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Eco Fashion & Lifestyle

„High Heels und ich sind keine Freunde“

Anna Brüggemann (© gettyimages / Isa Foltin)
(© gettyimages / Isa Foltin)

Die Schauspielerin Anna Brüggemann über Ernährung, Beauty-Produkte und ihr Rezept für Entschleunigung. // Interview: Martina Petersen

Haben Sie Spaß am Auftritt auf dem roten Teppich?

Ich habe großen Spaß daran, Outfits zusammenzusuchen und alles so lange zu kombinieren, bis es passt. Aber die letzten Stunden vor dem roten Teppich habe ich schlechte Laune. Das liegt zum einen bestimmt auch daran, dass man von den Fotografen gerne mal angeschrien wird („Annaaaaaaa, hierher!“), zum anderen aber auch an den obligatorischen High Heels. High Heels und ich sind keine Freunde. Ich warte auf den Tag, an dem ich als Stilikone aufwache und dann sind Sneaker auf dem roten Teppich der letzte Schrei.

In welchen Momenten fühlen Sie sich schön?

Eigentlich eher, wenn ich ungeschminkt bin. Dann fühle ich mich „echter“. Wenn ich den liebenden Blick spüre, ausgeschlafen bin und Sport gemacht habe.

Stimmt es, dass Sie ausschließlich Naturkosmetik benutzen?

Ausschließlich stimmt nicht. Ich drehe seit zwanzig Jahren Filme, da bin ich auf eine Hautcreme angewiesen, die sich auch als Make-up-Grundlage eignet – bislang verwende ich da noch keine Naturkosmetik-Creme. Aber ansonsten ist bei mir tatsächlich alles Bio. Sogar das Deo. Warum? Ich bin strikt gegen Tierversuche und wenn man sich einmal eingelesen hat, was in herkömmlichen Produkten an Müll –das meine ich genau so – drin ist, kann man die Sachen nicht mehr ernsthaft benutzen.

Gibt es ein Beauty-Produkt, das Sie immer in der Handtasche dabei haben?

Oh ja. Zum einen wähle ich jedes Jahr für die extravaganten Momente einen Lippenstift als meinen Begleiter, dieses Jahr „Velvet Pink“ von Sante. Außer-dem einen Concealer, auch von Sante.

Was ist Ihnen an umweltbewusstem Verhalten im Alltag wichtig?

Wenig Auto fahren, Müll trennen, keine Fertiggerichte kochen, Bio einkaufen, Second Hand einkaufen, Dinge benutzen, bis sie alle sind oder kaputt gehen.

Worauf achten Sie bei der Ernährung?

Ich esse sehr ausgewogen, mit wenig Fleisch. Aber ausgewogen heißt auch: Ja, ich mag Brot. Auch Weizen. Und Milch. Meine Lactosetoleranz ist der Hit. Und ja, ich mag Kuchen und Kekse. Aber dann auch viel Obst, Gemüse und Nüsse. Auf eine einsame Insel würde ich Äpfel, Zartbitterschokolade und ein kräftiges Vollkornbrot mitnehmen, ich glaube, damit ist meine Ernährung ganz gut beschrieben. Kochen tut mein Mann. Ich backe lieber.

Ihr Rezept für Entschleunigung im Alltag?

Ich beantworte E-Mails nur zu bestimmten Tageszeiten. Wenn ich mit meinen Kindern bin, ist das Smartphone außerdem für mich tabu. Ich versuche insgesamt, diese leuchtenden Bildschirme in meinem Leben wenig die Oberhand gewinnen zu lassen, erziehe mich dazu, abends etwas zu lesen und nicht fernzusehen. Und außerdem versuche ich tatsächlich immer wieder, Langeweile aufkommen zu lassen. Bei mir und meinem großen Sohn. Langeweile ist wichtig.

Sie engagieren sich für Menschen mit Behinderung und haben einen berührenden Artikel über ihre spastisch behinderte Zwillingsschwester geschrieben. Wie hat Sie der Kontakt zu Ihrer Schwester geprägt?

Meine Schwester ist der Grund und Boden, auf dem ich stehe. Ich kann mich ohne sie nicht denken. Das gilt übrigens auch für meine anderen beiden Geschwister, die sind mir auch extrem wichtig. Aber durch meine behinderte Schwester bin ich sicher etwas empathischer und rücksichtsvoller, als ich sonst wäre und ja, ich hätte das Leben weniger lieb. Das ist das Herausragende an meiner Schwester, ihre unbedingte Liebe zum Leben und ihr unbestechlicher Humor.

Anna Brüggemann (36) wurde in München geboren. Mit 14 wurde sie Mitglied im Jugendclub der städtischen Bühnen Regensburg. Ihr TV-Debut gab sie 1996 in „Virus X – Der Atem des Todes“. Neben der Schauspielerei etablierte sich Anna Brüggemann als Drehbuchautorin. Zusammen mit ihrem Bruder, dem Regisseur Dietrich Brüggemann, schrieb sie unter anderem  „Kreuzweg“, das 2014 mit dem Silbernen Bären für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde. Derzeit arbeitet die zweifache Mutter an ihrem ersten Roman und an einem weiteren Filmprojekt zusammen mit ihrem Bruder.