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Fitness & Gesundheit

5 mal Yoga für mich

© gettyimages , Thomas_EyeDesign

Yoga gibt es in vielerlei Varianten. Da ist es gar nicht so leicht, den passenden Stil zu finden – erst recht nicht, wenn man Beschwerden hat. Für diesen Fall bieten Yogalehrer mit therapeutischer Qualifikation spezielle Yogaformen an. // Astrid Wahrenberg

1 Mit Hilfsmitteln: Rücken- und Gelenkyoga

Damit hat sich der Berliner Sportwissenschaftler und Yogalehrer Tom Beyer einen Namen gemacht. Beyer unterrichtet Hatha-Yoga, bei dem die Körperübungen (Asanas) im Einklang mit dem Atem ausgeführt werden, unterstützt mit Hilfsmitteln. Spezielle Arm- und Beingurte etwa helfen, Schulter- und Beckengürtel anatomisch sinnvoll auszurichten.

Rücken- und Gelenkyoga ist für Anfänger und für Fortgeschrittene geeignet. Es sorgt insbesondere bei allen Übungen im Stehen für eine korrekte Ausrichtung des Skeletts, eine gute Körperspannung und Muskelaktivität. Das ist wichtig, denn nur bei exakt eingenommenen Yogapositionen leisten die Muskeln, besonders die in der Tiefe, die Hauptarbeit. Das schützt und entlastet die Gelenke und die Bänder.

Die festen Schlaufengurte geben zusätzlich Sicherheit und Balance. Sie schützen davor, sich zu überfordern oder falsch zu belasten, wenn die Muskelkraft für bestimmte Übungen (noch) fehlt. Auch helfen sie beim Dehnen: Dadurch kann beispielsweise das Becken in der Kriegerstellung, einer dem Ausfallschritt ähnlichen Haltung, tiefer in die Dehnung sinken. Die Gurte bilden einen Widerstand, gegen den die Muskulatur arbeiten muss. Das ist auch für geübte Yogaschüler eine intensive, neue Erfahrung und macht die Asanas noch kraftvoller.

2 Für Frauen im Umbruch: Hormonyoga

Die Brasilianerin Dinah Rodrigues hat Hormonyoga bereits vor rund 20 Jahren entwickelt. Dafür verband sie Übungen
verschiedener Yogalehren mit der sogenannten Feueratmung aus dem Kundalini-Stil. Umkehrhaltungen wie der Schulterstand sollen die Schilddrüse stimulieren, die Konzentration auf Organe wie die Eierstöcke die Hormonproduktion steigern. Von Rodrigues autorisierte Yogalehrer empfehlen die Methode unter anderem bei Wechseljahresbeschwerden, sprich Hitzewallungen, Depressionen und Schlafstörungen. Auch die Fruchtbarkeit und das Prämenstruelle Syndrom sollen damit positiv beeinflusst werden. Um Gesundheitsprobleme wie Bluthochdruck oder Erkrankungen, die Hormonyoga verbieten, abzuklären, gibt es vor Kursbeginn üblicherweise ein Vorgespräch.

Viele Frauen berichten, dass ihnen diese Yogapraxis hilft. Zweifellos dürften die Übungen dazu beitragen, dass man besser entspannen kann – eine Wirkung, die Yoga ganz allgemein zugesprochen wird. Dass die Übungen den Hormonhaushalt ankurbeln, ist allerdings nicht wissenschaftlich belegt. Rodrigues selbst verweist auf Fallstudien mit ihren Übungsgruppen.

3 Ayurveda inklusive: Svastha-Yoga


Svastha-Yoga geht auf die Tradition des Yogameisters Sri T. Krishnamacharya zurück, dem „Vater des modernen Yogas“. Im Mittelpunkt seiner Lehre steht der einzelne Mensch mit seinen geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Daran orientiert sich das individuelle Übungsprogramm. Auch beim Svastha-Yoga kommt es auf die präzise Ausrichtung in den Asanas an. Oft werden deshalb Kenntnisse zur Anatomie und Funktionsweise des Bewegungsapparates im Einzelunterricht vermittelt.

Das Besondere an Svastha-Yoga: Es bezieht die alte indische Heilkunst Ayurveda mit ein. In manchen Fällen stellt der Yogalehrer zusätzlich zu den individuellen Körperübungen einen Ernährungsplan auf oder verordnet eine ayurvedische Kräutermedizin.

Lehrer, die therapeutisches Svastha-Yoga anbieten, wie der Orthopäde, Physiotherapeut und Ayurveda-Mediziner Günter Niessen aus Berlin, kombinieren klassische Yogamethoden nach Krishnamacharya mit modernen medizinischen Konzepten. Der ganzheitliche Ansatz soll Schmerzen lindern und die Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer des Patienten steigern. Die tiefe Yoga-Atmung, die im Svastha-Yoga geübt wird, spielt auch bei der Prävention und Therapie von Herzkreislauf-Erkrankungen eine wichtige Rolle.

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4 Für mehr Stabilität: Medical Yoga

Medical Yoga nutzt die Erkenntnisse der sogenannten Spiraldynamik. Überall in der Bioarchitektur der Natur kommen Spiralen vor – von der schraubenförmigen Erbsubstanz, der DNA-Helix, über Schneckenhäuser bis hin zu Wirbelstürmen. In unserem Körper spielt das Spiralprinzip zum Beispiel beim Aufbau eines gesunden, belastungsfähigen Fußgewölbes eine Rolle. Allgemein sorgt das dreidimensionale Prinzip für Beweglichkeit und maximale Stabilität.

