Anzeige

Anzeige

Fitness & Gesundheit

20 Stürze bis zum Ziel

Bouldern (© Isabelle Modler)
(© Isabelle Modler)

Unser Autor will Felsen bezwingen – ohne Seil. Und fällt fürs Erste von der Boulder-Wand. // Maximilian Modler

Meine Arme zittern, die Muskeln wollen nichts lieber als endlich loslassen. Aber ich will nicht aufgeben. Fast habe ich diese miese Stelle besiegt, an der es mich immer runterhaut. Trainer Ben steht hinter mir, während ich mich an der Wand festkralle. „Ruhig. Arme lang lassen, Schwerpunkt tief, mit den Beinen klettern“, sagt er. Genau, denke ich, alles total einfach! Für ein bisschen Sarkasmus reicht die Energie gerade noch. Dann schnaufe ich durch, entspanne meine Arme, damit sie weniger Kraft benötigen, den Hintern bringe ich weit unten in Position, und stemme mich langsam mit den Beinen nach oben.

„Klettern ist Physik“, hat Ben mir beigebracht. Drehachsen, Schwerpunkte, Hebel, das alles hatte ich vorhin prima verstanden. Die Anwendung an der Wand ist schwieriger. Dennoch grabsche ich entschlossen nach meinem nächsten Ziel, dem gelben Griff über mir. Erwische ihn, drücke nach einem Blick nach unten meinen rechten Fuß in dem unbequemen Kletterschuh auf den nächsten, lächerlich kleinen Vorsprung an der Wand. „Gut, immer schön mit dem großen Zeh ansteuern“, lobt Ben. Er meint: Nicht mit der Fußsohle einen Stand suchen, sondern eben mit den Zehen. Denn die kann man dann noch drehen, ohne sich an der Wand zu verkeilen. So ist man beweglicher und kann seinen Körper für den nächsten Griff besser in Position bringen. Einen kurzen Moment lang freue ich mich über das Lob, recke mich dann weiter, rutsche prompt ab – und stürze. Schon wieder.

Seine Hände finden Halt, wo meine Augen keinen sehen

Zum Glück nicht tief: Einen Meter unter mir plumpse ich auf eine dicke Matte. Wie frustrierend! „Ich hatte einfach keine Kraft mehr!“, beklage ich mich bei Ben, der mir wieder auf die Beine hilft. Ich drücke auf meinen geschwollenen Unterarmen herum, die hart sind wie Bretter. „Klar, als Anfänger hast du noch nicht die Muskeln“, sagt Ben, Trainer in der Berliner Kletterhalle „Magic Mountain“, der diese Muskeln definitiv hat. Er soll mir im Crashkurs Bouldern beibringen. Seine Hände finden Halt, wo meine Augen keinen sehen. Diese Hände! So sehnig, die Innenflächen mit dicker Hornhaut. Genau die fehlt mir schmerzlich, so wie die Kraft in den Fingern und Armen. Die Muskeln kämen bald von selbst, sagt Ben, nur mit den Bändern und Sehnen dauere es noch, die würden sich nicht so schnell an die Belastung gewöhnen.

Lange habe ich mich diesem Sport verweigert: Bouldern, dieses technisch anspruchsvolle Klettern in niedriger Höhe ohne Seil, machen viele. Nächstes Jahr in Tokio ist es sogar Teil einer olympischen Disziplin, dem „Sport Climbing“, gemeinsam mit Speed- und Schwierigkeitsklettern. Aber alles, was zu sehr in Mode ist, meide ich. Neugierig bin ich allerdings doch – und als Kind gerne auf Bäume geklettert. Vielleicht also einfach draußen bouldern gehen? Nur der Fels, die Stille und ich? Klingt gut. Doch der Deutsche Alpenverein warnt: Ohne Erfahrung sei das zu gefährlich. Anfänger gehörten in die Halle. Nach dem x-ten Sturz muss ich zustimmen und bin froh, dass ich nicht wie ursprünglich geplant an einem Felsbrocken mitten in der Wildnis herumkraxele. Denn draußen liegen keine dicken Matten auf dem Boden, sondern nur kleine Crashpads, die man beim Fallen auch treffen sollte.

