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Fitness & Gesundheit

Therapeuten auf vier Pfoten

© fotolia.com
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Haustiere helfen und heilen. Das gilt vor allem für Hunde, mit ihrer bedingungslosen Liebe, ihrem Gespür und ihrer Lebenslust. // Martina Petersen

Wenn Lehrerin Nicole Krause während der Elternzeit ihrer Schule einen Besuch abstattet, ist die Begeisterung groß. Das liegt vor allem an Emma, ihrer vierbeinigen „Co-Pädagogin“. Die siebenjährige Labrador-Hündin ist seit ihrer 12. Le-benswoche an der Hamburger Bugenhagen-Schule als ausgebildeter Schulhund im Dienst. Die Kinder aus Nicole Krauses Integrationsklasse sind mit dem sanftmütigen Tier groß geworden. Sie haben gelernt, der Hündin Kommandos zu geben und sie im Rahmen des „Emma-Dienstes“ zu kleinen Gassi-Runden auf dem Schulgelände auszuführen. Im Gegenzug war Emma immer da, wenn einer von ihnen Unterstützung brauchte: So hat Emma manche Träne getrocknet, Schüler mit ADHS durch Kuscheln zur Ruhe gebracht und beim Fußballspiel jenen Kindern den Ball zugespielt, die durch ein Handicap benachteiligt sind.

Weniger Stress, mehr Spaß

Mit rund dreißig Millionen Haustieren – darunter über elf Millionen Katzen und knapp sieben Millionen Hunde – liegt Deutschland im europäischen Vergleich an zweiter Stelle nach den Briten. Anders als in Großbritannien und den USA werden Tiere bei uns jedoch erst seit rund zwanzig Jahren im Rahmen der tiergestützten Pädagogik und Therapie eingesetzt und ihre Wirkung auf die Gesundheit erforscht. Mittlerweile ist erwiesen, dass allein die Anwesenheit eines Tieres im Raum blutdrucksenkend und stressreduzierend wirkt. Beim Spiel mit dem Tier wird gelacht, der Körper schüttet Endorphine aus und das Wohlbefinden steigt. Wo Bello durchs Büro tollt, wird effektiver gearbeitet und es gibt weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung fand heraus, dass Haustierhalter deutlich seltener zum Arzt gehen und so unserem Gesundheitssystem jährlich mehrere Milliarden Euro einsparen. Besonders Hunde, mit denen wir Menschen seit 15 000 Jahren in Sozialpartnerschaft leben, haben sich als Therapeut mit Kuschelfaktor bewährt. „Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Kinder mit Hund seltener Verhaltensstörungen zeigen. Sie sind ausgeglichener, haben ein besseres Sozialverhalten und sind besser in der Schule“, erläutert Diplom-Psychologe Prof. Dr. Reinhold Bergler, Vorsitzender des 1988 gegründeten „Forschungskreises Heimtiere in der Gesellschaft“.

Hundedienst für Kinder

„Allerdings zeigen sich diese durchweg positiven Wirkungen nur, wenn die Kinder zu ihrem Tier eine intensive Beziehung mit hohem Verantwortungsbewusstsein aufgebaut haben. Damit dies gelingt, müssen Eltern ihr Kind unbedingt bei der Pflege und Versorgung des Tieres anleiten.“

Durch ihre feinen Sinne, ihre außergewöhnlich gute Beobachtungsgabe und ihr hochsoziales Wesen können Hunde gut einschätzen, wie es anderen im Rudel geht. Bei kranken Menschen haben sich speziell ausgebildete Assistenzhunde sogar als „medizinisches Frühwarnsystem“ bewährt.

Eine Studie des Deutschen Assistenzhunde-Zentrums von 2014 hat gezeigt, dass die Vierbeiner schon wahrnehmen können, wenn sich die Atemgeschwindigkeit bereits minimal verändert. So können sie Unter- und Überzuckerungen, Migräne- und Asthmaanfälle ebenso wie epileptische Anfälle schon im voraus anzeigen, etwa indem sie ihren Menschen anstupsen, und dadurch sogar Leben retten.

Bello spürt, wie es uns geht

Hunde nehmen nicht nur Stimmungen auf und erspüren die wahre Seelenlage hinter der menschlichen Fassade – als wahre Meister der Kommunikation spiegeln sie dem Menschen jederzeit, wo er steht. Nicht von ungefähr werden die Vierbeiner seit neuestem dazu eingesetzt, um Führungsqualitäten von Managern auf die Probe zu stellen. Mit ihrer bedingungslosen Liebe und ihrer Lebenslust stärken sie Kinder, Kranke und Menschen in Krisensituationen. Hunde haben sich als Resozialisierungsmaßnahme im Strafvollzug bewährt. Und Besuchsprogramme mit Vierbeinern sind in Kindergärten, Kliniken und Seniorenheimen mittlerweile weit verbreitet. (Foto: © fotolia)

„Zeit für Gefühle“

Jochen Jung ist seit elf Jahren mit Golden Retriever Valentin, Deutschlands erstem ausgebildeten und geprüften Alzheimer-Hund, im Einsatz. „Valentin geht auch bei Aggressionsschüben immer wieder auf demenzkranke Menschen zu und schafft es, sie zu beruhigen“, erzählt er. „Manche erkennen weder ihren Lebenspartner noch ihre Kinder, aber Valentin rufen sie gleich beim Namen, wenn er in ihre Nähe kommt.“ Valentin-Zeit nennt Jochen Jung „Zeit für Gefühle“.

Keine Frage, der Kontakt zu unseren Haustieren kann uns in unserer rationalen, hochtechnisierten Welt erden. Wir holen uns mit ihnen ein Stück Natur ins Haus. Einst haben wir die Tiere gezähmt, doch heute scheint es, als würden sie uns ein Stück weit kultivieren. Doch gelingen kann dies nur, wenn wir Bello, Mieze & Co nicht zum „besseren Menschen“ erklären und vergessen, dass unsere Tiere eigene Bedürfnisse haben. Ein Hund muss ein Hund bleiben dürfen – das verlangt der Respekt vor diesem starken Partner an unserer Seite.

Gesund mit Hund

Mehr Bewegung
Nur 1 700 Schritte täglich legt ein Mensch heute durchschnittlich zurück. Hundehalter bringen es dank ihres vierbeinigen Coachs auf immerhin zehn- bis zwanzigtausend! Ihre Blut- und Herz-Kreislaufwerte sind daher meist besser als die von Menschen ohne Hund.

Mehr Kontakt
84 Prozent der Hundebesitzer schätzen an Bello, dass sie niemals einsam sind und leichter soziale Kontakte knüpfen. Laut Umfrage wirken Menschen mit Hund auf andere sympathischer und aufgeschlossener. Vor allem Golden Retriever sollen eine prima Flirt-Hilfe sein.

Mehr Sicherheit
Liegt es an den Genen, dass wir uns bei der Betrachtung von Tieren als „ungestörter Natur“ angstfrei fühlen? Hunde vermitteln ihren Besitzern laut Studie Sicherheit und Vertrautheit. Über 80 Prozent der Jugendlichen in Großstädten schätzen Bello als ihr „Schutzschild“.

Mehr Struktur
Wer für ein Tier sorgt, gibt dem Leben Struktur. Dies bewährt sich vor allem bei alten Menschen, bei Krankheit und in Krisenzeiten: Eine Studie bei Langzeit­arbeitslosen ergab, dass sie dank Hund ihren Lebensrhythmus pflegten und motivierter waren.