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Fitness & Gesundheit

5 gute Gründe fürs Rad

© gettyimages -Ingolf Pompe

Das Fahrrad erlebt zurzeit seinen zweiten Frühling. Immer häufiger radeln Menschen mit ihm zur Arbeit oder ins Grüne. Warum das so ist, erfahren Sie hier. // Andrea Reidl

1 Glück hautnah

Es passiert jedes Jahr aufs Neue. Meist irgendwann im März. Man steigt aufs Rad und spürt ihn plötzlich: den ersten warmen Wind im Jahr. Weich und mild streicht er über das Gesicht. Tief durchatmen, Vorfreude spüren: Der Frühling kommt! Während man im Auto oder in der U-Bahn abgeschottet durch die Landschaft gleitet, nimmt man seine Umgebung beim Radfahren intensiv wahr. Es ist eine unmittelbare Erfahrung, die glücklich macht.

Zugegeben, nicht immer sofort. Morgens braucht es eine Weile, bis man im Sattel richtig wach wird. Da können die ersten Meter schon mal quälend sein. Manch einer mag sich fragen: Warum sind bloß die Beine so schwer, wo es am Abend zuvor doch gar keinen Wein gab? Aber kurze Zeit später, wenn der Puls langsam Fahrt aufnimmt und die Beine ihren Rhythmus gefunden haben, ist das vergessen. Dann fährt es sich leichter, und man kommt wach und gut gelaunt im Büro an.

2 Besser denken

Jeder kennt das: Beim Laufen oder Radfahren hat man plötzlich eine Idee oder findet die Lösung für ein verzwicktes Problem. „In Bewegung ist die Gehirnaktivität viel höher als in Ruhe“, erklärt Sportmediziner Achim Schmidt von der Sporthochschule in Köln dieses Phänomen. Warum das so ist?

Sport regt die Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns an und das Nervenwachstum. Es entstehen neue Nervenverknüpfungen, die Leistung des Gedächtnisses steigt und mit ihr die Kreativität sowie die Konzentrations-fähigkeit. Aber Radfahren kann noch mehr. Es macht den Kopf frei. Nach einem Streit, einem langen Arbeitstag oder vielen Stunden auf
einem schönen Fest ist es immer wieder eine Wohltat, mit dem Rad nach Hause zu fahren. Ob man beflügelt in die Pedale tritt, sich den Ärger von der Seele fährt oder einfach langsam dahingleitet und die frische Luft genießt, ist dabei gleichgültig. Das Ergebnis zählt: Es geht einem gut, wenn man vom Rad steigt.

© Gettyimages-Image Source RF/Sydney Bourne

3 Ruhig bis rasant

Unzählige Studien belegen: Wer regelmäßig auf’s Rad steigt, spart sich das Workout zum Feierabend. Die Wirkung vom Radfahren ist enorm. Im Grunde reicht bereits gemütliches Radeln zur Arbeit. Selbst das kann das Risiko für Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen um rund 50 Prozent reduzieren.

Außerdem entlastet Radfahren die Gelenke. Das leuchtet ein. Schließlich trägt das Velo bis zu 70 Prozent des Gewichts seines Fahrers. Dadurch wirkt es anders als Joggen oder Nordic Walking wenig belastend auf Sehnen oder Bänder. Deshalb ist Radfahren ideal für Sport-Einsteiger.

Wiedereinsteiger oder Anfänger sollten jedoch eines beachten: Suchen Sie sich einen schönen Tag für den Start ins Radfahrerleben aus. Es sollte nicht regnen, und Sie sollten Zeit haben. Hetzen Sie nicht auf Ihrer ersten Tour, fahren Sie langsam. Anfangs sind auch nur wenige Kilometer mühsam. Das gibt niemand gerne zu, ist aber so. Ab dem dritten Tag wird’s besser, und nach zwei Wochen spüren Sie deutlich den Unterschied: Sie fahren viel leichtfüßiger, die Beinmuskeln straffen sich und Sie sind auch schneller geworden.

