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Fitness & Gesundheit

Trommel dich fit!

© Drums Activ®

Einen Gymnastikball, zwei Drumsticks und mitreißende Musik: Mehr braucht es für den Fitnesstrend Drums Alive nicht. Darüber hinaus wird das Trommeln auf Bällen auch zur Therapie eingesetzt. // Manuela Gotthartsleitner-Wagner

„Drei, zwei, eins!“, erklingt es in der Trainingshalle von Jennifer Voß, Kursleiterin für Drums Alive beim VfB Fallersleben in Wolfsburg. Erwartungsvoll richtet eine Gruppe Rhythmusbegeisterter die Augen auf die Trainerin. Jeder Teilnehmer hält zwei Drumsticks in den Händen – und los geht’s: Zu mitreißender Musik wird rhythmisch auf einen bunten Gymnastikball getrommelt. Den Spaß sieht man den Trommlern an – genauso wie der Trainerin.

Vor drei Jahren hat die 34-Jährige den Fitnesstrend Drums Alive entdeckt. Voß war begeistert. „Schon das Probetraining hat mich sofort mitgerissen“, schwärmt sie. Vor allem der Rhythmus in Kombination mit Dynamik sei es, der sie selbst und die Teilnehmer ihrer Fitnessstunden fasziniere und in den Bann ziehe. „Spätestens nach einer Minute strahlen Männer, Frauen, Jungs und Mädchen und sind ganz in das Training vertieft“, weiß Voß, die die Stunden in ihrem Sportverein seit zwei Jahren anbietet.

Fitness für jedermann

Das Gute: Diese Form von Fitness, die ursprünglich aus den USA kommt, ist für nahezu jeden geeignet. Egal, ob Anfänger oder Fortgeschrittener, trainiert oder untrainiert: Die Trainingseinheiten lassen sich so gestalten, dass jeder gut klarkommt. Darin sieht Voß einen großen Vorteil zu anderen Sportarten. „Die Schritte sind einfach und können an jedes Fitnesslevel angepasst werden“, erklärt sie.

Eine Trainingseinheit beginnt mit einem Warm-up, das Grundbewegungen wie Single Beats und Double Beats sowie einfache Aerobic-Grundschritte enthält. Nach und nach werden Arm- und Beinbewegungen miteinander kombiniert, bis es an die eigentliche Choreografie geht: Einmal um den Ball herum, auf den rechten Ball trommeln, dann auf den linken und auch der Ball vom Hintermann darf nicht vergessen werden.

„Schon in der ersten Einheit merken die Teilnehmer, wie viel Spaß es macht und wie gut man sich abreagieren kann“, schwärmt Voß. Wem das auf den ersten Blick zu kompliziert erscheint, der kann aufatmen: Je nachdem, wie sich eine Gruppe zusammensetzt, wird das Training variiert. Anfänger beginnen mit einfachen Schritten und bauen erst nach und nach die Choreografie aus. Jeder so, wie er kann.

„Bei körperlich und geistig behinderten Kindern wird das Training angepasst, um die Motorik und das Koordinationsvermögen zu stärken“, erzählt die Fitnesstrainerin. Bei älteren Teilnehmern ist dagegen das Ziel, die Beweglichkeit und die Koordination zu fördern. Ideal: Wer nicht lange stehen kann, trainiert ganz einfach im Sitzen.

Fit werden im Sitzen

Trainieren im Sitzen: Ausgerechnet auf diese Art und Weise ist die Idee zu Drums Alive entstanden. Die internationale Fitnesstrainerin Carrie Ekins durfte aufgrund einer Hüftoperation lange Zeit keinen Sport treiben. Eines Tages fing sie eher zufällig an, auf einen Gymnastikball zu trommeln. Dabei bemerkte sie, dass die Bewegungen durchaus anstrengend sind und besonders Oberarme und Schultern beanspruchten. Schnell war die Idee zu Drums Alive geboren.

Ekins Ziel: Die von ihr entworfenen Fitnessprogramme sollen für die breite Masse zugänglich sein. Körper, Geist und Seele im Einklang – so lautet die Devise. Und natürlich jede Menge Spaß an der Bewegung.

Drumsticks und Aquanudeln

Damit der Spaß lange hält und keine Langeweile bei den Trainingseinheiten aufkommt, lässt sich Voß jede Menge einfallen: „Neben verschiedenen Choreografien, die einstudiert werden, gibt es viele Möglichkeiten, neue Impulse beim Training zu setzen“, erklärt Voß.

So tauscht die Trainerin die Drumsticks ab und an gegen sogenannte Aquanoodles aus. „Senioren können diese oftmals besser greifen und Kinder können sich damit so richtig austoben“, schwärmt die Trainerin.

