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Fitness & Gesundheit

Drei, zwei, eins – Bootcamp!

Bootcamp (© gettyimages / Patrick Heagney)

Effektives Training an der frischen Luft, Spaß in der Gruppe und persönliche Betreuung: Das versprechen Bootcamps. Wir haben’s ausprobiert. // Frauke Werner

„Was, du willst zum Bootcamp?“, fragt mein Sohn ungläubig. „Das ist doch total anstrengend, so mit Drill und so, fast wie in ner Kaserne.“ Das war, ehrlich gesagt, auch meine Befürchtung. Beim Bootcamp, so hatte ich mehrfach gelesen, geht es hart zur Sache. Kein Wunder, meint der Begriff doch ursprünglich die harte Grundausbildung amerikanischer Soldaten. Dennoch sind Bootcamps für die Fitness gerade voll im Trend.

Ein Blick auf die Website der Original Bootcamps zeigt: Es gibt sie mittlerweile in vielen deutschen Städten. Auch bei mir in der Nähe, in Darmstadt. Also keine Ausrede mehr: Eine kurze E-Mail an Trainerin Ela Bogdoll, schon darf ich zum Probetraining kommen.

Was anziehen? „Am besten Sportkleidung im Lagenlook, an das Wetter angepasst“, rät mir Frau Bogdoll. Denn Bootcamp kennt kein schlechtes Wetter. Ob Hitze oder Schnee, es wird immer draußen trainiert.

Der Treffpunkt liegt hinter einer Sporthalle am Rande eines großen Parkgeländes. Ela Bogdoll biegt um die Ecke, energiegeladen und beeindruckend durchtrainiert. Sie hat Matten, zwei Bälle und ein dickes Tau mitgebracht. „Schön, dass du da bist“, begrüßt sie mich forsch. „Wir Booties sagen Du.“ „Wie viele kommen denn so?“, will ich wissen. „Im Winter so zwischen acht und zehn“, sagt Ela. „Wir sind eine buntgemischte Truppe, von der Psychologin bis zum Bauarbeiter.“
Die Booties trudeln pünktlich ein. Sehen alle ganz normal aus, nicht supersportlich, stelle ich erleichtert fest. Außerdem hieß es ja im Internet, dass jeder seine Trainingsintensität selbst mitbestimmen könne ...

Der Rhythmus treibt an

Dennoch bin ich froh, dass das Training nicht mit einem rasanten Dauerlauf beginnt. „Alle im Kreis aufstellen“, ordnet Ela an. „Kopf nach rechts drehen, dann nach links – Anne, Hände aus den Taschen!“ Ist das der berüchtigte Kommandoton? Arme kreisen, in der Hocke verharren. Zieht in den Oberschenkeln, geht aber noch.

Noch ein paar Übungen, dann gehts zum Kern des Bootcamps, dem Intervalltraining. Dazu bauen die Booties im Kreis sieben Stationen mit den Matten, Bällen, dem Tau und Kugelhanteln auf, zwischen der Graffiti-besprühten Turnhallenwand und ein paar Fahrradständern, mitten auf dem Asphalt. Ela erklärt kurz die Übungen. „Jetzt tut euch zu zweit zusammen. Eine Minute an jeder Station. Ich mach die Musik an, los gehts!“ Zuerst auf eine Matte in den Liegestütz mit gestreckten Armen, meine Partnerin mir gegenüber ebenso. Im schnellen Wechsel heben wir die Hände und klatschen sie gegeneinander. Rechts, links, rechts, links. Der Rhythmus der Musik dröhnt, treibt an. Ela macht die Runde und korrigiert: „Nicht mit dem Po dabei wackeln, Frauke.“ Uff, so ist es viel schwerer. „Das schaffst du“, ermuntert mich meine Partnerin. Auch Ela feuert an und lobt und korrigiert, wenn es nötig ist. „Nicht so viel schwatzen“, ermahnt sie zwei Booties, aber recht freundlich.

Fünfzehn Kilo bewegen 

Ich schiele nach links und rechts. Manche der Teilnehmer absolvieren ihre Übungen scheinbar mühelos, andere ächzen wie ich. Endlich wird die Musik leiser. „10, 9, 8 ...“, zählt eine Stimme vom Band. Fertig! Und sofort zum dicken Tau. Es ist um den Fahrradständer gelegt. Jede von uns greift ein Ende, dann in die Knie gehen und das Tau mit beiden Armen kräftig auf und ab bewegen, bis es hohe Wellen schlägt. Aber flott. Und mit geradem Rücken. „Das sind 15 Kilo, die ihr da bewegt“, sagt Ela. Kein Wunder, dass die Arme schnell schmerzen, auch die Oberschenkel wollen nicht mehr. „Du darfst sie kurz strecken“, sagt Ela. Aber sofort.

