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Fitness & Gesundheit

Geht doch!

Wandern (© Gettyimages / Nicolas Holtzmeyer / EyeEm)
(© Gettyimages / Nicolas Holtzmeyer / EyeEm)

Wer zu Fuß unterwegs ist, erlebt Freiheit und tut Gutes für Körper und Seele. // Jochen Bettzieche

Für  uns ist der Weg frei. Wir gehen zu Fuß. Von zu Hause aus bis ans Urlaubsziel. Eine Woche oder länger sind wir dabei unterwegs. Vor acht Jahren haben wir unsere Kinder das erste Mal zum Trekking mitgenommen. Damals waren sie gerade einmal acht Jahre alt und vor dem Autofahren und der damit verbundenen Übelkeit hat es ihnen so gegraust, dass sie unbedingt zu Fuß in den Urlaub gehen wollten. Rund 140 Kilometer Strecke haben wir damals in acht Tagen zurückgelegt. Seitdem sind wir vom „Wir-gehen-immer-weiter“-Virus infiziert.

Eine klare Definition, was noch Weitwandern ist und was Trekking, existiert nicht. Gemeinsam haben sie auf jeden Fall eins: Der Wanderer ist Tag für Tag zu Fuß mit Gepäck unterwegs. Und wird dabei immer ausgeglichener. Woran das liegt, weiß Julia Scharnhorst vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen: „Bei ständiger, dauernder Bewegung sinkt der Adrenalinspiegel, der Körper baut Stresshormone ab.“ Die ständige, symmetrische Bewegung gleicht auch die Aktivität der Hirnhälften aus. Das Gehirn kommt zur Ruhe, ist in der Natur nicht der städtischen Reizflut ausgesetzt. Doch der Geist ist sehr wohl gefordert, schließlich muss der Wanderer den richtigen Weg finden. „Man sollte immer Papierkarten, idealerweise im Maßstab eins zu 25.000, dabei haben“, empfiehlt daher Thomas Bucher, Sprecher beim Deutschen Alpenverein (DAV). Zwar kann man auch die GPS-Funktion des Smartphones nutzen, um sich zu orientieren. Das funktioniert aber nicht überall, zumal ein technisches Gerät immer ausfallen oder der Akku leer sein kann. Wer nicht das Angebot eines Reiseveranstalters in Anspruch nimmt, sollte sich für die Planung der Tour viel Zeit nehmen. Individuelle Wanderrouten sind reizvoll, benötigen aber eine gründliche Vorbereitung.

Und so beugen wir uns vor jeder Tour tagelang über zahlreiche Karten, die ich auf dem Boden des Wohnzimmers verteilt habe, fluchen, wenn uns Autobahnen oder Bahntrassen zu kilometerlangen Umwegen zwingen und freuen uns, wenn Etappe für Etappe die Reise entsteht. Wichtige Orientierungspunkte sind dabei die möglichen Unterkünfte für die nächste Nacht. Das können Berghütten sein, Jugendherbergen, Pensionen, Hotels oder Bauernhöfe. Nur wer mit dem Zelt unterwegs ist und nicht auf Campingplätze geht, muss aufpassen. Denn in den meisten Ländern ist zelten in der freien Natur verboten.

Da mir persönlich ein Zelt auf dem Rücken zu schwer ist, übernachte ich – alleine oder in der Gruppe – meist in einfachen Unterkünften oder in Berghütten. Wie beispielsweise auf der Braunschweiger Hütte, einer Unterkunft des DAV im österreichischen Pitztal, 2.759 Meter über dem Meeresspiegel. Zum Ausschlafen kommt hier niemand her. Um sechs Uhr morgens stehe ich mit meiner Kaffeetasse im Gemeinschaftsraum und schaue aus dem Fenster. Trotz der frühen Morgenstunde haben sich bereits unzählige Wanderer auf den Weg gemacht, vorbei an den Gipfeln Karleskopf und Karleskogel hinüber ins Ötztal.

Das Wegstück gehört zum E5, einem europäischen Fernwanderweg von der Bretagne nach Venedig – und es gehört zu den prominenten Alpenüberquerungen. Dort wird es voll. Ruhe ist selten, die Unterkünfte sind überfüllt. Dabei gibt es durchaus spannende Wege, die weniger stark besucht sind. „In den Alpen sind das zum Beispiel die Strecke vom Tegernsee nach Sterzing oder von Berchtesgaden nach Leifers“, empfiehlt Bucher. Oder die Grande Traversata delle Alpi vom Wallis nach Ligurien. Der Haken ist die Infrastruktur. „Es gibt dort deutlich weniger Unterkünfte“, weiß Bucher.

