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Fitness & Gesundheit

Luxus bei 90 Grad

Autorin Rebecca Sandbichler schwitzte für cosmia in der Sauna – mit großem Vergnügen. (© Josef Mayerhofer)
(© Josef Mayerhofer)
Ein Salzpeeling in der Sauna wirkt zusätzlich schweißtreibend. Es regt die Durchblutung an und reinigt die Haut. (© Josef Mayerhofer)
In der Heusauna ist‘s weniger heiß. Dafür werden dort ätherische Öle freigesetzt, die beruhigend wirken. (© Josef Mayerhofer)
(© Josef Mayerhofer)
(© Josef Mayerhofer)

Sauna ist mehr als Schwitzen. Unsere Autorin hat kleine feine Extras ausprobiert – und genossen. // Rebecca Sandbichler

Mama, da bist du ganz weich.“ Normalerweise sagt meine Tochter das nur so fasziniert, wenn sie ihren kleinen Zeigefinger tief in meinen Bauch drückt. Diesmal aber streichelt sie mir versonnen über den Oberarm. Der ist im Winter gern rau und trocken – jetzt aber tatsächlich Babywangen-glatt. Denn ich war tagsüber in der Sauna.

Und nicht nur das: Im Skihotel von Verwandten durfte ich vor Beginn der Wintersaison die neu eingebaute Heusauna testen. Ich. Ganz. Allein. So konnte ich ein volles Verwöhnprogramm durchziehen. Was für ein Luxus!

In den meisten Heusaunen steht eigentlich sanftes Schwitzen auf dem Programm. Die Idee geht auf die Heubäder von Südtiroler Bergbauern zurück, die sich nach der anstrengenden Mahd ins frische Wiesenheu legten, um am nächsten Morgen wie neugeboren wieder aufzustehen. Durch die langsam entstehende Gärungshitze im Heu werden nämlich die vielen heilsamen Wirkstoffe von Bergkräutern besonders gut über Haut und Atemwege aufgenommen. In meiner Heusauna genoss ich zwar den wohlig-entspannenden Geruch von frisch gemähter Almwiese auch sehr, drehte aber doch irgendwann den Temperaturregler etwas nach oben, um besser schwitzen zu können. Nach einem privaten Aufguss in der duftenden Holzkammer rieb ich mich gründlich mit Meersalz ein, um abgestorbene Hautzellen abzurubbeln, ausgeschwitzten Talg zu entfernen und die Durchblutung anzuregen. Die anschließende kalte Dusche war besonders erleichternd, denn das Salz brannte ehrlich gesagt ziemlich auf trockeneren Hautpartien.

Bio-Saunahonig gibt’s auch in der Tube

Wieder in der Hitze, kleckste ich mir großzügig Honig auf den ganzen Körper – und vielleicht sogar ein kleines bisschen davon auf die Holzbank, was gegen die wichtigste Sauna-Regel verstößt, die da lautet: Kein Schweiß aufs Holz! (Und das gilt ganz sicher auch für Honig ...) Naturkosmetik-Hersteller verkaufen für ungeschickte Menschen wie mich Bio-Saunahonig in praktischen Tuben; angereichert mit ätherischen Ölen oder Peeling-Zusätzen. Ob die Vitamine und Mineralstoffe im Bienenhonig nun nachhaltig auf das Hautbild wirken, will ich nicht beschwören. Ich weiß nur, dass mein Sauna-Schönheitsplan nicht nur mein Hautgefühl, sondern auch meine Stimmung blitzschnell verbessert hat.

Die große Lust auf einen Besuch in der Sauna überkam mich schon vor Monaten, auf einer beruflichen Reise nach Finnland. Damals saß ich in einem Strandcafé und blickte auf eine Jurte aus Zeltstoff. Sie dampfte beständig und immer wieder stiegen nackte, blonde Menschen heraus. „Heute ist Helsinki-Tag. Kostenlose Sauna“ verhieß ein Schild. Mangels Handtuch blieb mir als Touristin aber nur, sehnsüchtig die Finnen zu beobachten, wie sie lachend ins kalte Wasser hüpften.

