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Auch schön ... Die cosmia-Kolumne: Mein fast perfekter Sonnenuntergang.

Jutta Koch
Jutta Koch (39) ist Redakteurin bei cosmia.
Als Kolumnistin erzählt sie aus ihrem Leben
mit Job, fünfjährigen Zwillingen und allem Übrigen
zwischen Wonne und Wahnsinn.

Neulich erlebte ich einen dieser fast perfekten Momente. Ich besuchte Freunde in ihrem frisch renovierten Ferienhaus in der Rhön. Am Abend stand ich im Garten und bewunderte das Sonnenuntergangs-Spektakel. Die Felder leuchteten im Abendlicht. Meine Kinder schliefen schon. Großartiger Moment – ganz für mich allein. „Her mit dem Sundowner!“, forderten Herz und Bauch zeitgleich. Jetzt’n Bier!

Ein Wein hätte es auch getan, aber der war fest verkorkt, und wir hatten bereits zwei Tage lang die noch unausgepackten Küchenkisten vergeblich nach dem Öffner durchsucht. Also Bier. Während ich zum Kühlschrank schlich, waren die Hausbesitzer beim Insbettbringen ihres Sohnes eingeschlafen. Ich griff zur Flasche, voller Vorfreude auf den ersten Schluck im Dämmerlicht. Da aber schob sich zwischen Rhön-Kulisse und Kaltgetränk ein schier unlösbares Problem: kein Öffner, nirgends!

Bierflaschen könne man mit den Zähnen öffnen, hieß es in meiner Jugend. Aber damals hieß es auch, man könne Korken aus Weinflaschen schlagen, und das hat schon auf der Abi-Fahrt 1997 nicht geklappt. Ich tat also, was der moderne Mensch bei drängenden Fragen tut: Ich suchte Rat im Internet und stieß auf das Buch „Nachts sind alle Katzen blau“. Darin heißt es, man könne Kronkorken mit einem gefalteten Blatt öffnen (funktionierte nicht) oder mit der Augenbraue (so flächendeckend ist die medizinische Versorgung des nachts in der Rhön nun auch nicht).

Schritt 2: Ich rief meinen Mann an – wie immer bei Fragen, die ich unmöglich sonstwem stellen kann. Er gab genaue Anweisungen, die Flasche mittels einer zweiten Flasche zu öffnen. Schon beim ersten Versuch schürfte mir der Kronkorken den Handrücken auf.

In dem Moment kam der Gastgeber verschlafen die Treppe herunter. Ich hielt ihm die Bierflasche unter die Nase, er öffnete sie routiniert an der zweiten Flasche und verstand meine überschäumende Freude über ein lauwarmes Bier nicht so ganz, glaube ich.

Jetzt habe ich ein neues Ziel: Vor meinem 40. Geburtstag werde ich lernen, Flaschen ohne Öffner zu öffnen. Falls die Welt untergeht und vor mir und der Rhön nichts als ein Kasten Bier steht, dann will ich die Situation souverän meistern. Wünschen Sie mir Glück. Und prost.