Auch Rhythmus- und Klatschspiele gehörten zu Drums Alive-Einheiten. Anspruchsvoll wird es, wenn Voß zum Tabata-Drumming trommelt. Dabei handelt es sich um ein hochintensives Intervalltraining, das die volle Konzentration der Teilnehmer erfordert. Abgerundet werden die Trainingseinheiten manchmal auch mit Kraftübungen mit dem Pezziball.

„Durch die verschiedenen Variationen wirkt Drums Alive als ganzheitliches Training“, erklärt Voß. Wo auch immer der Schwerpunkt des Trainings liegt, eines ist sicher: Die Koordination wird verbessert, Herz und Kreislauf kommen in Schwung und durch die Choreografie wird auch das Gedächtnis trainiert. Wissenschaftler sind von der positiven Wirkung des Trommelns überzeugt. Im Rahmen des Projekts „The Drum Beat“ untersuchen Forscher rund um den Sportmediziner Peter Wright an der TU Chemnitz, wie dieser mitreißende Fitnesstrend auch als Sport- und Soziotherapie genutzt werden kann. Ihre These: Trommeln kann ein ideales Training für Gesundheit und Gedächtnis sein.

„Trommeln ist die ursprünglichste Kommunikationsform der Menschheit“, erklärt Wright, der als Experte im Bereich der Trommelforschung gilt und seit 2006 an der TU Chemnitz tätig ist. Die Wirkung sei so intensiv, dass damit selbst depressiven Patienten geholfen werden könne. Demnach belegen Studien, dass körperliche Aktivität sowie auch Trommeln positive Wirkungen auf die Stimmungslage haben. Die Kombination beider könnte demnach diesen und andere Effekte intensivieren, so der Wissenschaftler.

Depressionen wegtrommeln

Diesbezüglich wurde 2011 eine mehrwöchige Pilotstudie mit Depressionspatienten in einem Zentrum für Verhaltensmedizin, Psychosomatik, Psychotherapie und Psychiatrische Rehabilitation durchgeführt.

Ziel der Studie war es, die physiologischen sowie psychologischen Effekte einer Drums Alive-Intervention bei Patienten mit Depressionen im Vergleich zur konventionellen Sporttherapie zu untersuchen. „Der Spaßfaktor war bei der Drums Alive-Intervention signifikant höher als in der Sporttherapiegruppe“, fasst Wright zusammen und ergänzt: „Auch emotional hat das sportliche Trommeln bei einigen Patienten viel Positives ausgelöst.“ Besonders erfreulich: Die körperliche Leistungsfähigkeit hat sich in beiden Gruppen gleichermaßen verbessert.

Mehr Freude am Lernen

In einer weiteren Studie untersuchten Wright und sein Team, welchen Einfluss das Trommeln auf die motorische Leistungsfähigkeit und das Verhalten von Kindern mit Entwicklungsverzögerungen hat. Zwei Mal die Woche wurde getrommelt, insgesamt vier Wochen lang. Das Ergebnis war durchaus beeindruckend: Alle Kinder wiesen in den verschiedenen Teilbereichen der Motorik zum Teil deutliche Verbesserungen auf. „Durch Trainingseinheiten mit dem Konzept von Drums Alive werden die Kinder emotional positiv erreicht und entwickeln eine starke Lernfreude“, lautet Wrights Fazit.

In einer weiteren Studie stellten Wright und sein Team fest, dass auch Senioren vom Trommeln profitieren. Insgesamt 25 Damen und Herren mit einem Altersdurchschnitt von rund 82 Jahren ließ Wright im Rahmen von dem Projekt „Golden Beats“ zwei Mal wöchentlich einen ganzen Monat lang trommeln. Siehe da: Aufstehen und Gehen fiel den Teilnehmern zunehmend leichter, darüber hinaus verbesserte sich die Reaktionsfähigkeit.

Egal, ob 7 oder 70 Jahre, zur Therapie oder zum Vergnügen: Drums Alive begeistert inzwischen quer durch die Bevölkerung. „Fantastisch“ sei das Feedback ihrer Teilnehmer, jubelt Trainerin Voß. „So viel Spaß an der Bewegung hatte ich schon lange nicht mehr“, zitiert sie eine ihrer neuesten Teilnehmerinnen. Bei so viel Euphorie bleibt ihr nur, lachend zu warnen: „Vorsicht, Drums Alive kann durchaus süchtig machen.“

Links

www.thedrumbeat.de Webseite über das Forschungsprojekt The Drum Beat an der Universität Chemnitz mit Infos über aktuelle Entwicklungen

www.drumsalive.de Webseite über Geschichte und Hintergründe von Drums Alive mit Kursangeboten

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