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Fitness & Gesundheit

Alles fließt – auch der Schweiß

Wechseljahre (© Leni Burger)
(© Leni Burger)

Die Wechseljahre stellen das Leben auf den Kopf – können aber auch die Chance für einen Neuanfang sein. // Jutta Koch

Die Kollegin, die von den Recherchen für diesen Artikel hörte, stöhnte: „Da bin ich ja genau die Richtige. Ich sage nur: Hitzewellen, Schlaflosigkeit, schütteres Haar und Pickel!“ Mit den Wechseljahren scheint es im Leben einer Frau zu sein wie mit einem furchteinflößenden Gewitter am Ende eines schönen Sommertags: Das Unwetter kommt mit voller Wucht, und wenn man nicht zufällig unter Dach steht, ist man der Naturgewalt hilflos ausgeliefert – und am Ende patschnass.

Auch die Fachbuchautorin Petra Neumayer hat das erlebt: Monatelang stand ihr Hormonhaushalt Kopf. Schlaflosigkeit, Erschöpfung  und bis zu 60 Hitzewallungen am Tag und bei Nacht machten ihr einen erfüllten  Alltag und konzentriertes Arbeiten unmöglich. Sie fing an zu recherchieren und suchte nach Mitteln und Wegen, um die Wechseljahresbeschwerden zu lindern. Ihre Erkenntnisse hat sie im Buch „Erste Hilfe bei Hitzewallungen & Co.“ zusammengefasst.

Eine tröstliche Nachricht für ihre Leserinnen lautet: „Nichts im Körper passiert ohne Sinn.“ Das gilt auch für die Umstellung der Hormone. Das Wort „Hormon“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Antreiber“. Lässt der körpereigene Antrieb zur Reproduktion nach, sinken der Östrogen- und Progesteron-Spiegel. Was folgt, ist das „Klimakterium“, was aus dem Lateinischen übersetzt so viel bedeutet wie: „Kritische Phase im Leben“. Petra Neumayer bevorzugt allerdings eine andere Interpretation, nämlich: „Übergang zu Wichtigerem.“

„Die Wechseljahre sind evolutionär bedingt und sinnvoll, denn mit jeder Geburt stieg in früheren Zeiten das Sterberisiko der Frauen“, berichtet Neumayer. Mit dem Herunterfahren der Hormone fand die Fortpflanzung ihr natürliches Ende. Für Frauen war das nach 12 oder sogar mehr Geburten ein Segen.

Heute setzen die Wechseljahre bei Frauen durchschnittlich im 51. Lebensjahr ein – etwa 12 Monate nach der letzten Periode. Sie dauern etwa 7 Jahre. Ursache für die sogenannte Menopause ist, dass die rund 400.000 Eizellen im Körper der Frau aufgebraucht sind. Oder aber, dass Störfaktoren den Hormonhaushalt in Schieflage bringen.

In der Arte-Dokumentation „Verrückte Hormone“ berichtet der Arzt einer Hormonklinik: Immer öfter begegnen ihm im Krankenhausalltag Mädchen, die mit 7 Jahren die erste Periode bekommen – und Patientinnen, bei denen die Wechseljahre schon mit 25 Jahren einsetzen. Als Ursache für diese zeitliche Verschiebung gelten Umweltgifte, Parabene, Weichmacher, Rückstände der Antibabypille im Wasser und Wachstumshormone im Fleisch.

„Wir kriegen viel ab“, betont Petra Neumayer. Dafür möchte sie die Leserinnen sensibilisieren, gibt ihnen aber auch diese gute Nachricht mit auf den Weg: Wer chemische Cremes und Schminke weglässt, dessen Körper regeneriert sich und entgiftet schnell. Besonders wichtig ist es laut Neumayer auch, Stress zu minimieren – denn das Stresshormon Cortison frisst das Geschlechtshormon Progesteron regelrecht auf und bringt die körpereigene Balance noch mehr ins Wanken.

