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Fitness & Gesundheit

Yoga auf dem See

Yoga auf dem See (© gettyimages / Cate Brown / Aurora Photos)
(© gettyimages / Cate Brown / Aurora Photos)

Runter von der Matte, rauf aufs Paddelbrett: Yoga auf dem Wasser schult die Balance. Bad im See inklusive. // Jochen Bettzieche

Langsam gleiten die Stehpaddler auf  ihren Brettern hinaus auf den Sylvensteinsee. Es ist halb zehn Uhr an einem Sommermorgen. Noch ist es kühl auf dem Stausee in den Bayerischen Alpen, die Sonne kommt gerade erst über die Gipfel. Mitten auf dem See bilden die Paddler einen Kreis. Sie binden ihre Bretter sternförmig aneinander – und beginnen mit Yogaübungen. Unter ihnen das Wasser, über ihnen der blaue Himmel, rundherum die Berge.

Mit dabei ist Christian Sindlhauser, Zimmerer und Berufsschullehrer. Yoga hatte er zuvor schon gemacht. „Sonnengruß“ und „Kobra“ auf dem Wasser zu wagen, war neu für ihn. „Schon bei dem Versuch, die Arme hochzustrecken, habe ich gemerkt, wie schnell es auf dem Brett wackelig wird“, schildert er seine Anfänge.

Das Paddelbrett, Stand Up Paddling Board oder kurz SUP-Board genannt, ist eines der Trendsportgeräte der vergangenen Jahre. Es ähnelt einem Surfbrett, auf dem sich der Sportler im Stehen mit Hilfe eines Paddels fortbewegt. Ob auf Seen, Flüssen oder dem Meer, mittlerweile sind die Stehpaddler fast überall unterwegs.

Und wie kommt man auf die Idee, seine Yogamatte mit dem schwankenden Brett zu tauschen? Der schwedischen Yogalehrerin Rachel Brathen kam der Gedanke, als sie eines Tages am Strand ihre Übungen machte – während ihr Mann auf dem Meer surfte. „Ich habe es zunächst auf seinem Surfbrett ausprobiert, ohne Erfolg“, erinnert sich Brathen, die auf der Insel Aruba in der Südkaribik ein Yogazentrum führt, „bis ich die Stand Up Paddling Boards entdeckte, die sind etwas größer.“

Yoga-Profis wie sie können die Praxis auf dem Brett als spannende Herausforderung betrachten. Vor allem geht es beim SUP-Yoga aber darum, Spaß zu haben und etwas Neues zu erleben. „Zwar gelingt es auch auf dem Brett gut, Geist und Seele in Einklang zu bringen“, erklärt Marisa Weber, deren Yogaschule Fünfseenyoga die Kurse auf dem Sylvenstein-Stausee anbietet: „Wer aber das Ziel hat, die Körperübungen perfekt auszuführen, ist auf einer Matte am Boden besser aufgehoben.“

Grundsätzlich ist weder Erfahrung im Stehpaddeln noch im Yoga erforderlich. Nur Schwimmen sollte man können, auch mehrere Minuten am Stück. Denn schlimmstenfalls plumpst man ins Wasser, ansonsten kann einem nicht viel passieren. Für den Anfang sind sitzende Positionen und Übungen im Vierfüßlerstand gut geeignet. Das ist schon schaukelig genug. „Schaut man zum Beispiel, was der Nachbar macht, verliert man schnell mal die Balance“, weiß Melanie Andernach, SUP-Yoga-Trainerin am Starnberger See.

Ähnliche Erfahrungen schildert Chris-tian Sindlhauser. Wenn ein Teilnehmer versuche, die Balance zu halten, erzeuge er unter Umständen Wellen. „Dann reagieren die anderen, alles schaukelt sich auf und es wird noch wackeliger“, lacht er. Auch wer bereits geübt in Yoga ist, kann seinen Gleichgewichtssinn daher noch verbessern.

„Die unruhige Unterlage stärkt das Balancegefühl“, betont auch Marisa Weber und weist noch darauf hin: „Wer etwas schwerer ist, tut sich mitunter nicht gerade leicht damit.“ Das brauche aber niemanden davon abhalten, einen Versuch zu wagen. Wichtig sei es, sich nicht gegen das Runterpurzeln zu wehren. Manche ihrer Kursteilnehmer verkrampften sich, damit sie nicht vom Brett fallen. „Da geht der Sinn des Yoga leider verloren“, so Weber.

Der „Baum“ auf dem Paddelbrett? Schwierig ...

SUP-Yoga trainiert aber nicht nur das Gleichgewicht. Der Sport aktiviert auch Muskeln, die sonst nur wenig zum Einsatz kommen. „Es ist daher deutlich anstrengender als Yoga auf festem Boden“, hat Sindlhauser festgestellt.

Kurse für SUP-Yoga wie den auf dem Sylvensteiner Stausee gibt es mittlerweile an vielen Orten, von den Alpen bis Sylt und sogar in Hallenbädern. Die Pionierin Rachel Brathen ist häufig auf dem Meer unterwegs. Dort ist es wichtig, auf Strömungen zu achten. Das gilt ebenso für Flüsse. „Da würde ich es nur empfehlen, wenn ein ausgebildeter Guide dabei ist, der die Flussverläufe und Tiefen kennt“, rät Marisa Weber.

Bretter zum Stehpaddeln kann man sich ausleihen. Wer ein eigenes SUP-Board besitzt, sollte vorab schauen, ob es für Yoga-übungen geeignet ist. Allgemein gilt: Je breiter das Brett, desto stabiler ist es. Sogenannte Allrounder gehen beispielsweise gut. Einmal in Position gebracht, kann man die Paddel einfach an den Tragegurten der Bretter befestigen. Manche Hersteller bieten inzwischen sogar SUP-Boards eigens für Yoga an, mit einer extra Halterung für das Paddel oder einer speziellen Auflage, die einer Yogamatte ähnelt. „Theoretisch geht es auf jedem SUP-Board“, sagt Weber. Sie allerdings empfiehlt eines zum Aufblasen, das sei bequemer als die harten aus Holz.

Egal wie geeignet das Brett auch ist, alle Übungen lassen sich darauf nicht ohne Weiteres umsetzen. „Die Vorstellung, fest mit dem Boden verwurzelt zu sein – wie bei der Baum-Position gefragt – fällt auf dem schwankenden Board doch schwer“, sagt Sindlhauser.

Bitte beachten

Wer hat Vorfahrt?
Wer mit dem SUP-Board auf einem viel befahrenen Gewässer unterwegs ist, sollte die Vorfahrtsregeln kennen. Wie im Straßenverkehr gilt rechts vor links. Und: Ausweichen muss das Gefährt, das leichter zu manövrieren ist – also in der Regel der Stehpaddler.

Wie wird das Wetter?
Drohen ein Gewitter oder heftiger Wind, lieber daheim bleiben oder zumindest in Ufernähe.

Naturschutzgebiet?
Bitte fernhalten!

 

Buchtipp: Stand Up Paddling Yoga von Percy Shakti Johannsen. BLV, 2017