellen Ausgangston ab. Farbtonkarten auf den Websites der Hersteller helfen dabei, das richtige Produkt für die gewünschte Haarfarbe zu finden. Tipp: Zunächst eine Probesträhne färben, bevor es an den ganzen Kopf geht.

Umfärben? Ein Fall für Henna

Aufhellen können natürliche Pigmente allerdings nicht. „Man kann die Haare mit Pflanzenfarben intensiv eintönen, aber nicht komplett umfärben“, sagt Rogall. Und: „Dunkle Farben wie Schwarz oder Schwarzbraun geben optimale Ergebnisse, wenn bereits eine dunkle Ausgangsfarbe besteht.“ 

Eine Ausnahme ist Henna. Die Pigmente aus dem Hennastrauch können auch blonde und brünette Frauen in rote Köpfe verwandeln. „Für stärkere Farbveränderungen, zum Beispiel von mittelblond auf dunkelbraun oder schwarz, besteht die Möglichkeit mit Henna vorzupigmentieren und danach mit dunkelbrauner oder schwarzer Naturfarbe einen zweiten Färbevorgang durchzuführen“, erklärt der Naturhaarfriseur.

Wer möchte, kann Pflanzenfarben miteinander mischen, um sie zu intensivieren oder abzuschwächen. Es braucht aber ein bisschen Fingerspitzengefühl, um den richtigen Farbton zu treffen.

So beleben Sie graues Haar

Grauem Haar verleiht Henna-Neutral mehr Glanz und Volumen. „Mit blonder Pflanzenfarbmischung lassen sich – je nach Ergrauungsgrad – Töne von Platin über Beige bis Goldblond erreichen“, so der Experte. Dunklere Farben können Haare, die nur zum Teil ergraut sind, meist nicht einheitlich färben: Die weißen Haare erscheinen dann nach der Färbung etwas heller als der Rest. Da hilft mehrmaliges Färben, um eine höhere Deckkraft zu erreichen. Großes Plus dabei: Jede weitere Farbschicht macht das Haar stärker und voluminöser. In einigen der natürlichen Produkte stecken zudem Pflegestoffe wie Weizenkeimproteine oder Pflanzenöle drin.

Haarlocke (© Eivaisla - iStockphoto)Auch chemisch kolorierte Haare können mit Pflanzenhaarfarben gefärbt werden. Rogall rät, die Haare darauf vorzubereiten, besonders wenn sie strohig oder porös sind. „Es ist wichtig, dass sich die angeraute Schuppenschicht schließt, damit sich die Pflanzenpigmente optimal um das Haar legen können.“ Umsteiger sollten daher über vier bis sechs Wochen die Haare täglich mit einer Naturhaarbürste bürsten und säuerliche Haarpflegeprodukte, zum Beispiel mit Molke, verwenden.

 (© Eivaisla - iStockphoto)

Info

Damit die Pflanzenhaarfarbe hält

  • Vor dem Färben die Haare gründlich waschen und mit dem Handtuch trocknen. Bitte keine Haarkur verwenden! Das Haar sollte auch frei von Styling-Rückständen sein. Einige Hersteller bieten spezielle Produkte zur Colorationsvorbereitung an.
  • Die meisten Pflanzenfarben wirken durch natürliche Gerbsäure. Ihre Wirkung kann mit 1 bis 2 Esslöffeln Apfel- oder Obstessig verstärkt werden.
  • Hennapulver darf vor der Verwendung einige Stunden ruhen, das intensiviert die Wirkung.
  • Beim Anmischen des Farbpulvers auch auf die vorgeschriebene Wassertemperatur achten. Bei dunklen Tönen wie Schwarzbraun darf das Wasser in der Regel nicht heißer sein als 50 Grad.
  • Manche Hersteller empfehlen, die Haare nach der Pflanzenfärbung nur gründlich auszuspülen und 24 bis 48 Stunden auf Shampoo und Spülung zu verzichten.
  • Anschließend unterstützen spezielle Farbshampoos den  Glanz und die Farbtiefe.

 

Produkttipps:

Zur Vorbehandlung: Khadi Reetha Pulver; Logona Colorations-Vorbereitung für Pflanzen-Haarfarben

Zum Färben: Pflanzen-Haarfarbe als Pulver zum Anrühren gibts von Ayluna, Khadi, Logona und Sante
Gebrauchsfertige Color Cremes bieten Logona und Sante

Zur Nachbehandlung: Logona Farbpflege Cremekur

Zum Waschen: Bioturm Shampoo und Spülung Color Blond und Rot; Lavera Farbschutz & Pflege (Shampoo, Spülung, Kur); Logona Farbreflex Shampoo Braun-Schwarz, Rot-Braun und Blond

Erschienen in Ausgabe 01/2018