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Eco Fashion & Lifestyle

„Weniger ist mehr “

Die Öko-Mode-Expertin Kirsten Brodde über den Trend zu ethischer Kleidung, die verschiedenen Siegel und warum Bio-Baumwolle allein nicht ausreicht. // Interview: Silvia Liebermann

Immer mehr kleine Labels, aber auch große Hersteller verwenden Bio-Baumwolle. Ist die grüne Mode im Mainstream angekommen?

Sie hat sich sicherlich zunehmend etabliert. Mittlerweile bieten einige große Modeketten ganz selbstverständlich auch Waren aus Bio-Baumwolle an – ein wichtiger Schritt. Konventionelle Baumwolle ist äußerst schädlich für Umwelt und Menschen, weil sie mit hohen Mengen an Pestiziden und Kunstdünger behandelt wird. Schade ist, dass die gro­ßen Ketten bei der Bio-Baumwolle verharren. Dabei zeichnet sich wirklich nachhaltige Kleidung durch mehr aus.

Nämlich?

Dadurch, dass auch die Herstellung konsequent ökologisch ist und die Arbeitsbedingungen fair sind. Da es aber kein gesetzlich geschütztes Siegel für ethische Mode gibt, bleibt die ganze Sache ein Stück weit unscharf.

Stattdessen gibt es verschiedene Siegel. Wie orientiert man sich?

Ich möchte nicht unendlich viele Siegel auf meiner Öko-Mode, sondern solche, die sowohl für Umwelt als auch für Soziales etwas leisten. Sehr umfassend ist das GOTS-Siegel (Global Organic Textile Standard). Es ist noch relativ jung, aber fast 3000 Unternehmen verwenden es schon.

Wie sieht es mit dem Öko Tex Standard 100-Siegel aus, das mittlerweile auf vielen Kleidungsstücken prangt?

Aus meiner Sicht leistet es in Sachen Umwelt so gut wie gar nichts. Die testen ja nur, was am Ende auf dem fertigen Textil noch an Rückständen drauf ist – während der Produktion kann da viel Chemie draufgekommen und wieder ausgewaschen worden sein. Für alle, die mehr wollen als zu verhindern, dass sie eine Allergie bekommen, reicht das nicht.

Worauf achten Sie persönlich?

Ich bin natürlich strenger mit mir geworden im Laufe der Zeit. Am Anfang habe ich mir bedenkenlos Sachen gekauft, die „nur“ aus Bio-Baumwolle sind. Inzwischen ist es mir wichtiger, dass die gesamte Herstellung des Kleidungsstücks ökologisch und ethisch einwandfrei ist. Das bekomme ich dann in der Regel bei den alten Öko-Pionieren oder den jungen ethischen Labels, die sich bemühen, alles doppelt richtig zu machen. Trotzdem bin ich auch zufrieden, wenn meine Tochter mit einem Bio-Baumwollteil von H&M nach Hause kommt. Abgesehen davon ist meine Devise inzwischen: weniger ist mehr – auch was Kleidung angeht. Die Öko-Frage, die ich immer ganz am Anfang stellen muss, ist: „Brauche ich dieses Kleidungsstück wirklich?“

Ist denn wirklich immer Bio-Baumwolle drin, wo es draufsteht?

Man kann sich in der Regel darauf verlassen. Natürlich wird es in einem boomenden Markt auch mal ein schwarzes Schaf oder Mauscheleien geben. Aber das ist überhaupt kein Grund, dieser Mode nicht treu zu bleiben – sie ist immer noch hunderttausendmal besser als konventionelle Mode.

Muss man tief in den Geldbeutel greifen, wenn man sich ethisch korrekt kleiden möchte?

Wenn man vorher schon Markenklamotten gekauft hat, dann ist der Unterschied nicht mehr groß. Wenn man vorher allerdings Schnäppchenware gekauft hat, dann ist der Preisunterschied natürlich gravierend. An der Stelle sollte man vielleicht einfach schauen, dass man wirklich weniger Kleidung insgesamt kauft.