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Naturkosmetik-Wissen

Aufs Siegel achten!

© istockphoto

Wo „natürlich“ draufsteht, ist oft wenig Natur drin. Sicherheit geben die Siegel für zertifizierte Naturkosmetik. cosmia stellt sie vor. // Leo Frühschütz

Das Shampoo verspricht „Granatapfel Power“. Auf der Vorderseite. Schaut man auf der Rückseite das Inhaltsstoff-Verzeichnis durch, findet sich darin kein Granatapfel, nicht mal in Spuren. Dafür reichlich erdölbasierte Tenside. Zwei synthetische Farbstoffe sorgen dafür, dass das Shampoo so schön rot glänzt wie die auf der Tube abgebildeten Granatapfelsamen. Dieses Shampoo eines namhaften Herstellers ist kein Einzelfall.

Immer mehr Frauen – und auch Männer – greifen zu zertifizierter Naturkosmetik. Im vergangenen Jahr ist der Markt wieder um rund zehn Prozent gewachsen. Davon wollen auch die Hersteller herkömmlicher Kosmetik profitieren und schminken ihre Produkte auf Natur und Bio. Das ist erlaubt, denn der Begriff „Bio“ ist nur für Lebensmittel geschützt, und für „Naturkosmetik“ gibt es gar keine gesetzliche Definition.

Auch der Blick auf die Zutatenliste hilft da nicht immer weiter. Denn die ist in INCI verfasst, der lateinisch-englischen „Fachsprache“ der Kosmetikindustrie. Da klingt manches pflanzliche Tensid gefährlich chemisch, etwa das sehr hautverträgliche Sodium Cocoyl Glutamate. Parrafinum Liquidum hingegen ist kein lateinischer Pflanzenname, er steht für ein aus Erdöl gewonnenes Fett.

Dafür stehen die Siegel der Naturkosmetik-Hersteller

Um sich vor Trittbrettfahrern zu schützen, haben seriöse Naturkosmetik-Hersteller, Bio-Verbände und Zertifizierer schon vor Jahren eigene Standards entwickelt, anfangs oft nur für ihren nationalen Markt. So gibt es heute mehrere Siegel, die für kontrollierte Natur­kosmetik stehen. „Kontrolliert“ heißt es deshalb, weil externe Zertifizierer regelmäßig prüfen, ob die Unternehmen und ihre Produkte die Standards auch tatsächlich einhalten.

Die Naturkosmetik-Standards haben viel gemeinsam: Sie verzichten auf Silikone, Paraffine und andere Erdölprodukte, auf synthetische Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe sowie auf zahlreiche andere problematische Inhaltsstoffe. Radioaktive Bestrahlung zur Entkeimung der Kosmetika ist tabu. Alle Standards setzen auf gentechnikfreie pflanzliche und mineralische Rohstoffe, die nur mit bestimmten Verfahren verarbeitet werden dürfen. Naturidentische Stoffe, also chemisch hergestellte Kopien von natürlichen Stoffen, sind nur in Einzelfällen erlaubt – wenn es zu aufwändig ist, die Substanz aus der Natur zu gewinnen. Das gilt zum Beispiel für den blauen Farbstoff Lapislazuli.

So ist Bio geregelt

Wird Naturkosmetik als „Bio“ beworben, verlangen alle Standards, dass 95 Prozent der pflanzlichen Zutaten aus ökologischem Anbau stammen müssen. Unterschiede gibt es bei der Berechnung dieses Anteils, etwa bei wässrigen Pflanzenauszügen.

Einzelne Standards schreiben zudem für bestimmte Zutaten grundsätzlich Bio-Qualität vor, etwa für Olivenöl oder Ringelblume.

Zutaten aus toten Wirbeltieren haben in zertifizierten Cremes und Make-ups nichts zu suchen. Erlaubt sind jedoch Zutaten von lebenden Tieren wie Honig, Molke und Wollwachs oder der rote Farbstoff Karmin, der aus Insekten stammt. Naturkosmetik ist also nicht immer vegan. Viele Hersteller kennzeichnen ihre veganen Produkte daher extra. Umgekehrt ist nicht jede als vegan ausgelobte Creme damit auch Naturkosmetik. Erdöl ist schließlich nicht tierischer Herkunft.

Auf dem deutschen Markt sind vor allem die Logos von BDIH und Natrue stark vertreten, gefolgt von Ecocert. Der Herstellerverband BDIH stellte seinen Standard bereits im Jahr 2001 vor. Sein Logo findet sich auf über 8 000 Produkten von 300 Marken aus aller Welt. Der europäische Verband Natrue wurde von einigen großen deutschen Naturkosmetik-Unternehmen gegründet und veröffentlichte 2009 eigene Standards. Derzeit tragen an die 4 000 Produkte von rund 150 Marken sein Siegel. Ecocert ist ein internationaler Zertifizierer mit Hauptsitz in Frankreich. Nur ein Teil seiner 17 000 zertifizierten Produkte ist in Deutschland zu haben. –

Info : Naturkosmetik in Gefahr?

Die Internationale Standard Organisation ISO arbeitet an einer weltweiten Norm für Naturkosmetik. Schon seit dem Jahr 2011, unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Die bisherigen Ergebnisse lassen Schlimmes befürchten: Die Norm will unter anderem Inhaltsstoffe mit Erdölanteil für Naturkosmetik erlauben. Ein Verbot bestrahlter Zutaten fehlt, ebenso wie Aussagen zur Gentechnikfreiheit oder zu erlaubten Konservierungsstoffen.

Auch Kriterien wie Fairness, Ethik und Ressourcenschutz lässt sie außer Acht. Damit bleibt die künftige ISO-Norm weit hinter den schon existierenden Naturkosmetik-Standards zurück.

Zu befürchten ist, dass manch konventioneller Hersteller versuchen wird, Produkte auf Basis dieser ISO-Norm als Naturkosmetik anzupreisen.

Zudem besteht die Gefahr, dass die EU-Kommission, sollte sie den Begriff Naturkosmetik doch noch gesetzlich regeln, sich dabei auf die ISO-Norm stützt anstatt auf die strengeren Standards.

Siegel

Die Siegel von BDIH (www.kontrollierte-naturkosmetik.de), Natrue (www.natrue.org) und Ecocert (www.ecocert.com) sind am häufigsten auf Cremes, Shampoos und Make-ups im Bio-Laden und im Naturkosmetik-Fachgeschäft zu finden.

ICADA ist ein Logo speziell für kleinere Marken im Fachhandel. Auch der Bio-Verband Demeter hat Richtlinien für Naturkosmetik.

Cosmos Certified SiegelCosmos ist ein europäischer Mindeststandard für Naturkosmetik, auf den sich 2010 die wichtigsten nationalen Logos BDIH, Ecocert, Soil Association (Großbritannien), ICEA (Italien) und Cosmebio (Frankreich) geeinigt haben.