Medical Yoga überträgt dieses Wissen auf traditionelle Körperhaltungen aus dem Hatha-Yoga. Ein Beispiel: Wenn man bei der Übung „herabschauender Hund“ die stützenden Arme spiralig verdreht – Unterarme nach innen, Oberarme nach außen –, sorgt das für eine bessere Stabilität und schont zugleich die Gelenke.

Auch beim Medical Yoga liegt der Fokus auf einer präzisen, korrekten und damit für Knochen, Gelenke und Bänder förderlichen Haltung. Die praktischen Übungen werden durch theoretische Informationen ergänzt. So erfährt man, was bei jeder Position im Körper passiert und was schon kleine Veränderungen bewirken können.

Medical Yoga fördert damit ein tieferes Verständnis für den eigenen Körper und hilft, eingefahrene Bewegungsmuster zu verändern.

5 Präventiv: Marma-Yoga


Marma sind in der ayurvedischen Gesundheitslehre Energiepunkte, die sich überall im Körper befinden – im Bindegewebe, in Muskeln, im Nerven- und Kreislaufsystem. Dort treffen Knochen auf Knochen, setzen Bänder oder Muskeln an Knochen an und verzweigen sich Venen. Nach Ansicht indischer Heilkundiger können Verletzungen oder Blockaden im System dieser 107 Marmapunkte uns krank machen. Die empfindlichen Vitalpunkte gelten auch als Frühwarnsystem des Körpers.

Davon ausgehend hat der Gesundheitspädagoge und Professor für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Roque Lobo aus dem klassischen Hatha-Yoga das Marma-Yoga entwickelt.

In langsam und möglichst präzise ausgeführten Bewegungen, die teilweise als Partnerübungen konzipiert sind, werden die Marmapunkte durch intensives Fühlen abgefragt. Dort wo es schmerzt oder Bewegung nur eingeschränkt möglich ist, sind demnach Marmapunkte angegriffen. Individuelle Übungen sollen helfen, solche Störungen und Blockaden zu lösen.

Marma-Yoga ist vor allem exakt ausgeführtes Yoga, das die eigene Wahrnehmung schult und hilft, den Körper besser zu verstehen. Es wirkt präventiv und ist für alle Menschen geeignet. Seit wenigen Jahren gibt es sogar einen Master-Studiengang „Marma-Yoga in der individuellen und betrieblichen Gesundheitsförderung“.

 

AnführungszeichenAuf die Qualifikation des Yogalehrers achten

 Dr. Christian Keßler, Arzt und Indologe, ist als Forschungskoordinator an der Charité Hochschulambulanz für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin tätig. In der Naturheilkunde-Klinik arbeiten drei Yogatherapeuten mit medizinischem Hintergrund. Keßlers Schwerpunkt ist die Traditionelle Indische Medizin (TIM), vor allem Ayurveda.

Bei welchen Gesundheitsproblemen empfehlen Sie Yoga als Therapie?

Keßler: Im klassischen Sinn ist Yoga ja gar keine Therapieform, sondern eine Disziplin mit spiritueller Dimension. Wir haben in der Medizin jedoch festgestellt, dass Yoga eine effektive Methode ist, um beispielsweise Rückenbeschwerden und andere Probleme des Bewegungsapparates, stressassoziierte Erkrankungen, Bluthochdruck und sogar Krebspatienten begleitend zu behandeln. Entscheidend ist allerdings, dass die Yogalehrer eine medizinische Expertise mitbringen.

Wie erkenne ich, dass der Yogalehrer sich auch medizinisch auskennt?

Keßler: Empfehlenswert sind Lehrer, die entsprechenden Verbänden wie dem Berufsverband der Yogalehrenden (BDY) angehören. Wenn Kursteilnehmer auf ihre körperlichen Beschwerden vor dem Yogaunterricht hinweisen, achten gut ausgebildete Lehrer gezielt darauf, dass bestimmte Übungen individuell angepasst oder eventuell auch gar nicht gemacht werden. Je nach medizinischer Indikation können gute Yogatherapeuten so maßgeschneiderte Yogatherapiesequenzen anleiten. Yogatherapie ist wie ein Werkzeugkasten, in dem für fast jeden etwas drinsteckt. Die Kunst ist jedoch herauszufinden, was im Einzelfall sinnvoll und notwendig ist.

Kann Yoga Beschwerden verschlimmern oder sogar erst auslösen?

Keßler: Die Zahl der Yogaanhänger steigt kontinuierlich und damit natürlich auch die Zahl der Yogaverletzungen. Eine unsachgemäße Vermittlung von Übungen ist nicht selten, denn heutzutage bieten Einrichtungen mitunter bereits Yoga an, deren Lehrer gerademal ein Anführungszeichenpaar Wochenendkurse besucht haben. Wer ernsthafte gesundheitliche Beschwerden hat und diese mit Yoga behandeln möchte, sollte zunächst keinen Fitness- oder Power-Yoga-kurs im Spa machen, sondern einen qualifizierten Yoga-therapeuten in seiner Umgebung aufsuchen. –

Erschienen in Ausgabe 03/2015