Aber auch für fitte Sportler ist das Fahrrad ein perfektes Spaßgerät. Mountainbiken ist die optimale Mischung von Spaß, Technik und Auspowern. Auf dicken Stollenreifen rollt man zwischen hohen Farnen weiche Waldwege oder hakelige Wurzelpfade herunter. Mal ist es ein Schwingen wie beim Tanz, ein anderes Mal eine Schlammschlacht wie im Sandkasten.

Ganz anders ist das beim Rennradfahren. Im Gegensatz zum Mountainbiken hat das schnelle Dahingleiten auf zentimeterbreiten Reifen immer einen Hauch vom Fliegen. Im perfekten Moment ist alles im Takt: Der runde Pedaltritt und der Atem bilden eine Einheit, während die Reifen leise über den Asphalt surren. Felder und Wälder gleiten vorbei. Unabhängiger und freier kann man kaum unterwegs sein.

4 Saubere Sache

Weniger sexy, aber umso wichtiger ist die gesellschaftliche Rolle des Fahrrads: Radfahren hilft der Umwelt. Das Fahrrad ist das ökologischste Verkehrsmittel in der Stadt. Es produziert weder das klimaschädliche Kohlendioxid noch Stick­oxide. Dadurch ist es eine besonders saubere Form der Fortbewegung.

Außerdem ist Radfahren leise. Das ist ein echtes Plus. Denn Lärm macht krank. Aber diese Gefahr wird im Alltag oft unterschätzt. Dabei schadet chronischer Lärm massiv der Gesundheit, denn er verursacht Stress. Bei Stress schüttet der Körper Hormone wie Adrenalin aus. Über längere Zeit verursachen diese dann Herzschmerzen, Herzklopfen oder führen zu erhöhtem Blutdruck.

5 Voll im Trend

In der Tat erlebt das Fahrrad zurzeit in den Städten und Metropolen weltweit ein großes Revival. Immer mehr Menschen sind dort immer häufiger mit dem Rad unterwegs. Radfahren ist modern und macht Spaß, ist Lifestyle. Für viele junge Menschen hat das Auto als Status­symbol längst ausgedient. Mit dem Rad kommen sie in der Stadt viel schneller ans Ziel. Außerdem unterstreicht das Velo ihren persönlichen Lebensstil. Es wird für sie zum Accessoire. Jedenfalls anfangs. Denn wer erstmal den Spaß am Radfahren entdeckt hat, kommt nicht mehr davon los.

Info: Welches Rad wofür?

Das Fahrrad ist mehr als nur ein Gebrauchsgegenstand, es repräsentiert den Lebensstil und ist Accessoire. Damit das so ist, muss es allerdings auch zu seinem Fahrer passen wie sein Lieblingsschuh.

Das meist verkaufte Rad in Deutschland ist das Citybike. Es ist perfekt geeignet für die Kurzstrecke. Der Klassiker für die Ebene ist in dieser Kategorie das Hollandrad.

Wird es etwas hügeliger, ist eine sportlichere Haltung besser. Die findet man beim Trekkingrad. Auf solchen Rädern sitzt man leicht nach vorne gebeugt. So wird die Kraft besser übertragen.

Immer mehr Pendler entdecken für sich das Radeln mit Motor. Es ist komfortabel und macht schnell süchtig. Die Unterstützung beim Pedelec oder Elektrorad (E-Bike) kappt allerdings nur die Belastungsspitzen, treten muss man trotzdem – und tut somit immer noch etwas für seine Gesundheit.

Fahrräder aus nachwachsenden Rohstoffen wie Bambus sind (noch) Nischenprodukte. Bambusrahmen sind beliebt, denn sie sind unglaublich hart und haben sehr gute Dämpfungseigenschaften – besonders auf Kopfsteinpflaster.

Das Lastenrad ist die neue Familienkutsche. In der Stadt ersetzt es zunehmend den Kleinwagen. Lastenräder gibt es mit zwei oder drei Rädern, mit Verdeck oder als Cabrio.