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Naturkosmetik-Wissen

Anti-Aging: Wie wirkt es?

Anti-Aging Produkte (© iStockphoto / wenchiawang)
(© iStockphoto / wenchiawang)

Wahre Schönheit kommt von innen. Doch ein bisschen von außen nachhelfen möchten die meisten schon. cosmia sagt, was Anti-Aging-Produkte versprechen und was sie wirklich können. // Leo Frühschütz

Wir alle werden älter und damit interessanter – für die Kosmetikindustrie. Denn ältere Menschen geben mehr Geld für Kosmetik aus, haben Marktforscher festgestellt. Und Ältere greifen verstärkt zu Premium-Produkten, die sie vor den optischen Folgen des Älterwerdens bewahren sollen. Inzwischen machen Anti-Aging-Mittel in der Gesichts- und Körperpflege mehr als die Hälfte des Umsatzes aus, hat das Institut IRI berechnet.

Auch in der Naturkosmetik spiegelt sich der Trend wider. „Mindert tiefe Falten“, „schützt vor Stressfaktoren“, „sorgt für Spannkraft“, versprechen die Hersteller. Doch ob pflanzliche oder konventionelle Kosmetik, die Wahrheit lautet:
Falten lassen sich nicht einfach so wegcremen. Ganz ohne Effekt ist Anti-Aging-Pflege dennoch nicht. Sie kann die mit dem Alter nachlassenden Funktionen der Haut ein wenig ausgleichen.

Was lässt die Haut altern?

Etwa ab 35 Jahren produziert die Haut weniger Talg, Schweiß und Feuchtigkeit. Sie wird trocken und lässt sich leichter durch Schadstoffe oder Umwelteinflüsse reizen. Die Wechseljahre drosseln zudem die Hormonproduktion, die Zellen teilen sich langsamer, die Haut wird dünner. Die Kollagenfasern, die das Bindegewebe straff halten, werden allmählich abgebaut. Zudem speichert das Bindegewebe immer weniger Wasser, was die Faltenbildung verstärkt. Anti-Aging-Produkte, die diese Hautfunktionen unterstützen wollen, müssen also drei Dinge liefern: Fett, Feuchtigkeit und Fitmacher für die Zellen (siehe Kasten).

Mit Feuchtigkeit versorgen

Um die nachlassende Talgproduktion auszugleichen, müssen die Pflegeprodukte Fettsäuren enthalten, die der Körper leicht in den Schutzmantel der Haut integrieren kann. Dafür eignen sich pflanzliche Öle besonders gut. Sie liefern auch andere Substanzen, die Bestandteil des Schutzmantels sind, etwa Sterole, Wachse oder Squalen. Zu den Substanzen, die Feuchtigkeit auf und in der Haut binden können, zählen Glyzerin, Hyaluronsäure, Pyrrolidoncarbonsäure (PCA) und Natriumlaktat. Sie alle kommen als Bestandteile des natürlichen Feuchthaltefaktors NMF in der Haut vor.

Vor UV-Schäden schützen

Besonderes Augenmerk legen die Hersteller auf pflanzliche Wirkstoffe, die die Zellen der Haut schützen oder sie anregen. Für den Schutz sind Antioxidantien zuständig. Sie sollen chemisch aggressive Stoffe – die freien Radikale – in den Zellen unschädlich machen. Andere Wirkstoffe können die Zellen anregen, sich häufiger zu teilen oder mehr Kollagen zu bilden.

Erforscht werden solche Wirkstoffe meist im Reagenzglas. Dort zeigt sich zum Beispiel, dass Anthocyane, die in vielen Beeren vorkommen, Hautzellen zu einem gewissen Maß vor Schäden durch UV-Strahlen bewahren können. Nachgewiesen ist auch, dass ein Extrakt des Granatapfels die Bildung bestimmter Enzyme verringern kann, die zur Hautalterung beitragen. Deshalb kommt er als Anti-Aging-Zutat in viele Cremes und Lotionen. Solche Versuchsergebnisse aus dem Reagenzglas lassen sich allerdings nicht eins zu eins auf Kosmetika übertragen. Meist ist unbekannt, welche Wirkstoffkonzentration den erhofften Effekt hervorruft. Auch kann die Konzentration im Extrakt schwanken. Und eine mögliche Wirkung hängt auch davon ab, wie gut die Haut den Stoff aufnimmt.

