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Fitness & Gesundheit

Mit Händen ganzheitlich heilen

© Adam Gregor-Fotolia.com
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Wenn Schmerzgeplagte mit Schulmedizin nicht weiterkommen, kann häufig Osteopathie helfen. Sie löst Blockaden und regt die Selbstheilung an. // Gudrun Ambros

Sie verordnen weder Salben noch Tabletten, sie legen keine Schienen an, geben keine Spritzen und hantieren nicht mit dem Skalpell. Osteopathen verlassen sich allein auf ihre Hände. Mit den Fingerkuppen ertasten sie die Temperatur der Haut, die Lage der Knochen, der Gelenke und der Organe sowie die Spannung der Muskeln.

In der Osteopathie wird grundsätzlich der ganze Patient untersucht und nicht nur die Körperregion, die Beschwerden macht. Auch die Krankengeschichte spielt eine wichtige Rolle. „Häufig kommt es vor, dass frühere Verletzungen, die der Patient längst vergessen hat, später zu chronischen Beschwerden führen“, erklärt Dr. Johannes Mayer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Osteopathische Medizin (DGOM).

Späte Unfallfolgen

Ein Beispiel aus seiner Praxis: Ein Bundesligafußballer war wegen einer Knieverletzung operiert worden. Alles war gut verheilt, und dennoch: Im Training wurde sein Knie immer wieder dick. Er ging zu den besten Ärzten, doch die fanden nichts am Knie.

Schließlich versuchte er es mit Osteopathie, bei Johannes Mayer. Der stellte fest: „Die Ursache des Schmerzes lag nicht im Knie. Infolge des Unfalls waren Fußwurzelknochen, Sprunggelenk und Wadenbein beeinträchtigt, das Becken verschoben, eine Niere verklebt – das zog sich hoch bis zur Halswirbelsäule.“ Besonders beim ersten Termin nimmt sich der Osteopath viel Zeit für den Patienten. Dabei gehen Diagnose und Behandlung ineinander über: Im Tasten gibt der Therapeut einen leichten Impuls, der die Selbstheilungskräfte anregen soll.

Vor allem Schulmedizinern in Deutschland fällt es schwer, dieser alternativen Anschauungsweise und Heilmethode zu vertrauen. Dabei belegen amerikanische Studien die Wirksamkeit vor allem der parietalen Methode (siehe rechts). Auch die Bundesärztekammer urteilt, dass diese Form der Osteopathie, teils auch viscerale Techniken, bei unterschiedlichen Gesundheitsstörungen wirksam sein können. Das Konzept der Craniosakral-Therapie hingegen ist umstritten.

Auch Patienten schätzen die unkonventionelle Methode, wie eine Umfrage der Stiftung Warentest aus dem vergangenen Jahr zeigt: 71 Prozent von 3500 Befragten waren mit dem Ergebnis ihrer osteopathischen Behandlung sehr zufrieden, weitere 17 Prozent waren zufrieden. Viele hatten wegen derselben Beschwerden zuvor schon einen anderen Arzt oder Therapeuten aufgesucht – ohne den erhofften Erfolg.

Wann hilft Osteopathie?

Klassische Behandlungsfelder sind chronische Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, etwa der Wirbelsäule oder der Gelenke, Folgen von Unfallverletzungen oder andauernde Kopfschmerzen. Osteopathen helfen auch bei ständig entzündeten Nasennebenhöhlen, Verdauungsstörungen und Schmerzen im Kiefergelenk. Spezialisten für Kinder behandeln zum Beispiel Entwicklungsverzögerungen und kümmern sich um Babys, die viel schreien.

Wo sind die Grenzen der Heilmethode? Ganz klar, Notfallmedizin, etwa ein Herzinfarkt, Unfallverletzungen, akute Infektionen oder Tumore fallen nicht ins Ressort der Osteopathen. Auch psychische Erkrankungen sind zunächst Sache anderer Spezialisten.

Einen Osteopathen finden

In den USA ist der „Doctor of Osteopathic Medicine“ als eigenständiger ärztlicher Beruf anerkannt. Hierzulande ist die Berufsbezeichnung nicht gesetzlich geschützt. Deutsche Osteopathen sind Physiotherapeuten, Heilpraktiker oder Ärzte mit Zusatzausbildung. Die läuft meist berufsbegleitend, vier bis fünf Jahre lang. Dabei haben diverse Verbände unterschiedliche Standards.

„Mediziner sollten in Deutschland das Diplom für Osteopathische Medizin (D.O.M.) besitzen, nichtärztliche Therapeuten Diplom-Osteopath (D.O.) sein“, rät Johannes Mayer. Die Berufsverbände veröffentlichen im Internet Therapeutenlisten. Immer mehr gesetzliche Krankenkassen ersetzen die Kosten einer osteopathischen Behandlung oder gewähren zumindest Zuschüsse. Meist fordern sie eine ärztliche Verordnung, daher am besten nachfragen.

Und der Fußballer? „Der stand nach drei osteopathischen Behandlungen wieder auf dem Platz – und schoss sogar ein Tor“, erzählt Johannes Mayer.