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Auch schön...
Die cosmia-Kolumne

 


JUTTA KOCH
 
Jutta Koch (38) ist neu im cosmia-Team: Als Redakteurin arbeitet sie mit am Naturkosmetik- Magazin – und als Kolumnistin erzählt sie aus dem Leben. Das bewegt sich ja bekanntermaßen zwischen Wonne und Wahnsinn.
(© Foto: Evelyn Dragan)

Ich bin dunkelblond. Ich liebe es, das zu sagen – seit ich es weiß. Erst als ich vor ein paar Jahren meine Lieblingsfriseurin fand, erfuhr ich den Namen meiner nur scheinbar undefinierbaren Haarfarbe. Dunkelblond. Plötzlich war alles klar! Vorbei die Zeit der Experimente mit dem Farbton Aubergine (im Alter von 16) und Strähnchen, die ungewollt ins Orange gingen (da war ich 20), um endlich mal ein klares Statement auf dem Kopf zu haben. Mit Dunkelblond konnte ich mit Mitte 30 wirklich gut leben.

„Herrlich uneitel“ – ist das ein Kompliment?

Der Haken: Seit geraumer Zeit mischen sich immer mehr graue Haare ein, die eine neue farbliche Analyse erfordern. Ex-Dunkelblond-Grau? Klingt grauslig.Meine Kollegin nennt mich „herrlich uneitel“, weil ich die Haare nicht färbe.  „Du bist echt mutig“, sagt sie und meint es so.  Aber je nach Tagesform bin ich nicht sicher, ob ich das als Kompliment nehmen kann. Mut? Man könnte auch sagen: Frisur gewordenes Klischee. Denn tatsächlich war ich seit einem Jahr nicht mehr beim Friseur. Zwei kleine Kinder, Job, chronische Hektik – da ist der Look dann auch schon wurscht.

Dabei habe ich gar nix gegen das Haarefärben. Eigentlich graut mir nur davor, weil es a) so lange dauert und ich b) nicht uneitel genug bin, um den schrecklichen Ansatz nach ein paar Wochen zu ertragen. Ich kenne mich. Kriege ich dann nicht sofort einen Friseurtermin, kriege ich die Krise.

Nach langem Hin und Her entschied ich mich neulich dennoch für meine persönliche Revolution: einen Termin. Zum Färben. Und just als ich den Entschluss gefasst hatte, passierte das, was mir immer passiert, wenn ich zu lange über mein Äußeres nachdenke: Ich werde jäh von der Lebenswirklichkeit überholt. Beim Haare-Durchwuscheln fielen zwei Läuse vor mir ins Waschbecken. Die Kindergarten-Epidemie hatte mich erfasst. Wie es weiterging? Apotheke statt Friseur, Beipackzettel statt Illustrierte, Läusekamm statt Wärmehaube.

Meine Friseurin wird über die Geschichte schmunzeln. Sie selbst ist nämlich wunderschön – und auf dem ganzen Kopf strahlend grau.

Erschienen in Ausgabe 03/2018