An Freiwilligen getestet

Deshalb lassen die Hersteller ihre fertigen Produkte an Menschen testen. Der Auftrag dafür geht an Spezialisten wie Dermatest. Das Unternehmen sucht aus seinem Fundus Freiwilliger geeignete Testpersonen aus. „Ist die Creme für reife Haut gedacht, nehmen wir Testpersonen über 40“, erklärt die Hautärztin Dr. Gerrit Schlippe, die bei Dermatest Anwendungstests durchführt.

Untersuchen kann Dermatest viel: Ob die Haut mehr Feuchtigkeit aufnimmt, ob sie glatter oder elastischer wird und wie die Talgproduktion sich ändert. „Mit 20 Probanden kann man vernünftige Aussagen treffen“, definiert Gerrit Schlippe die Untergrenze an Testpersonen. Für die Zeit direkt vor und während der Studie ersetzen die Testpersonen ihre Lieblingsprodukte durch eine standardisierte Basispflege. Sie liefert der Haut nur Fett und Feuchtigkeit, enthält aber keine zusätzlichen Wirkstoffe. „Wenn ein neues Produkt zusätzlich zu einer solchen Basispflege die Faltentiefe um 30 Prozent reduziert, dann kann sich das sehen lassen.“ Und es wird gesehen, sagt Gerrit Schlippe: „Man erkennt das nicht an einer einzelnen Falte. Aber der Eindruck des Gesichts ändert sich leicht.“ Hersteller belegen mit solchen Studien die Wirkaussagen, mit denen sie ihre Produkte bewerben.

Dass Eincremen wirkt, konnten auch Professor Jürgen Lademann und sein Team an der Berliner Uniklinik Charité zeigen. Sie haben Verfahren entwickelt, mit denen sich der Gehalt an Anti-oxidantien in der Haut bestimmen und deren Wirkung verfolgen lässt. Nach einigen Wochen Eincremen mit einer Antioxidantien-reichen Creme nahm der Gehalt dieser Wirkstoffe in der Haut zu und sie schützten auch die Zellen.

Der Effekt war größer, wenn die Probanden gleichzeitig mehr Antioxidantien mit dem Essen zu sich nahmen. Noch ein Grund mehr, reichlich Rohkost zu verzehren.

Info: Natürliche Altersvorsorge

Viele Antioxidantien in Naturkosmetik stammen aus Beeren und Früchten, wie Acai- und Gojibeeren, Granatapfel oder Sanddorn, auch aus grünem Tee. Als Öle oder Extrakte kommen sie in die Tube – konzentrierte Wirkung also gegen freie Radikale.

Als Muntermacher für müde Haut gilt der indische Wassernabel, auch Tigergras genannt. Die aus Indien stammende Pflanze wird dort in der traditionellen Medizin wegen ihrer wundheilenden Wirkung geschätzt. In Cremes soll sie die Kollagenbildung anregen und dem Bindegewebe helfen, sich zu regenerieren.

Unterstützt wird sie dabei oft von Coenzym Q10, das für die Hauterneuerung wichtig ist – um auszugleichen, dass die Haut mit zunehmendem Alter immer weniger Q 10 produziert. Das „Anti-Aging-Enzym“ stammt aus grünen Pflanzenzellkulturen, die man mit Hefe fermentiert.

Rotklee, Soja-Extrakte und Hopfen enthalten reichlich Isoflavone. Diese Pflanzenhormone sollen an die Östrogenrezeptoren der Haut andocken und dort die Kollagenproduktion ankurbeln.