Anzeige

Anzeige

Fitness & Gesundheit

Raus aus der Streitfalle

© IIIustration:Iafesta-fotolia.com
© IIIustration:Iafesta-fotolia.com

Sie meckert immer gleich los? Er geht sofort auf die Palme? Konstruktiv streiten ist gar nicht so leicht. Diese 10 Tipps helfen Ihnen, der Streitfalle zu entkommen. // Bettina Levecke

Quellen orten

Die offene Zahnpastatube, die herumliegende Kleidung: Worüber auch immer Sie streiten, versuchen Sie das Kernthema zu entdecken. Worum geht es hier eigentlich wirklich? Die blöde Zahnpastatube oder seine Schludrigkeit?

Konzentrieren Sie sich nur auf dieses Thema und versuchen Sie in einem ruhigen Gespräch Kompromisse zu finden, die für beide okay sind. Oft gehen die Kernthemen im Strudel der Alltagsstreitereien unter, sodass wir sie gar nicht mehr wahrnehmen. Ein genauer Blick auf die „Aua“-Stellen kann zwar unangenehm sein, bringt aber erstaunlich oft neue Blickwinkel, die im Nachhinein wirklich guttun!

Die „Ich“-Frage stellen

Auch wenn Sie total genervt sind von Ihrem Partner, meckern Sie nicht gleich los. Fragen Sie sich lieber: „Warum rege ich mich eigentlich so auf?“ Oft genug ärgert uns am anderen nämlich etwas, was im Grunde an uns selber nagt. Hand aufs Herz: Ärgert es Sie nicht am meisten, dass Sie nicht auch mal locker bleiben können? Dass Sie immer den ganzen Kram wieder wegräumen und gestresst sind, während ER sich prima im Sonnenstuhl erholt?

Vorwürfe meiden

„Du, Du, Du!“ Die Schuldfrage lässt sich prima im Rumpelstilzchen-Modus lösen. Doch wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Partner das genauso gut kann und Sie am Schluss selbst doof dastehen. Meist bringt die blanke Aneinanderreihung von Vorwürfen nur eines, nämlich noch mehr Streit! Besser: Bleiben Sie bei sich und Ihren Gefühlen. Sprechen Sie in Ich-Botschaften: „Ich bin verletzt“, „Ich bin ärgerlich, weil ich … brauche“. So kann Ihr Partner die Probleme annehmen, ohne in den Angriffs-Modus umzuschalten.

Gesagtes wiederholen

Das kennt wirklich jeder: Missverständnisse aus Streitgesprächen, die noch Monate später brodeln. „Und du hast damals gesagt ...“ – „Was? Das hab ich doch so überhaupt nicht gemeint!“ „Doch, ich weiß noch genau …“

Um solche Ping-Pong-Dialoge zu vermeiden, wiederholen Sie negative Antworten Ihres Partners am besten direkt: „Habe ich dich gerade richtig verstanden? Du findest, dass ich eine miese Köchin bin?“ Auf diese Weise geben Sie Ihrem Partner die Möglichkeit, im Streit Gesagtes sofort zu korrigieren: „Nein, so habe ich das nicht gemeint. Du kochst sonst wirklich wunderbar, nur heute war es etwas versalzen …“

Ausreden lassen

Zuhören und ausreden lassen ist wichtig. Oft ergänzen wir im Kopf die Sätze unseres Gegenübers, ohne überhaupt genau hinzuhören. Das ist ziemlich tückisch, denn so können Missverständnisse entstehen, die unnötig sind. Zudem: Wer zuhören kann, nimmt sein Gegenüber ernst und gibt ihm damit das wertvolle Gefühl: Deine Meinung ist mir wichtig!

Locker bleiben

Sie regen sich schnell auf? Im Herzen sind Sie eng verwandt mit dem HB-Männchen? Kein Wunder, wenn es häufig knallt. Versuchen Sie locker zu bleiben und sich nicht jeden Schuh, der passt, anzuziehen. Eine Strategie dazu: Zählen Sie langsam bis 10, bevor Sie Ihre Meinung sagen. Dann ist die Gefahr nicht so groß, dass Sie unüberlegt Dinge von sich geben, die den anderen verletzen und die Sie hinterher vielleicht bereuen. Denn manche Aufreger haben sich schon nach wenigen Sekunden wieder erledigt. Und das Beste: Je öfter Sie es schaffen, locker zu bleiben, desto wohler werden Sie sich fühlen.

Stolz wegschicken

Beleidigt wie eine Leberwurst? Das nützt keinem. Und selbst wenn der Hals gefühlt gerader sitzt bei der Etepetetemiene, gut geht es Ihnen damit bestimmt nicht. Bevor Sie also in getrennten Betten schlafen, geben Sie sich einen Ruck und schicken den blöden Stolzgockel in die Wüste.

Sie brauchen das Problem ja nicht gleich zu lösen. Nehmen Sie Ihren Partner in den Arm, sagen Sie: Ich hab dich lieb und morgen sprechen wir, okay?

Puls runterkühlen

Eins nach dem anderen. Sie sind genervt von den Kindern oder haben gerade den heißen Kaffee verschüttet? Dann bitte keine Diskussion mit dem Partner anfangen! Wer sich gerade tierisch über etwas geärgert hat, kann nicht fünf Minuten später ein konstruktives Gespräch über die Zuständigkeit für den Einkauf führen. Besser: Erst mal eine Auszeit nehmen, etwa an die frische Luft gehen, damit der Kopf wieder klar wird – und danach das Problem angehen.

Wut loswerden

Was nützt all die graue Theorie, wenn der Hals fast platzt vor Wut? Manchmal muss man schreien, wüten, toben. Am besten geht man dafür vor die Tür, in den Wald, joggt um den Block, hackt Holz – und zwar bevor man mit dem Partner spricht.

Manchmal muss der Partner allerdings auch den frischen Wind von vorne bekommen, damit er begreift, wie ernst es Ihnen ist. Beißen Sie sich aber bitte nicht terriermäßig fest. Sondern: Wut raus, berichten, was schiefläuft und danach sagen: „Danke fürs Zuhören!“

Und ein kleiner Tipp: Wer die Courage besitzt, sich nach so einer Befreiung ordnungsgemäß zu entschuldigen, macht sofort Minuspunkte wett!

Versöhnen, unbedingt!

Kein Streit ohne Versöhnung! Zeigt sie doch, wie wertvoll wir füreinander sind, dass doch irgendwie alles nicht so schlimm war und ach, irgendwie übertrieben, ja fast schon peinlich war.

Die Versöhnung bringt uns wieder an den Punkt zurück, an dem wir uns am wohlsten fühlen: In der Harmonie und in dem Gefühl, so geliebt zu werden, wie wir sind. Versöhnen Sie sich deshalb einfach so oft wie möglich (am besten auch, wenn Sie sich gar nicht gestritten haben), das ist die beste Medizin gegen neue Streitereien.

 

Christian ThielChristian Thiel:
Streit ist auch keine Lösung.

Humboldt 2013,
248 Seiten. 12,95 Euro

 

Ursula WawrzinekUrsula Wawrzinek:
Vom Umgang mit sturen Eseln und beleidigten Leberwürsten.

Klett Cotta 2014,
188 Seiten. 18,95 Euro

 

Serena RustSerena Rust:
Wenn die Giraffe mit dem Wolf tanzt: Vier Schritte zu einer einfühlsamen Kommunikation.

Koha Verlag 2006,
176 Seiten. 9,95 Euro

Erschienen in Ausgabe 07/2014