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Fitness & Gesundheit

Burnout – wenn nichts mehr geht

© gettyimages- George Peters

Burnout, auf einmal ist der Ofen aus. Man fühlt sich erschöpft, traurig, ausgebrannt – obwohl man vorher mit Feuereifer bei der Sache war. Jetzt zählt nur noch eines: Etwas muss sich ändern. // Sabine Kumm

Burnout. Zu lange schlecht geschlafen, zu lange tatenlos zugesehen, wie das Herz rast, der Blutdruck entgleist, die Infektionskrankheiten sich häufen. Zu viele Termine mit Freunden abgesagt, Erholungschancen ausgeschlagen, zu wenig auf die eigenen Bedürfnisse gehört. Da springt kein Funke mehr über, das System nimmt sich vom Netz. Und was von „Feuer und Flamme“ bleibt, ist am Ende nur ein Häuflein Asche und Elend.

„Plötzlich war ich gefühllos wie ein eingeschlafener Arm“, erzählt Eva Lohmann in ihrem Burnout-Roman „Acht Wochen verrückt“. „Mir ging es auch gar nicht schlecht, fand ich. Mir ging es irgendwie überhaupt nicht mehr.“ Es ist schwer, diesen Zustand als Krankheit zu benennen und noch schwerer, ihn zu verhindern. Vor allem, wenn man zu beschäftigt ist, um achtsam mit sich umzugehen. Burnout ist eine prozesshafte Erkrankung, er schleicht sich von hinten an. Gerade wer sich einsetzt und beweisen will, vernachlässigt irgendwann die eigenen Bedürfnisse – ein Konflikt entsteht, der sich anfangs noch gut verdrängen lässt. „Muss nur noch kurz die Welt retten, danach flieg ich zu dir. Noch 148 Mails checken …“, heißt es in dem bekannten Song des deutschen Liedermachers Tim Bendzko.

Wenn trotz größtem Einsatz jedoch ständig neue Mails dazukommen, dann mutiert die Person, zu der man eigentlich fliegen wollte, zu einer weiteren lästigen Aufgabe, die einen nur am Arbeiten hindert – die alten Werte gelten nicht mehr.

Innere Leere und Depression

Wer jetzt dafür kritisiert wird, fühlt sich als „Weltretter“ unverstanden und reagiert mit Rückzug. Das soziale Umfeld bricht weg, die Anzahl der Mails scheint, wie im Lied, in kürzester Zeit auf sagenhafte „148 713“ anzuwachsen. Ein riesiger Berg, auch in noch so vielen einsamen Überstunden einfach nicht mehr zu bewältigen. Was folgt, sind innere Leere, völlige Erschöpfung und Depression. Burnout. Das ist mehr als die übliche Koketterie mit den Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit, die von vielen Geistesarbeitern nicht ohne eine Spur von heimlichem Stolz gepflegt wird. Zumal ein Burnout schon lange kein Privileg ehrgeiziger Hochleistungsträger mehr ist. Verkäufer, Lehrer, Hausfrauen, Hartz-IV-Empfänger, Rentner, die Angehörigen pflegender Berufe, Lehrlinge, Studenten – sie alle können einem Dauerstress ausgesetzt sein, der keine Erholungspausen mehr zulässt.

Familiäre Probleme, ungewisse Zukunftsaussichten, zu hohe Anforderungen bei der Arbeit und finanzielle Zwänge können dazu beitragen, dass man sich ohnmächtig und ausgeliefert fühlt. Gibt es Alarmsignale für einen Burnout? „Schlafstörungen, die Neigung zum Grübeln, Gereiztheit und Erschöpfung – wenn diese Symptome länger als zwei Wochen andauern, sollte man sich Gedanken machen“, sagt Privatdozent Dr. med. Thomas Wobrock, Chefarzt des Zentrums für Seelische Gesundheit an den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg.

Wer zu diesem Zeitpunkt Maßnahmen ergreift, indem er beispielsweise das Gespräch sucht, kann auch noch alleine mit der Situation fertigwerden.

Raus aus dem Teufelskreis

Hilfreich ist alles, was stark macht: Zunächst erst mal raus aus dem Teufelskreis, ausruhen, zu Kräften kommen. Womit hatte ich zuletzt Spaß? Was verschafft mir Erfolgserlebnisse? Welche Aktivitäten liefern mir einen Ausgleich zum Dauerstress? Welche Entspannungsmethode ist die beste für mich? Anhand dieser Fragen lässt sich die Work-Life-Balance häufig wieder ins Lot rücken. Die praktische Umsetzung erfolgt durch Stressmanagement, Achtsamkeitsübungen, organisatorische Maßnahmen, klärende Gespräche mit Arbeitgeber oder Familie. Wenn sich der Burnout zur schweren Depression ausgewachsen hat, geht das nur noch im Rahmen einer Therapie. Wenn tiefer gehende persönliche Probleme eine Rolle spielen, ebenfalls.

Wer es alleine versuchen möchte, der braucht zunächst einmal Mut und die Bereitschaft, ehrlich zu sich selbst zu sein. Denn ein Burnout kann wichtige Hinweise darauf liefern, welche Teile unseres Lebens fremdbestimmt sind und welche Bedürfnisse wir zu lange ignoriert haben. Vielleicht haben wir jahrelang versucht, dem falschen beruflichen Ziel zu folgen, ohne es zugeben zu können? Vielleicht mit Riesen-Energieaufwand ein Familienleben aufrechterhalten, das sich nun als Illusion entpuppt?

Sicher ist: Jede Erkenntnis, jede Konsequenz muss auch mit einer Veränderung der Lebenssituation und einem Stück Ungewissheit bezahlt werden. Doch es lohnt sich:

„An dem Tag, an dem ich mitten in der Wirtschaftskrise meine Festanstellung kündige, fühle ich mich so zuversichtlich wie seit Jahren nicht mehr“, schreibt Eva Lohmann über ihre persönliche Konsequenz aus der Krise.

Die Botschaft ist klar: Wer zum eigenverantwortlichen Hüter seiner Flamme geworden ist, der lässt sich sein Licht nicht so schnell wieder auspusten.

Damit es nicht zum Burnout kommt

Zeit einteilen
Das richtige Zeitmanagement hilft dabei, sich nicht zu verzetteln, sondern auf die wesentlichen Aufgaben zu konzentrieren. So gewinnt man Zeit für Erholung und die Möglichkeit, neue Energie zu tanken.

Stressventile finden
Der eine braucht Entspannung, der andere muss sich richtig auspowern, um sich abzureagieren. Doch ob Yoga oder Kickboxen – wichtig ist, dass man den Ausgleich regelmäßig sucht.

Loslassen lernen
Freiräume und Auszeiten gehören ebenso zum Leben wie die Arbeitszeit und sollten wie wichtige Termine mit eingeplant werden, um eine Work-Life-Balance zu erhalten.

Nein sagen
Nicht alle Arbeiten, die einem auf den Schreibtisch gehäuft werden, muss man auch wirklich annehmen. Die realistische Einschätzung von dem, was zu schaffen ist, zeugt oft von mehr Kompetenz.

Buchtipp

Burnout – wenn nichts mehr geht

Lohmann, Eva:
Acht Wochen verrückt.
Piper Verlag, 2011,
224 Seiten,
8,99 Euro

Burnout – wenn nichts mehr geht

 

Nelting, Manfred:
Burnout.
Mosaik Verlag,
2010, 416 Seiten,
19,99 Euro