Ich freue mich, Ben freut sich – gefühlt freut sich die ganze Halle

Drinnen ist es dafür überraschend nett. Und anstrengend. Denn erstens sind die Griffe manchmal nur mit Techniken zu bezwingen, die ich noch nicht kann – zum Beispiel mit dem „Toe Hook“ oder „Heel Hook“, bei denen man das Bein emporschwingt und entweder Zehen oder Ferse so verkeilt, dass man sich wie an einem Haken daran emporziehen kann. Und zweitens ist mein Körper schlichtweg schwächer, als ich dachte, obwohl ich regelmäßig Sport mache.

Am Ende schaffe ich es trotzdem nach oben. Nach gefühlt 20 Versuchen hänge ich kontrolliert drei Sekunden am Zielgriff – dann gilt die Route als bezwungen. Ich freue mich, Ben freut sich, gefühlt freut sich die ganze Halle. Boah! Ich kann nicht mehr, lasse mich die knapp zwei Meter fallen, das kann ich ja mittlerweile. Meine Arme und Hände brennen, ich bin stolz wie Bolle. Wie schnell man das lernt! Es ist, als wäre der Körper zum Klettern geschaffen – was evolutionstechnisch ja durchaus Sinn ergibt. Darum also machen das so viele! Es ist schön, sich Ziele zu stecken und sie mit Hilfe des eigenen Körpers und Geistes zu erreichen. Weniger schön ist der Muskelkater danach, die Marmeladengläser muss in den nächsten Tagen meine Frau aufmachen. Das wird mich aber nicht davon abhalten, mich wieder an die Wand zu wagen – irgendwann auch in der Natur!

Bouldern (© Isabelle Modler)
Bouldern, das Klettern ohne Seil, stellt unseren Autor Max vor ganz neue Herausforderungen: Er muss mit Händen und Füßen Halt an winzigen Griffen finden. Seine Begeisterung ist groß, die Schmerzen aber auch. (© Isabelle Modler)

Bouldern im Freien

Am besten geht man nicht alleine zum Bouldern, sondern mindestens zu zweit – sodass einer im Notfall auch ohne Handyempfang die Rettung organisieren kann. Gerade für Einsteiger empfiehlt es sich, einen erfahrenen Outdoor-Kletterer zu begleiten.

Der Anstieg zum Kletterfelsen sollte nicht zu lang sein, denn wer beispielsweise jeweils drei Stunden hin und zurück wandert, hat weniger Zeit und Kraft zum Klettern. Und gerade, wenn am Anfang schnell die Energie am Fels nachlässt, lohnt sich der Aufwand nicht. Neben der richtigen Ausrüstung wie Crashpads, Chalkbeutel und Schuhen braucht man auch bequeme Kleidung für verschiedenes Wetter sowie Sonnenschutzmittel. Wer bisher nur in Hallen war, sollte besonders vorsichtig sein – Fels ist anders als angeschraubte Griffe. Er kann brechen, scharfe Kanten haben oder bei Regen glitschig werden. Bevor man an die Wand geht: Immer erst aufwärmen, damit man sich nichts zerrt. Und die Zeit nehmen, vorher die Route am Fels zu planen – hier können die Kreidespuren anderer Kletterer helfen. Dann die kniffeligen Stellen, an denen man fallen könnte, mit den Crashpads absichern. Und schon kann‘s losgehen. Ab nach oben.

Erschienen in Ausgabe 05/2019

Warning: mb_eregi_replace(): mbregex search failure in php_mbereg_replace_exec(): undefined bytecode (bug) in system/modules/core/library/Contao/Search.php on line 238
#0 [internal function]: __error(2, 'mb_eregi_replac...', '/homepages/45/d...', 238, Array)
#1 system/modules/core/library/Contao/Search.php(238): mb_eregi_replace('[^[:alnum:]'\\.:...', ' ', '20 St\xC3\xBCrze bis ...')
#2 system/modules/core/classes/FrontendTemplate.php(330): Contao\Search::indexPage(Array)
#3 system/modules/core/classes/FrontendTemplate.php(124): Contao\FrontendTemplate->addToSearchIndex()
#4 system/modules/core/pages/PageRegular.php(190): Contao\FrontendTemplate->output(true)
#5 system/modules/core/controllers/FrontendIndex.php(285): Contao\PageRegular->generate(Object(Contao\PageModel), true)
#6 index.php(20): Contao\FrontendIndex->run()
#7 {main}