Zum Weitwandern braucht man aber nicht unbedingt die Berge. Mein Favorit im vergangenen Jahr:  Der GR 34, der große Wanderweg, der die Küste der Bretagne entlangführt. Ähnliche Küstenwanderwege existieren in vielen Teilen der Erde. Doch auch hier gilt: Je bekannter der Weg, desto voller wird es.

Kein Stau, keine Baustelle – der Weg ist frei

 

Anspruchsvoll wird Trekking in hohen Lagen. Der Kyanjin Ri in Nepal ist 4.400 Meter hoch, und angesichts der Sechs- und Siebentausender rundherum wirkt er wie ein kleiner Hügel. Doch der hat es in sich: Drei Tage dauert der Fußmarsch durch das Langtangtal zum Ort Kyanjin Gompa. Von dort sind es nur noch 400 Höhenmeter auf den Gipfel. In den Alpen schafft das ein trainierter Europäer in einer knappen Stunde. Aber hier, in der Höhe, ist die Luft dünner, der Sauerstoff knapp. Schritt für Schritt geht es bergauf, zwei Stunden lang. Nichts für Untrainierte, nichts für Anfänger.

Die überschätzen sich leicht, weiß Tobias Vogel, Landesvorsitzender beim Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie in Bayern, und warnt: „Wenn man sich überfordert, ist man am Ende des Tages erschöpft und die Verletzungsgefahr steigt.“ Vogels Faustregel lautet: „Die Pulsfrequenz sollte 180 Schläge pro Minute minus Lebensalter nicht überschreiten.“

Vorsicht ist auch beim Packen geboten, damit der Rucksack nicht zu schwer wird: Wanderer sollten bedenken, dass zu Kleidung und Ausrüstung noch Brotzeit und Getränke kommen. Allein zwei Liter Wasser wiegen schon zwei Kilogramm. Wichtig ist da die richtige Ausrüstung. Viele Fachgeschäfte haben Gewichte, um einen gefüllten Rucksack zu simulieren. Schuhe sollten auf jeden Fall einen Schaft haben. Vogel empfiehlt einen Trekkingschuh der Kategorie B oder B/C, für Hochtouren mindestens Klasse C. Die Sohle sollte gut gedämpft sein. „Wanderstöcke helfen, die Lendenwirbelsäule, Knie und Sprunggelenke zu entlasten“, rät der Arzt. Gerade, wenn es bergab geht, sind die unteren Extremitäten gefährdet.

Wer achtsam wandert, der profitiert von vielen medizinischen Vorteilen. Wanderer stärken ihr Herz-Kreislaufsystem, Blut und Gewebe nehmen Sauerstoff besser auf. „Und die Knochen werden besser durchblutet“, sagt Vogel. Zudem schärfen Weitwanderer ihren Blick für die kleinen Dinge: Ameisenstraßen am Wegrand, Rehe in der Waldlichtung, aber auch Gespräche mit anderen Menschen, die ebenfalls zu Fuß unterwegs sind. Kein Stau, keine Baustelle. Der Weg ist frei.

Wandern (© like.eis.in.the.sunshine / photocase.de)
(© like.eis.in.the.sunshine / photocase.de)

Beim Trekking ist schon der Weg das Ziel: Wer achtsam unterwegs ist, nimmt die Natur und den eigenen Körper ganz bewusst wahr. Und: Was man braucht, trägt man bei sich. Was nicht, das braucht man auch nicht.

Tipps & Infos

Buchtipps

Rothern WanderführerAndrea und Andreas Strauß: Alpenüberquerung Berchtesgaden – Lienz, Bergverlag Rother 2016,
136 Seiten, 14,90 Euro

Kraftquelle GehenChristine Paxmann, Klaus Bovers: Kraftquelle Gehen,
BLV 2018, 112 Seiten, 20,00 Euro

 


Webtipps

Tourbeschreibungen und aktuelle Infos zu Witterung, Sperrungen oder Gefahren mit dem Schwerpunkt auf den Alpen, aber auch weltweit.
www.alpenvereinaktiv.com

In seinem Blog Trekkingfieber berichtet Jannik Marquart von Touren und gibt Tipps für Ausrüstung und Fotografie.
www.trekkingfieber.de


Veranstalter

DAV Summit Club, Reiseveranstalter des Deutschen Alpenvereins
www.dav-summit-club.de

Etablierter Anbieter aus München: Hauser Exkursionen
www.hauser-exkursionen.de