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Fitness & Gesundheit

Meditation als Medizin

© gettyimages , John Giustina. IIIustrtion: gettyimages, hPkalyani

Mittlerweile gilt das Meditieren als anerkannte Heilmethode bei vielen Beschwerden. Das Beruhigen des Geistes fällt Anfängern oft nicht leicht, doch es lässt sich erlernen. // Annette Bopp

Sie kennen das wahrscheinlich aus eigener Erfahrung: Tage, an denen alles zuviel wird. An denen noch beim Einschlafen die Gedanken rotieren, keine Ruhe einkehren will. Es gibt ein relativ einfaches Mittel, das – nicht nur an solchen Tagen, aber vor allem dann – helfen kann, aus dem Hamsterrad auszusteigen: Meditation.

Mehr und mehr raten auch westliche Ärzte und Therapeuten ihren Patienten dazu, es erstmal mit Meditieren zu versuchen, bevor sie ein Rezept für Medikamente ausstellen. Oft genügt nämlich die bewusst gestaltete 15- bis 30-minütige Auszeit täglich, um den Stress auszugleichen, die Nervosität zu dämpfen. Wer denkt, Meditation sei esoterisches Getue, angeleitet von einem obskuren Guru, täuscht sich: Meditation ist mittlerweile eine weltweit anerkannte Therapie-Methode, die bestens in den beruflichen und privaten Alltag einzugliedern ist. Und ebenso heilsame wie gesundheitsfördernde Wirkungen hat.

Bei vielen Beschwerden

So haben zahlreiche Studien gezeigt, dass regelmäßiges Meditieren beispielsweise einen zu hohen Blutdruck senkt. In der Konsequenz verringert sich damit auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, und zwar ganz ohne Medikamente, Ernährungsumstellung oder Operation. Darüber hinaus beruhigt das Meditieren den Herzrhythmus, es steigert die Konzentrationsfähigkeit, lindert Schmerzen und verbessert den Schlaf. Kein Wunder: Untersuchungen mit dem Elektro-Enzephalogramm ergaben, dass während des Meditierens verstärkt solche Hirnströme auftreten, wie sie auch beim Schlafen vorkommen.

Die Gehirnaktivität lässt nach, die Reiz­übermittlung verlangsamt sich, die Atmung vertieft sich, der Stoffwechsel beruhigt sich. Sogar bei schweren oder chronischen Leiden wie Krebs, Migräne oder auch Angststörungen hat die tiefe Entspannung nachweislich positive Effekte. Studien in den USA haben gezeigt, dass die mit solchen Krankheiten verbundenen Beschwerden wie Schmerzen oder Schlafstörungen nach mindestens acht Wochen regelmäßigen Meditierens durchschnittlich um 25 bis 35 Prozent nachlassen.

„Das sind Erfolge, die mit kaum einer anderen Behandlungsmethode in so kurzer Zeit erreicht werden können“, sagt die Psychologin Susanne Kersig aus Hamburg. Sie gibt seit vielen Jahren Meditationskurse, vor allem zur „achtsamkeitsbasierten Stressreduktion“, auf Englisch: „Mindfulness-Based Stress Reduction“ (MBSR). Diese Art der Meditation ist völlig frei von jeglicher Ideologie oder Religion – und wird hierzulande gerade immer beliebter.

Als festes Therapieangebot

Sogar bekennende Schulmediziner sind mittlerweile von der heilsamen Wirkung der Meditation überzeugt: In den USA gehört das Meditieren an vielen konventionellen Kliniken und Gesundheitszentren zum festen Therapieangebot.

In Deutschland ist Meditation vielerorts Bestandteil von Wellness-Angeboten und Kloster-Urlauben, sie wird an Volkshochschulen gelehrt oder in speziellen Kursen vermittelt. Außerdem gibt es eine Fülle von Ratgeber-Literatur, der oft eine CD beigelegt ist, mit der man das Meditieren gut erlernen kann. Sogar diverse Apps sind inzwischen verfügbar, die auf Wunsch täglich an die meditative Pause erinnern (zum Beispiel „Die Achtsamkeit“ oder „Achtsamkeit – Mindfulness – geführte Meditation“).

Gerade für Anfänger ist allerdings ratsam, sich dabei professionell begleiten zu lassen. Viele stört zu Beginn, dass die Gedanken immer wieder abschweifen, sie brauchen eine Anleitung, wie sie zu sich zurückkommen können. Damit sie nicht die Flinte ins Korn werfen oder beim Meditieren womöglich in ein falsches „Fahrwasser“ geraten, ist die Anleitung einer Therapeutin schon sinnvoll.

Meditieren kann man in fast jeder Umgebung – manche tun’s sogar im Büro! Wichtig: für eine halbe Stunde jeglichen Störeinfluss ausschließen, also zum Beispiel das Handy ausschalten, das Festnetztelefon lautlos stellen. Man setzt sich bequem hin, schließt die Augen und konzentriert sich auf sich selbst: auf den Atemfluss, auf ein vorgegebenes oder selbst ausgedachtes Bild, auf ein Wort („Mantra“), das man im Geiste vor sich hin sagt. Solche Motive oder Begriffe sind aber nicht zwingend nötig, sie dienen nur als Anker für abschweifende Gedanken.

Achtsam und zugewandt

In MBSR-Kursen geht man zum Beispiel beim sogenannten „Body Scan“ im Liegen oder Sitzen alle Körperbereiche durch – von den Fußspitzen bis zum Scheitel. Aufmerksam, sich ganz zugewandt, wird die derzeitige Befindlichkeit erkundet. Dabei geht es darum, den momentanen Zustand anzunehmen, wie er ist, ihn nicht zu bewerten, nicht dagegen anzukämpfen. Alle aufkommenden Empfindungen sind in Ordnung, dürfen sein. Oft passiert währenddessen etwas Eigenartiges: Indem man zum Beispiel einen Schmerz nicht sofort abwehrt und bekämpft, sondern nur wahrnimmt und registriert („aha, heute tut mir die Schulter weh“, „oh, jetzt zwickt es im linken Arm“), lässt er oft schon etwas nach.

Susanne Kersig empfiehlt, diese Haltung nicht nur während der halbstündigen Meditation anzuwenden: „Es gehört zur Methode der Achtsamkeit, auch den Alltag als Übung zu betrachten, hochkommende Gefühle wahrzunehmen und zu akzeptieren. So lernen viele, mit den unangenehmen Seiten des Lebens Frieden zu schließen und kommen besser im Leben zurecht.“

Bücher und Webtipps:

Susanne Kersig:
Entspannt und klar.
Arkana. 176 Seiten. 16,95 Euro.

Jon Kabat Zinn:
Gesund durch Meditation. Knaur. 352 Seiten. 9,99 Euro.

www.mbsr-verband.org
www.achtsamkeit.info