Anzeige

Anzeige

Eco Fashion & Lifestyle

Auch schön ... Die cosmia-Kolumne: Unsere paar Tausend Dinge und ich

Jutta Koch
Jutta Koch (40) ist Redakteurin
bei cosmia: Als Kolumnistin erzählt
sie aus ihrem Leben mit Job,
sechsjährigen Zwillingen und allem
Übrigen zwischen Wonne
und Wahnsinn.

10.000 Dinge besitzt der Durchschnittsmensch. Wenn ich mir unseren Keller anschaue, dann sollten die Statistiker bei uns aber lieber noch mal nachzählen. Vielleicht wirft das den gesamten Bundesdurchschnitt über den Haufen. Und das, obwohl ich mit der japanischen Aufräum-Ikone Marie Kondo einig bin: Wir sollten uns befreien von Dingen, die uns nicht glücklich machen!

Kann das weg? Nö!

Aber, was soll ich sagen, wir brauchen die Gardinen-Halterungs-Klammern noch. Und garantiert auch diese speziellen Klett-Dinger, deren Namen ich nicht kenne, aber die zu den Fahrradhelmen der Kinder mitgeliefert wurden. Ganz sicher, der Tag wird kommen, da werde ich sie brauchen, so ist’s nämlich immer, und wenn ich sie dann entsorgt hätte, würde ich sie neu kaufen müssen, und das wäre nicht nachhaltig.

„Och, der Keller!“, werden Sie jetzt sagen. „Tür zu, Problem gelöst!“ Aber so einfach ist es nicht, weil meine beiden Kinder mit Vorliebe in den Keller tigern und jenen Krempel hochholen, den ich zuvor diskret runtergeschafft hatte. Das eigentliche Problem ist aber, dass zu viele Dinge den Blick auf das Wesentliche versperren. Auf Schlüssel, Handys, den wichtigen Zettel mit der wichtigen Notiz für den wichtigen Termin am nächsten Tag. Gegen das Verschwinden arbeite ich erfolgreich an – es kostet Zeit und Mühe und die Falte auf meiner Stirn wird täglich steiler, aber: Meist weiß niemand in diesem Haus besser, wo was liegt.

Außer neulich: Da suchte ich das handgeschriebene Rotweinkuchen-Rezept meiner Mutter, das ich seit ihrem Tod hüte wie einen Schatz (der Kuchen ist wirklich sensationell – die Handschrift auch). Ich suchte in unseren Kochbüchern, in losen Zettelsammlungen – vergeblich. Erst als mein Mann nach dem Rezept für einen Lachs-Brokkoli-Auflauf suchte, fiel ihm die grüne, eselsohrige Karteikarte in die Hände. Ich war so glücklich, wie man es nur beim Wiedersehen mit etwas Verlorengeglaubtem sein kann. Seither betrachte ich die paar Tausend Sachen in unserem Haus gelassener. Sicher macht mich nicht jedes davon glücklich, aber Unglück ist wirklich was anderes.

Erschienen in Ausgabe 07/2019