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Eco Fashion & Lifestyle

Interview: Saralisa Volm

Saralisa Volm (© Svenja Trierscheid)
(© Svenja Trierscheid)

Schauspielerin Saralisa Volm über nachhaltiges Leben in der Großfamilie, Forschergeist bei Kindern und Genussmomente – fast ganz für sich allein. // Martina Petersen

Sie sind vierfache Mutter und beruflich als Schauspielerin, Regisseurin, Filmproduzentin, Kuratorin und Autorin tätig. Wie bekommen Sie all das unter einen Hut?

Indem ich versuche, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich gehe nie zum Friseur und so gut wie nie zum Arzt, ich gehe nicht shoppen und nicht ins Fitnessstudio. Und ich versuche mich mit Menschen zu umgeben, die mein Leben bereichern und angenehmer machen.

Außerdem stemme ich diese Dinge nicht allein: In der Produktionsfirma stehen vier Leute an meiner Seite. Ich habe großartige Agenten, an Chaos gewohnte Babysitter, einen Mann, der sich tatsächlich um seine Kinder kümmert, eine tolle Kita und eine große Familie, die regelmäßig Betreuungsaufgaben übernimmt.

Gibt es ein Entspannungsritual zum Auftanken?

Ich bade unglaublich gern. Das ist mein Moment ohne Ablenkung, Geschrei und Telefon. Meist klopft es dann aber doch an der Tür, jemand steckt den Kopf her-ein und sagt: „Mama, ich muss mal!“

Welches Pflegeprodukt ist für Sie unverzichtbar?

Aloe vera als Pflanze, möglichst wenig verarbeitet. Sie hilft bei Hautirritationen, Sonnenbrand und kleinen Schnittwunden.

Nutzen Sie ansonsten Naturkosmetik?

Wenn ich überhaupt noch Kosmetik nutze, dann Naturkosmetik. Ich benutze  Lavaerde statt Shampoo, Seife, Zahn-
pasta und Deo. Ansonsten nehme ich zur Haut- und Haarpflege viele Dinge, die sich sowieso in der Küche finden wie Kokosöl oder Apfelessig.

Haben Sie Spaß am Styling?

Ich schminke mich nur, wenn es mir beruflich erforderlich erscheint oder ein besonders festlicher Anlass ansteht. Dann benutze ich Naturkosmetik und vermisse konventionelle Produkte kein bisschen. 

In welchen Momenten fühlen Sie sich schön?

Das ist eine Frage, die ich zu vermeiden versuche. Ganz lange wollte ich immer nur schön sein und empfand mich selbst als hässlich. Manchmal fühle ich mich begehrt, aber auch das finde ich immer weniger relevant. Ich glaube unsere Zeit ist zu kurz bemessen, um ständig über unsere eigene Schönheit nachzudenken. Es gibt so viele Dinge, die mir aufregender erscheinen.

Wie vermitteln Sie Ihren Kindern umweltbewusstes Verhalten?

Wir haben kein eigenes Auto, nutzen nicht übermäßig viele Quadratmeter pro Person und setzen auf Langlebigkeit von Produkten, indem unsere Kinderkleider nahezu alle Second Hand sind.Wir essen weniger Fleisch und achten darauf, möglichst keine Lebensmittel wegzuwerfen und nachhaltige Produkte zu kaufen. Ich glaube jedoch, dass das Wichtigste für die Kinder ist, dass man ihnen hilft selbst zu hinterfragen, zu erforschen und geistig immer beweglich zu bleiben.

Deshalb auch Ihr Kinderforscher-Buch „Peng! Puff! Platsch! – mit 52 Experimenten durch das Jahr“, das zur Leipziger Buchmesse Mitte März diesen Jahres erscheint?

Ja, denn unser Schulsystem versäumt, die Neugier von Kindern in den Bereichen Mathematik, Physik und Chemie zu wecken. Dabei beinhalten diese Fächer die Grundlagen dafür, wie unsere Welt funktioniert. Sie schaffen ein Bewusstsein für Zusammenhänge, für Umweltverschmutzung und die Möglichkeiten der Zukunft. Um dieses Wissen mit Begeisterung zu verbinden, bauen wir im Buch zum Beispiel Wasserfilter oder züchten Regenwürmer.

Ihre Mutter Dr. Christine Volm ist unter anderem als Beraterin für Rohkost und Wildpflanzen-Ernährung tätig. Inwieweit hat sie Sie geprägt?

Meine Mutter ist das beste Korrektiv, das man haben kann. Wenn man denkt: „So ist es richtig“, dann weiß sie es noch ein bisschen besser. Natürlich prägt sie auch unsere Ernährung, auch wenn wir sonst wirklich alles essen und in diesem Bereich unglaublich neugierig sind. Wenn wir unterwegs sind, dann sammeln wir uns Lindenblätter von den Bäumen. Wir haben immer Maulbeeren, Mandelmus und Neempulver im Haus. Und wenn einer krank wird, ist sie die erste Anlaufstelle.

Was bedeutet für Sie Genuss?

500 Milliliter Schokoladeneis, ein gutes Buch und mein Bett.

Saralisa Volm (32) wurde in Hechingen geboren. Im Schultheater sammelte sie erste Schauspielerfahrungen. Regisseur Klaus Lemke entdeckte sie 2006. Der gemeinsame Film „Dancing with Devils“ bekam 2009 den Norddeutschen Filmpreis als Bester Fernsehfilm.

2011 machte Saralisa Volm ihren Bachelor of Arts in Kunstgeschichte und Philosophie, drei Jahre später gründete sie ihre Firma „POISON“, mit der sie bisher unter anderem den Spielfilm „Fikkefuchs“ produzierte. Derzeit bereitet sie ihren ersten Dokumentarfilm über berufstätige Frauen vor. Im Buch „Mamabeat“ von 2014 schreibt die Wahl-Berlinerin über „Kinder. Chaos. Glück!“.

Erschienen in Ausgabe 03/2018