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Fitness & Gesundheit

Laufen, das ganze Jahr!

© gettyimages

Joggen bei Kälte und Schnee? Unbedingt, aber bitte die Tipps beachten. // Frauke Werner

Ein Grad zeigt das Thermometer, bei leichtem Schneegestöber. Eigentlich müsst’ ich heute mal wieder ... Was? Na, joggen, meine übliche Runde. Im Sommer fällt mir das nicht schwer, aber in der feucht-kalten, dunklen Jahreszeit? Am besten gar nicht lang nachdenken, nur noch schnell auf die Toilette gehen. Da fällt mein Blick auf eine herumliegende Zeitschrift ...

„Das sollten Sie beim Jogging im Winter beachten!“ Ich überfliege die Seiten: „Achtung, Vorsicht, nicht vergessen!“ Klingt kompliziert. Man kann aber auch aus allem eine Wissenschaft machen. „Funktionskleidung, Trail-Schuhe, Stirnlampe“, das ist doch nur Geldmacherei, das geht auch ohne, wetten? In die Laufschuhe geschlüpft, den dicken Pulli und die rote Jacke. Mütze, okay, Handschuhe? Nee, ekelig, wenn man schwitzt.

Brrr, ist das lausig draußen, also einen Zahn zugelegt. Leider bin ich nach dem ersten Spurt schon ziemlich aus der Puste und die rechte Wade zwickt. „Bei Kälte brauchen die Muskeln länger, um warm zu werden“, hatte ich eben gelesen. Besserwisser, soll ich etwa frieren? „Ja“, verhöhnt mich die Stimme des zitierten Sportexperten, „die ersten hundert Meter sollten sie sogar ein wenig frösteln, dann stimmt auch die Kleidung. Denn die Körpertemperatur steigt schon nach wenigen Joggingminuten enorm an.“ Stimmt, kurze Zeit später bin ich warm gelaufen. Der Schnee geht in Regen über, die Tropfen streicheln sanft mein Gesicht. Herrlich! Wenn es nur innen nicht auch so feucht würde. Ein Begriff schießt mir in den Kopf: „atmungsaktive Funktionsjacke“. Pah, nur was für Angeber. Ich öffne den Reißverschluss am Hals und reiße mir die Mütze vom Kopf. Das tut’s auch.

Ein Schmerz in der Stirn stört meinen gleichmäßigen Trab, mich fröstelt leicht. „Ein Großteil der Körperhitze wird über den Kopf abgegeben, also unbedingt eine Mütze aufsetzen“, fällt mir der passende Ratschlag ein. Wollte ich doch sowieso gerade, war mir lästig in den Händen. Apropos, wie sehen die denn aus? Wie abgestorben. Vielleicht hätte ich doch ...? Ach was, ich stecke sie einfach kurz in die Jackentasche.

Achtung, Schlitterpartie

Das hätte ich besser nicht getan. In dem Wäldchen, wo nasse Blätter den Weg schlüpfrig machen, fehlen mir die Arme zum Ausbalancieren. Ich lande auf dem Po. Eine Schnecke überholt mich lässig auf ihrer Kriechsohle. „Trail-Schuhe“ heißt das Äquivalent mit Grip, so viel habe ich behalten. „Ideal für Läufer, die auf glattem Boden sicher vorankommen wollen“ – ha, ha!

Gut, dass es jetzt dunkel wird, da sieht keiner mein schmutziges Hinterteil. Allerdings sehe ich auch kaum noch etwas um mich herum. „Manno, fast wär’ ich vom Rad gestürzt“, raunzt plötzlich eine Stimme dicht vor mir. „Noch nie was von Reflektoren und Stirnlampe gehört?“ Das reicht, entnervt spurte ich nach Hause, ab unter die heiße Dusche und auf die Couch. Doch wohlige Zufriedenheit, wie sonst nach dem Laufen, will sich heute nicht so recht einstellen. Verstohlen hole ich die Zeitschrift aus dem Altpapier. Vielleicht wäre das ja mal ein Thema für cosmia …

Jogging-Tipps

– Aufraffen Sich eine Freundin schnappen oder zum Lauftreff gehen. Daran denken: Im Sommer mühsam aufgebaute Kondition verliert sich schnell, wenn man pausiert. Schon kürzere Läufe im Winter helfen, die Grundfitness zu erhalten. Und: Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft stärkt die Abwehrkräfte.

– Anziehen Laufkleidung in Schichten: Funktionsunterwäsche sorgt dafür, dass die Haut trocken bleibt ; darüber ein isolierendes Funktionsshirt; zuletzt eine dünne, atmungsaktive Jacke, die vor Wind und Nässe schützt. Mütze oder Stirnband sind ein Muss, ebenso die Handschuhe.

– Loslaufen Langsam einlaufen, denn bei Kälte drohen eher Zerrungen oder Verspannungen. Laufstrecke nicht zu lang wählen. Im Winter geht es vor allem um die Grundfitness und nicht um Hochleistungen. Auch Geübte sollten bedenken: Bei Kälte brauchen die Muskeln mehr Energie.

– Schnee und Matsch Auf frischem Schnee läuft es sich herrlich, er gibt Halt und dämpft zusätzlich. Ist er sehr festgetreten, wird es rutschig. Dann gilt: kürzere, schnellere Schritte, den ganzen Fuß aufsetzen. Für matschige, unebene Wege gibt es sogenannte Trail-Schuhe mit extra Grip.

– Minusgrade Bei Temperaturen zwischen etwa +2° C und -12° C ist ein lockeres Training problemlos möglich. Ist es noch kälter, tief durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen, um die Lungen nicht zu sehr zu belasten. Bei schwerem Schneefall, Sturm oder Glätte besser auf’s Laufband oder in die Eissporthalle gehen.

– Dunkelheit Auf Reflektoren an Kleidung und Schuhen achten, eventuell eine Warnweste tragen. Für unbeleuchtete Laufstrecken ist eine Stirnlampe zu empfehlen.

– Geschafft Nicht sofort duschen, erst in Ruhe etwas trinken, bis sich der Herzschlag normalisiert hat. Vorsicht: Zu langes oder zu heißes Duschen trocknen die Haut aus.

Erschienen in Ausgabe 11/2014