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Fitness & Gesundheit

Lachen bis zum Rausch

© jumpfoto

Tausende von Lachclubs gibt es auf der Welt. Ihre Theorie: „Wir lachen nicht, weil wir glücklich sind – wir sind glücklich, weil wir lachen.“ Unsere Autorin hat es ausprobiert. // Astrid Wahrenberg

Etwas komisch ist wohl allen zumute. Zehn Frauen und ein Mann zwischen 35 und 65 stehen auf Socken im Yoga­raum. Sie bilden einen Kreis. Wir haben uns gestern beim Abendessen im Ayurveda-Hotel an der Mosel kennengelernt und fremdeln noch etwas. In der Mitte steht Carina Preuß, Lach-Yoga-Trainerin, 23 Jahre jung, zierlich, langes, blondes Haar. Sie erzählt von dem indischen Arzt Dr. Madan Kataria, dem Erfinder des Lach-Yoga. Er entdeckte, dass sich aus einem künstlichen Lachen ein echtes entwickeln lässt, kombinierte die Methode mit einigen Dehn- und Atemübungen und fertig war das Lach-Yoga. 1995 gründete er den ersten Lachclub, mittlerweile treffen sich Tausende von Menschen in über 70 Ländern regelmäßig, um zu lachen. Auf Youtube kann man den Meis-ter beim Praktizieren in einem Park von Bombay sehen – außerdem Tausende weiterer Videos, in denen sich Menschen vor Lachkrämpfen nur so biegen und schütteln. Ich finde, die sehen völlig irre aus und kann mir nicht vorstellen, dass das klappen kann.

Skeptische Gesichter

Den anderen geht es offenbar ähnlich. Um mich herum schaue ich in eher skeptische Gesichter. Lachen auf Knopfdruck, obwohl es gar nichts zu lachen gibt – das klingt absurd. Ich bin gespannt. Nun wird es ernst, pardon, lustig. Carina Preuß geht auf eine Dame Mitte 60 mit grauem Pagenschnitt zu, gibt ihr die Hand und lacht dazu hysterisch. Ich tausche mit meiner Nachbarin einen irritierten Blick.

Jetzt sind wir anderen dran: Umherlaufen und Hände schütteln, jeder mit jedem, und dabei Grimassen ziehen und irgendwie lachen. Finde ich peinlich. Doch beim dritten Handshake, als die sympathisch aussehende Frau mit den wilden Korkenzieherlocken ein glucksendes Kichern von sich gibt, kann auch ich mir ein Lachen nicht verkneifen. Nächste Übung zum Warmwerden: Wir bilden sinnlose Worte zu sinnlosen Sätzen und unterhalten uns in einem sinnlosen Gebrabbel. Albern geht es weiter. „Ho-Ho-Ha-Ha-Ha“, rufen wir laut durcheinander und fuchteln mit den Händen in der Luft herum. Das Eis scheint jetzt gebrochen, wir grinsen uns komplizenhaft an. Lachen ist sozialer Kitt, es stärkt Bindungen. Deshalb lachen wir auch so viel, wenn wir jemanden mögen. Das hat uns die Natur in die Wiege gelegt, schon als Baby. Ein glucksendes Babylachen ist schlicht unwiderstehlich. Es lässt uns dahinschmelzen, und wir müssen einfach mitlächeln.

Lachen ist Medizin

Der Binsenweisheit „Lachen ist gesund“ geht die Forschung schon seit einigen Jahrzehnten auf den Grund. Die Gelontologie (griechisch gelos = Lachen) untersucht, was das Lachen im Körper auslöst. Atmung und Herzschlag kommen auf Touren, zahlreiche Muskeln kontrahieren und entspannen sich, die Durchblutung wird angeregt. Lauthals Lachen flutet das Blut mit Sauerstoff, der Körper schüttet Endorphine aus, sogenannte Glückshormone. Das senkt unter anderem die Schmerzempfindlichkeit. Lachen kann also tatsächlich Medizin sein.

In der Psychotherapie nutzen Mediziner die Lachtherapie gelegentlich, um eine Problemfixierung zu lösen. Dabei wird das Thema durch Unter- oder Übertreibungen von einer komischen Seite betrachtet. Das funktioniert auch im Kleinen: Wer über ein Missgeschick lachen kann, steckt es viel schneller und besser weg.

Wilde Laute überall

Es kann nicht schaden, das ein bisschen zu trainieren: Carina Preuß beginnt einen Satz, gibt ihn unvollendet an den nächsten weiter, der wieder ein paar Wörter der Geschichte ergänzen soll. Und das Ganze jetzt noch mit einem eingebauten Sprachfehler – die Zunge klemmt zwischen den Zähnen und der Unterlippe – ein Brüller! Der von Mund zu Mund gestammelte Bandwurmsatz geht schließlich nur noch in Gelächter unter.

Und das wird bei der nächsten Übung so richtig krass: Wir legen uns auf weiche Turnmatten, wieder im Kreis, unsere Köpfe dicht nebeneinander. Jetzt sollen wir tatsächlich loslachen, einfach durcheinander, so wie jeder Lust hat. Die Lachyoga-Trainerin Carina Preuß fängt an. Sie kichert, mein Nachbar prustet los. Ich blicke kurz zu ihm hinüber und habe mich sofort angesteckt. Er lacht in einer Art Tonleiter so herzhaft, dass ich gar nicht anders kann. Ich merke erst nicht, dass auch die anderen wilde Laute von sich geben. Sie wiehern, manche gackern, eine brüllt und die Dame so um die 60 gibt quiekende Töne von sich. Manche wälzen sich auf der Matte hin und her, andere krümmen sich vor Lachen und halten ihren Bauch oder strampeln mit den Beinen.

Ich verliere die Kontrolle, trommele wie wild mit den Händen auf die Matte, weil ich mich kaum halten kann. Wir müssen völlig irre aussehen. Kaum verebbt an einer Stelle das Gelächter, quillt es woanders wieder hervor und reißt erneut alle mit. Wir lachen eine geschlagene Viertelstunde am Stück in einer Welle aus unglaublich komischen Tönen. Carina Preuß kann uns kaum bremsen. Sie ruft mehrfach dazwischen, bis wir alle aufhören und völlig erschöpft auf den Matten liegen.

Jetzt höre ich nur noch glückliche Seufzer von links und rechts. Meine Mundwinkel reichen gefühlt bis zu den Ohren, Glückshormone in jeder Zelle. Wann habe ich zuletzt so herrlich gelacht? Ich wische mir mit dem Handrücken die Tränen weg. So war das früher mit meiner besten Freundin auch oft. Wir hatten richtige Lachflashs, konnten einfach nicht mehr aufhören, das war wie ein Rausch. Es hat sich genauso gut angefühlt wie gerade eben. Ein bisschen fühle ich mich wie nach dem Sport, erschöpft, aber total zufrieden.

Bücher & Links

Christoph Emmelmann: Das kleine Lachyoga-Buch. dtv-Verlag, 96 Seiten. 4,95 Euro Lachyoga Institut Hamburg-Rahlstedt www.laughteryoga-shop.com

Europäischer Berufsverband für Lachyoga und Humortraining e.V. Infos rund ums Lachyoga, Ausbildung zum Lach-Trainer und Adressen von Lachyoga-Angeboten des Verbandes und seiner Mitglieder: www.lachverband.org

Erschienen in Ausgabe 11/2013