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Fitness & Gesundheit

Tanz dich glücklich!

© gettyimages, 101cats

Immer mehr Menschen tanzen den feurigen Tango Argentino, viele hat das Zumba- oder Bokwa-Fieber gepackt. Was macht Tanzen so beliebt? // Doris Burger

Tanzen kann einen von ganzem Herzen glücklich machen“, ist die Kölner Tanzexpertin und Buchautorin Beate Berger überzeugt. „Und zwar nicht nur in einem oberflächlichen Sinn, sondern im Sinn von beseelt sein, im Einklang sein mit sich und der Welt.“ So wie es Kinder sind, die noch selbstvergessen tanzen, ohne Angst, einen falschen Schritt zu machen. Wichtig dafür ist, sich geborgen zu fühlen im Raum, mit den Klängen und den Menschen, die einen umgeben.

Am besten probiert man daher einfach aus, welche Art des Tanzes einen mitreißt. So wie die rund zwanzig Frauen und zwei Männer, die ins Studio im Hamburger Alstertal gekommen sind, um „Latin Moves“ kennenzulernen, um sich auszupowern und zu bewegen, im Takt lateinamerikanischer Musik.

Anfangs sind sie noch etwas steif in den Hüften. Drehen, springen, drehen – Tanztrainer Halil Gül wiederholt die Bewegungen unermüdlich, bis sich die Teilnehmer sicherer und locker fühlen. Am Ende des Workshops hat die Gruppe ihren Weg gefunden, nicht nur im Raum, sondern auch miteinander. Und alle haben reichlich geschwitzt, Erfolg gehabt und kommen strahlend aus dem Studio.

Zumba ist ein Hit

Manfred Bauland aus Radolfzell hat hingegen vor etlichen Jahren den Line Dance (siehe Kas-ten) für sich entdeckt. Nach flotter Country-Musik bewegen sich die Tänzer dabei in Linien mal vor, mal zurück und zu den Seiten. Inzwischen bietet Bauland selbst Kurse in der Schweiz und am Bodensee an. Und seine Fangemeinde wird immer größer.

Tanzen macht nicht nur im Augenblick froh, das Glück hält länger an. Wen das Tanzvirus erst einmal gepackt hat, den lässt es daher so schnell nicht mehr los. Ein gutes Beispiel dafür ist der Fitnesstanz Zumba, der vor rund fünf Jahren in Deutschland populär wurde. Er ist und bleibt ungebrochen im Trend und wird in Tanzschulen und Fitnessstudios, auch im Turnverein und sogar bei der Volkshochschule angeboten.

Zumba kombiniert Aerobic mit lateinamerikanischen sowie internationalen Tänzen. Virginia Biller, Chefin eines Tanzhauses in Radolfzell, vergleicht die Idee von Zumba mit einer Weltreise: „Vielleicht starte ich in Brasilien mit Samba, gehe über Kuba mit einem Salsa und nach einem Ausflug auf die Britischen Inseln, wo ich Irish Folk tanze, in die Türkei zum Bauchtanz.“ Jeder kann sofort mitmachen und die vollen Kurse geben Virginia recht.

Der Kurs am Dienstagabend heißt eigentlich „Zumba Gold“ und ist für 50plus gedacht, doch es finden sich hier Menschen jeden Alters. Ob 14 oder 74, alle sind gleichermaßen begeistert dabei. Das zeigen ihre verschwitzten und glücklichen Gesichter.

Bokwa verspricht Spaß

Und es gibt schon wieder einen neuen Fitnesstanz, Bokwa genannt. Erfunden hat ihn der Fitnesstrainer Paul Mavi aus Los Angeles. Zu aktueller Chartmusik werden Zahlen und Buchstaben mit den Füßen getanzt, die der Trainer vorgibt. Sprünge und Wechselschritte zwischendrin halten den Kreislauf in Schwung. Das besondere an diesem Tanz-Workout: Keine Choreographien, kein Nachdenken, einfach nur Spaß haben und Power geben. So wird man nicht nur fit, sondern verbrennt auch jede Menge Kalorien.

Woher der Name Bokwa stammt? Der Fitnessinstructor Mavi mit Wurzeln in Südafrika setzte sein Kunstwort aus Bo für Boxen und Kwa zusammen. An Boxen erinnern die intensiven und dynamischen Armbewegungen. Kwai steht für die südamerikanische Musik- und Tanzrichtung Kwaito.

Geheimtipp Ginga

Ob sich der neue Tanztrend durchsetzt? Viel Potenzial sieht Laura Menzler, Expertin in einem Hamburger Fitnessstudio, bei Ginga (gesprochen: „Tschinga“). Diese neue Tanzkombination soll im Frühjahr 2014 in die Studios von Hamburg und Kiel, Berlin und Frankfurt kommen. Für Ginga hat die brasilianische Trainerin und Tänzerin Fernanda Brandao lateinamerikanische Rhythmen mit Elementen des Capoeira kombiniert, einem traditionellen brasilianischen Kampftanz.