Am Herzen liegt ihr außerdem diese Botschaft: „Wechseljahresbeschwerden muss keine Frau einfach still ertragen.“ Immerhin ein Drittel aller Frauen leidet während des Klimakteriums unter massiven Beschwerden  – ein Drittel erlebt mäßige Beeinträchtigungen, ein Drittel lebt beschwerdefrei. „Jeder Tag ohne Beschwerden zählt!“, sagt sie mit Nachdruck und kritisiert all jene, die die Wechseljahre als Befindlichkeit abtun. Denn in den Wechseljahren gehe es keinesfalls nur um ein „Empty-Nest-Syndrom“, also um die Trauer, dass die Kinder aus dem Haus sind. Es gehe um massive körperliche Veränderungen.

Aufbruch in die zweite Lebenshälfte

„Es gibt keine standardisierten Mittel, Dosierungen oder Anwendungen, die bei jeder Frau gleich wirken würden“, sagt Neumayer, verbindet damit aber die nächste gute Nachricht: „Gegen jedes Leid ist ein Kraut gewachsen – man muss es nur zur richtigen Zeit in der richtigen Dosierung finden.“ Ihr selbst halfen vor allem bioidentische Hormone, um den Körper in eine neue Balance zu bringen. Sie werden im Labor hergestellt, bestehen aber aus pflanzlichen Wirkstoffen. Diese werden zu Molekülen geformt, die mit dem Hormon selbst chemisch identisch sind. Neumayer ist von der Wirkung überzeugt, beklagt aber: „An vielen Schulmedizinern ist das völlig vorbeigegangen.“ Deren Mittel der Wahl sei nach wie vor die Hormonersatztherapie. Sie kritisiert: „Die Arzneimittel sind nicht unumstritten, dennoch empfehlen die meisten Mediziner sie weiterhin als die einfachste Lösung.“

Dabei können auch schon bestimmte Nahrungsmittel hilfreich sein, um Beschwerden zu lindern, zum Beispiel Spargel, Süßkartoffel, Salbeitee.  Auch Heilpflanzen und diverse homöopathische Mittel können helfen. Häufig genüge aber nicht nur ein Mittel. Wirksamer sei es, mehrere Komponenten miteinander zu kombinieren.

Neumayer empfiehlt, sich genau zu informieren und einen eigenen Weg zu finden. Dazu gehöre auch, sich Zeit zur Selbstreflexion zu nehmen. „Geben Sie dem inneren Wandel Raum und fragen Sie sich: Was will ich in der Zeit nach dem Eisprung?“ „Jede Art von Kreativität und Bewegung ist dabei hilfreich“, empfiehlt Neumayer. Ob Malen, Schreiben oder Tanz – durch künstlerische Tätigkeiten können Lebensveränderungen bewusster wahrgenommen und verarbeitet werden. Auch der Sport spiele eine wichtige Rolle: Ideal sei ein Mix aus Ausdauer- und Krafttraining. Das stärke die Knochenstruktur, baue Stress ab und könne Hitzewallungen lindern. 

Den Weg durch die Wechseljahre zu gehen ist im Topmodel-Zeitalter nicht einfach, das weiß die Autorin: „In unserer Gesellschaft ist das Altern nicht leicht. Woanders gelten Stammesälteste als weise. Hier nicht.“ Umso wichtiger sei es, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie man sich selbst Gutes tut.

„Alles fließt“, sagten die alten Griechen, um den Wandel der Welt zu beschreiben. „Auch der Schweiß“, ergänzt Petra Neumayer mit einem Lachen. „Wir dürfen uns diesem Fluss anvertrauen.“ Auch das ist eine ihrer guten Nachrichten. Auf zu neuen Ufern. 


Tipps für die Wechseljahre

- Nehmen Sie sich Zeit für die Frage, wie Sie die zweite Lebenshälfte gestalten möchten.

- Saunagänge helfen dabei, Temperaturwechsel zu trainieren.

- Kalt gepresstes Kokosöl – wie auch  andere Nahrungsmittel – fördern auf sanfte Art die Hormonproduktion.

- Spezielle Wechseljahrestees gibt es beispielsweise von den Naturkostherstellern Salus und Herbaria.

 

Buchtipp

Petra Neumayer: „Erste Hilfe bei  Hitzewallungen & Co. Heilpflanzen,  Superfood und bioidentische Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden“

Petra Neumayer: „Erste Hilfe bei Hitzewallungen & Co. Heilpflanzen, Superfood und bioidentische Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden“ (Mankau Verlag, 8,99 Euro)