Im zeitweise dauerdunklen, eiskalten Finnland ist Saunieren nicht nur ein Lebensgefühl, sondern vielmehr eine Überlebensstrategie. Angeblich drei Millionen Schwitzkammern kommen auf knapp fünfeinhalb Millionen Einwohner im Land. Unsere „Sauna“ leitet sich sogar vom finnischen Wort „savu“ – für Rauch – ab. Verbreitet sei die Kultur des Schwitzens allerdings von Asien über Südeuropa bis Nordamerika seit tausenden von Jahren, schreiben Jery Goldberg und Chris Schreiber im Buch „Sauna. Genuss für Körper und Sinne“.

Abwandlungen von römischen Prachtbädern, Südtiroler Heusaunen oder japanischen Schönheitstempeln können wir heute auch in Wellnesshotels und großen Erlebnisschwimmbädern ausprobieren. Rund dreißig Millionen Deutsche saunieren laut einer Branchenumfrage regelmäßig – überwiegend, um etwas für die Gesundheit zu tun. Doch Mittelalter-Saunen mit Theateraufguss, Mostverkostung im heißen Holzfass oder schamanische Schwitzrituale zeigen auch den Trend zur „Event-Sauna“. Einfaches Schwitzen genügt anspruchsvollen Sauna-Liebhabern offenbar nicht mehr.

Zwischen Alarmzustand und Ruhephase

Die Fans der „Cold Sauna“ oder „Kryokammer“ treiben es auf den Temperaturen-Tiefpunkt: Bei minus 110 Grad müssen sie Handschuhe und Mundschutz tragen, um sich keine Erfrierungen zu holen. Die extreme Kälte soll angeblich Entzündungsprozesse im Körper lindern. Die Sauna-Experten Goldberg und Schreiber raten ab. „Die Kryo-Sauna liefert zwar einen großen Frischekick, gesundheitlich wertvoller ist die herkömmliche Heißluft-Sauna.“ Wichtig sei vor allem der Wechsel zwischen Hitze und Kälte, zwischen körperlichem Alarmzustand und Ruhephase. Unsere Nebennieren schütten beim Schwitzen verstärkt Glückshormone wie Dopamin und Serotonin aus. Ab etwa 38,5 Grad Kerntemperatur weiten sich die Gefäße, das Blut wird mit voller Kraft in die äußeren Regionen des Körpers gepumpt.

Regelmäßiges Schwitzen soll darum sogar Ablagerungen in den Gefäßen abbauen. Steigen wir nach dem Schwitzen ins eisige Tauchbad oder duschen uns kalt ab, ziehen sich die vorher maximal entspannten Muskeln wieder zusammen, die Blutgefäße verengen, das Herz schlägt schneller und versorgt das Gehirn. Ich persönlich fühle mich danach erfrischt und beflügelt.

Mit der Aussicht auf dieses Gefühl radle ich zwei Wochen nach meinem Wellness-Nachmittag zur früheren „Städtischen Badeanstalt“ meiner Heimatstadt Innsbruck. Mit der Jurte in Helsinki hat die perfekt restaurierte Jugendstil-Sauna optisch nichts zu tun: prächtige Mosaike, goldverzierter Marmor und ein sternförmiges Dachfenster aus buntem Glas sorgen für ein opulentes Ambiente. Am besten besucht ist hier allerdings die simple finnische Sauna. Vielleicht genügt wahren Sauna-Fans das Schwitzen an sich eben doch.

Zischend trifft das Wasser die erhitzten Steine, mit einem übergroßen Fächer schiebt einer der Stammgäste brennende Luftschwaden über uns hinweg. Über mir flüstert jemand: „Teufel, ist das heiß!“ Doch ich atme ganz ruhig, halte mit meinem Körper der enormen Hitze stand und genieße das Schwitzen ganz bewusst. Ich bin ein schwitzender Mensch unter anderen schwitzenden Menschen. Wie schön.

Der perfekte Saunagang

• Ein großes Leinen- oder Badetuch vermeidet böse Blicke der Mitschwitzenden. Denn in der Sauna gilt die goldene Regel: „Kein Schweiß aufs Holz“.

• Ätherische Bio-Öle im Aufgusswasser entspannen oder erfrischen.

• Eine Maske aus Heilerde wirkt in der Hitze besonders gut ein.

• Crushed Eis lindert übergroße Hitze noch während des Aufgusses.

• Nach dem Saunagang ist die Haut sauber, entschlackt und aufnahmefähig – und bereit für die Pflege. Auf feuchter Haut lässt sich beispielsweise Körperöl besonders gut einmassieren.