Ginga bezeichnet übrigens nicht nur den Grundschritt der Capoeira, sondern steht in Brasilien mittlerweile auch für ein Lebensgefühl, das die Kunst der Bewegung, Gefühl für Rhythmus und Freude am Tanz beinhaltet. Ob Zumba, Tango oder Line Dance, regelmäßiges Tanzen macht nicht nur gute Laune, sondern hält auch den Körper fit: Die Beine, auch Bauch und Rücken werden beim Tanzen gefordert. Das stärkt die Muskulatur und beugt Rückenschmerzen vor. Sehnen und Bänder werden gekräftigt, das schützt die Gelenke auch bei Alltagsbewegungen.

Wer neue Tanzschritte lernt, trainiert zudem das Gedächtnis und die Kreativität. Deshalb ist Tanzen gerade auch für ältere Menschen ideal. Forscher der Ruhr-Universität Bochum haben das belegt. Sie ließen 25 Senioren zwischen 60 und 94 Jahren an einem speziellen Tanzkurs teilnehmen. Das Ergebnis: Nach einem halben Jahr Training waren die Teilnehmer viel beweglicher, ihr Langzeitgedächtnis und ihre Reaktionsfähigkeit hatten sich verbessert. Vor allem aber waren die Senioren viel zufriedener mit ihrem Leben.

© gettyimages-Christopher Futcher

Tanzen als Therapie

Und Tanzen kann noch mehr: Seine wohltuende Wirkung unterstützt manchen Heilungsprozess. Nachgewiesen ist das zum Beispiel bei Depressionen, Ess- und Schlafstörungen. Auch in der Schmerztherapie und in der Rehabilitation nach
Krebserkrankungen hat sich Tanzen bewährt. Mithilfe der Bewegung können die Patienten Gefühle ausdrücken, die sich mit Worten oft nicht benennen lassen.

„Der Körper weiß Dinge, über die wir – bewusst – nichts wissen,“ sagt die Hamburger Tanzkritikerin und Autorin Gabriele Wittmann. „Die Bewegung ist ein Mittel, um damit in Kontakt zu kommen.“ Sie kann dazu beitragen, dass wir uns wieder rund fühlen, sicher und doch frei in unserer Entfaltung. Geerdet, wohlig warm – und glücklich.“

 

Web-Tipps:

www.adtv.de Allgemeiner Deutscher Tanzlehrerverband e.V. www.tanzen.de Hier finden Sie Tanzschulen in ihrer Nähe www.bokwafitness.com www.zumbafitness.eu

Tanztrends – Newcomer und Evergreens

  • Bokwa Entwickelt von Paul Mavi aus Los Angeles. Der Fitnessinstructor zeigt Buchstaben und Zahlen an, die bestimmte Schrittfolgen und Armbewegungen bedeuten. Zwischen den Figuren wird gewippt oder gehüpft. Sehr intensiv, befeuert von heißen Beats.
  • Ginga Ein anspruchsvolles Training für den ganzen Körper, das von der Kombination traditioneller Capoeira-Elemente und lateinamerikanischer Rhythmen lebt. Start in Deutschland: Frühjahr 2014.
  • Line Dance Die Tänzer stehen in mehreren Linien (Lines) aufgereiht, die sich in alle vier Richtungen bewegen. Die Daumen hängen dabei lässig in Gürtel oder Hosenbund. Dresscode: Westernstyle, gerne mit Jeans, Weste und Hut. Getanzt wird häufig zu Country Musik, made in USA.
  • Swing Eine Stilrichtung des Jazz, die 1927 in Harlem erfunden wurde. Obwohl bei den Nazis verpönt, eroberte der mitreißende Swing in den 30er- und 40er-Jahren die deutschen Klubs. Seit etlichen Jahren haben ihn viele Tanzschulen wieder im Programm.
  • Salsa Dieser lateinamerikanische Tanz entstand in den 60er-Jahren in New York. Dort wurde er vor allem von Einwanderern aus Kuba und Puerto Rico getanzt. Salsa vereint Elemente aus verschiedenen Tänzen wie Danzón, Cha-Cha-Cha, Mambo und Rumba.
  • Tango Zu unterscheiden ist der internationale Tango, ein Standardtanz der Tanzschulen, vom „Tango Argentino“. Er stammt aus den Slums und Hafenvierteln von Buenos Aires. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er in Paris beliebt.
Erschienen in Ausgabe 03/2014