„Das hier ist funktionales Training“, erklärt Ela. Anstatt isolierte Muskeln zu trainieren, wie man es aus Fitnessstudios kennt, geht es um gesamte Bewegungsabläufe. Das fördert Reaktion, Balance und Ausdauer zugleich. Bootcamp mischt dazu Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht, wie beim Liegestütz mit Klatschen, und Übungen mit Kleingeräten, eben dem „wilden Seil“ oder Bällen.

Nächste Station: Wieder eine dünne Matte. Darauf gilt es, sich zu drehen, vom Rücken auf den Bauch und zurück, erst über die eine Schulter, dann über die andere. Fröhlich kugele ich hin und her. „Arme und Beine dabei heben und vor allem strecken“, korrigiert mich Ela. Vorbei der Spaß, jetzt muss ich ordentlich die Bauchmuskeln nutzen. Der Boden ist kalt und verdammt hart. „Das Rollen vom Rücken in die Bauchlage ist eine der ersten Bewegungen, die Babys machen“, sagt Ela. Auch das mache Bootcamp aus, ursprüngliche, natürliche Bewegungen.

Muskelkater? Garantiert

Schließlich haben wir alle sieben Stationen durch. Kurze Trinkpause. Zweiter Durchgang. Und noch ein dritter. Jedes Mal mit einem anderen Partner. Zwischendurch klatschen sich die Booties ab: geschafft, gut gemacht, weiter so. Solche Rituale sollen die Motivation fördern, das Gemeinschaftsgefühl und den Spaß am Sport.

Am Ende wird sich noch einmal im Kreis gelockert, auf die Schenkel und in die Hände geklatscht. „Drei, zwei, eins – Bootcamp!“, brüllen alle. Sonst hat eigentlich niemand gebrüllt. Gleich im Anschluss trainiert Ela noch eine Gruppe. Mir reicht es für heute.

„Na, wie wars?“, fragt mein Sohn am nächsten Morgen. „Gut“, sage ich, „gar nicht sooo anstrengend, hab nicht mal Muskelkater in den Beinen.“ Damit hatte ich schon gerechnet. Nicht aber mit den Schmerzen, die sich bald darauf in Bauchmuskeln und Rippen, eigentlich am gesamten Rumpf, ausbreiten. „Die Babyrolle“ fällt mir ein. Das behalte ich aber für mich.

Info

Das ist Original Bootcamp

Was ist das? Original Bootcamp, das sind Outdoor-Fitnesskurse in der Gruppe. Im Mittelpunkt steht ein intensives Intervalltraining. Ein Personal Trainer leitet an, motiviert und betreut individuell. Die Kurse laufen stets über acht Wochen. Trainiert wird zwei Mal wöchentlich, jeweils für eine Stunde.

Für wen? Ob dick oder dünn, Sportmuffel oder Fitness- fan, jeder soll mitmachen können. Ein Kurs nimmt maximal 12 Teilnehmer auf, damit der Trainer auf jeden achten kann. Falls jemand eine Übung nicht kann, bietet er zum Beispiel verschiedene Schwierigkeitsstufen an.

Die Methoden? Trainiert wird nach neuesten sportwissenschaftlichen Methoden: Das funktionale Training übt Bewegungsabläufe, nicht isolierte Muskelgruppen. Die Mischung aus Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht und Übungen mit Kleingeräten wie Kugelhanteln oder dicken Seilen verspricht schnellen Erfolg.

Und sonst? Weitere Bausteine auf dem Weg zu mehr Fitness sind Ernährung und Motivation. Die Teilnehmer des Bootcamps bekommen einen individuellen Ernährungsfahrplan für den Kurs. Spezielle Musik, Partnerübungen und der Trainer spornen an.

Die Kosten? Ein Bootcamp mit 16 festen Einheiten à 60 Minuten kostet 175 Euro, also 11 Euro pro Stunde. Die Kleingeräte bringt der Trainer mit. Die Teilnehmer brauchen nur griffige Turnschuhe und an das Wetter angepasste eng anliegende Sportkleidung.

Wo gibt’s Kurse? Die Website www.original-bootcamp.com zeigt, wo es Kurse in Ihrer Nähe gibt. Dort erfahren Sie auch etwas über die jeweiligen Trainer und über Bootcamps allgemein.

Die Trainerin zeigt einem „Bootie“, worauf es bei der Übung ankommt.  (© Rainer Medefindt)
Bootcamp legt auch Wert auf Teamgeist. (© Rainer Medefindt)
(© Rainer Medefindt)
Probetraining am Abend: Arme hoch, auf den Bauch rollen und zurück, auf hartem Untergrund, eine Minute lang. Noch lacht unsere Autorin ...
© Rainer Medefindt
(© Rainer Medefindt)
Erschienen in Ausgabe 05/2016