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„Wer schön sein will, muss lernen!“

© gettyimages-Michael Gottschalk

Die Philosophin Rebekka Reinhard über das Geheimnis echten Charismas, das Streben nach dem wahren Glück und die Vermarktung von Schönheit. // Martina Petersen

Warum haben Sie Ihr Buch „Schön!“ Marilyn Monroe gewidmet?

Marilyn Monroe ist seit meinem 13. Lebensjahr eine meiner wichtigsten Musen. Ich fühle mich inspiriert von ihrem besonderen Zauber, der gerade nicht von ihren aufregenden Kurven und ihrem platinblonden Haar herrührt, sondern von ihrer ganz besonderen Ausstrahlung. Ich habe versucht, ihr Wesen zu erfor-schen, indem ich ihre Filme und Fotos betrachtet habe. Dann, indem ich Biographien und Interviews und schließlich ihre eigenen Aufzeichnungen gelesen habe. Ihre Gedichte und Tagebuchaufzeichnungen zeigen, dass sie einen ganz besonderen Witz hatte und eine sehr empfindsame Seele. Sie ist für mich ein wunderbares Beispiel dafür, dass Schönheit letztlich von innen kommt.

Haben es schöne Menschen im Leben leichter?

Ja und nein. In der heutigen Zeit, in der es nur noch um Äußerlichkeiten geht, hilft Schönheit dabei, sich selbst zu vermarkten. Aber gerade bei uns Frauen gibt es bis heute eine Diskriminierung der Schönen. Das habe ich in einem sehr männlich geprägten Beruf selbst erfahren. Ich gehe als Philosophin in die Öf-fentlichkeit, und da ist es in unserer traditionell patriarchalischen Ordnung eine unglaubliche Irritation, dass ich keinen Bart und noch nicht einmal eine Brille habe.

Was haben uns die Philosophen der griechischen Antike heute zum Thema Schönheit zu sagen?

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis liegt in ihrem Begriff der „kalogathia“, der übersetzt die Einheit des Schönen, Wahren und Guten bezeichnet. Wir selbst müssen das Chaos der Welt interpretieren, so dass es für uns Sinn macht. Schönheit im Sinne einer Suche nach dem Guten und Wahren kann uns dabei helfen.

In Ihrem Buch formulieren Sie die bekannte Redewendung um in „Wer schön sein will, muss lernen.“ Was meinen Sie damit?

Aus philosophischer Sicht sollte es weniger darum gehen, was ich an äußerer Ausstattung habe. Sondern ich sollte danach streben, mein Sein anzureichern und inneren Reichtum anzusammeln. Das kann ich tun, indem ich mich von der Kunst, der Natur oder Begegnungen mit interessanten Menschen inspirieren lasse. Äußere Schönheit welkt nun mal, aber die innere Schönheit wird mit den Jahren immer größer. Ich kenne ältere Frauen mit einem Charisma, dagegen kann jedes junge Topmodel einpacken.

Worin liegt das Geheimnis einer anziehenden Ausstrahlung?

Echtes Charisma hat viel mit Selbstvergessenheit zu tun. Menschen, die sich für etwas interessieren, das interessanter ist als sie selbst, entwickeln diese besondere Ausstrahlung. Wichtig ist auch eine klare Werteorientierung. Nicht von ungefähr sagen alle Philosophen in Fernost und im Abendland: Das größte Glück liegt darin, Gutes zu tun. Schön ist, wer Gutes tut.

Wer nach wahrem Glück strebt, ist im Hier und Jetzt. Solche Menschen sind präsent im zwischenmenschlichen Kontakt, das macht sehr charismatisch?

Solchen Zauber kann man nicht kalkulieren. Bei Heidi Klum, die Schönheit als Geschäftsmodell vermarktet, fehlt er völlig. Ihre Schönheit, die reduziert ist auf äußere Attribute, für die man ständig etwas leisten muss, wirkt wie ein Rüstzeug. Dabei geht es darum, sich selbst und all dieses Leistungsdenken zu vergessen und mit allen Sinnen zu leben und zu genießen.

Was tun Sie als bekennende Ästhetin, um Ihre natürliche Schönheit zu unterstreichen?

Ich setze gern Akzente: Ich habe mich schon immer gern geschminkt. Und ich mag meine blondierten Haare. Im Zweifelsfall ist mir ein Buch aber wichtiger als der neueste Lippenstift.

Als öffentlicher Mensch treten Sie top gestylt vor Ihr Publikum. Steht das nicht in Widerspruch zum Ideal authentischer Schönheit?

Wenn ich mich mit meinem Styling nach den Erwartungen der anderen richten würde, wäre ich nicht ich selbst. Ich weiß aber sehr genau, was mir gefällt und wie ich mich anziehen möchte. Ich trage zum Beispiel schon seit meiner Jugend hohe Schuhe. Ich würde mir keine flachen Schuhe mehr anziehen, nur weil ich bei einem konservativen Konzern vortrage.

Wie vertragen sich ein turbulentes Familienleben mit Kindern und beruflicher Stress mit Schönheit?

Es ist eine herausfordernde Zeit, in der Frauen viel lernen und inneren Reichtum ansammeln können. Aber sie sollten es sich auch wert sein, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Bei den griechischen Philosophen ist „Selbstfreundschaft“ ein ganz wichtiger Begriff. Er umfasst, dass ich meine Gesundheit und meine Hülle pflege. Schließlich wohne ich in diesem Körper, der mich begleitet, bis ich sterbe. –

Dr. Rebekka Reinhard arbeitet als praktische Philosophin in München. Neben ihren Einzelberatungen gibt die 42-Jährige Seminare in Unternehmen und ist eine international gefragte Rednerin.

Rebekka Reinhard arbeitet als Autorin für diverse Printmedien und hat mehrere Bücher geschrieben, unter anderem „Die Sinn-Diät“ (2009), „Würde Platon Prada tragen?“ (2011) und „Schön!“ (2014). Ihre Website: www.philosophyworks.de