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Naturkosmetik-Wissen

Erdverbunden

Nur Heilerde und Wasser, damit rührte Pierre Cattier seine ersten hautpflegenden Pasten. Heute steht sein Name für ein modernes Naturkosmetik-Unternehmen, das noch immer auf die Kraft der Heilerde schwört. // Text und Fotos Astrid Wahrenberg

Links: Stolz führt Emmanuel Bernard, Hauptlieferant von Cattier, cosmia-Autorin Astrid Wahrenberg über sein Gelände in St. Paulien. Dort gibt es vor allem grüne, aber auch braune Heilerde (unten). Rechts oben: In dem modernen Gebäude nahe Paris verarbeitet Cattier die Heilerde zu Cremes, Masken und vielem mehr.

Für Pierre Cattier lag das Geheimnis eines gesunden Lebens unter seinen Füßen. Der Franzose aß regelmäßig Heil-erde. Er gehörte zu einer Clique Naturalisten, die überzeugt waren, damit Krankheiten vorbeugen und heilen zu können. Neben Wohlbefinden bescherte Heilerde der Familie Cattier einigen Wohlstand. Madame Cattier begann nämlich mit dem Verkauf von Lehmbrocken für kosmetische Anwendungen in ihrem kleinen Laden für Gesundheitsprodukte. Weil die Verarbeitung der Batzen für die Kundschaft ziemlich mühsam war, produzierte Pierre Cattier ab 1968 in der heimischen Garage die ersten gebrauchsfertigen Pasen. Heute beschäftigt das französische Naturkosmetik-Unternehmen Cattier in Bondoufle bei Paris 45 Mitarbeiter.

Wer wissen will, woher die Heilerde kommt, muss in den kleinen Ort St. Paulien in die Auvergne reisen. Weithin sichtbar in der offenen Vulkanlandschaft liegt die Lehmgrube Argile Verte du Velay von Emmanuel Bernard, der in der Gegend noch weitere Lehmgruben betreibt. Schon seine Eltern waren im Heilerde-geschäft. Auf die Grube in St. Paulien ist der 40-Jährige besonders stolz. Der Bagger hat sich in mehr als einem Jahrzehnt terrassenartig in die Bergflanke gefressen. Grünblau schimmert die nackte Erde in der hellen Julisonne. „Die grüne Erde hier enthält alle Lehmarten – Illite, Montmorillonite und Kaolinite – das ist einzigartig“, sagt Bernard. Außerdem sei sie frei von Quarz, einem Bestandteil von Sand, und mit über 85 Prozent purem Ton außergewöhnlich rein. „Das ist auch der Grund, weshalb sie besonders sanft zur Haut ist und sogar für empfindliche Hauttypen geeignet ist“, sagt Cindy Turinetti, die Export Category Managerin von Cattier.

Jetzt kippt ein LKW die feuchte, dunkelgrüne Erde im nahe gelegenen Gewerbegebiet von der Ladefläche auf einen Fußballfeld großen, überdachten Platz. Hier türmen sich bereits grauweiße Heilerdebrocken aus der Bretagne. Rote und gelbe Heilerden werden aus der Ile de France um Paris zur Weiterverarbeitung herangekarrt. Gemeinsam ist allen der hohe Ton- beziehungsweise Löss-Anteil. Partikel von Eisen, Kupfer und Magnesium sorgen für die Farbenvielfalt von Heilerde, die Cattier aktuell in 32 Produkten von Hand- und Waschcremes, Masken und Peelings über Shampoos, Seifen und Zahnpasta

einsetzt.

Was Heilerde alles kann 1987 verkaufte Pierre Cattier die Firma an den Apotheker Daniel Aressy. Heute führt dessen Schwiegersohn Alexis Fort die Geschäfte. Heilerde ist weiter der Wirkstoff Nummer eins.„Das Naturprodukt hat sehr viele positive Eigenschaften für die Haut“, erklärt Cindy Turinetti. Heilerde versorge sie mit Mineralstoffen, absorbiert Talg, Schmutzpartikel und Hautunreinheiten, wirkt kühlend und durchblutungsfördernd.

 

 

Erde in St. PaulienRechts: Grünblau schimmert die nackte Erde in St. Paulien.

Von der Grube kommt die Heilerde aber nicht gleich in die Tube. Zunächst bringt ein Förderband die feuchte Erde – von Sandkorn- bis fast kindskopfgroßen Brocken – in die Fabrikhalle in St. Paulien. Die wirkt recht unübersichtlich: Ein verzweigtes System aus Transportbändern und Rohren, Metalltreppen und -stegen, die in bis zu zehn Metern Höhe unters Hallendach führen. Aus einer Maschine quellen Staubwolken, feine Partikel tanzen in den durch die Oberlichter hereinfallenden Sonnenstrahlen, puderfeine Erdpartikel bedecken zentimeterhoch den Hallenboden sowie sämtliche Oberflächen. Laut ist es auch. Aggregate und Maschinen brummen, eine Gasturbine faucht und allgegenwärtig ist das Rumpeln der Erdbrocken auf dem Förderband. Zuerst fahren sie in den Ofen. Darin bleibt die Heilerde 20 Minuten lang bei 350 Grad Celcius. Das überlebt kein Mikroorganismus. Auf dem Förderband fährt die getrocknete, jetzt bröselige und noch ziemlich heiße Fracht zu einem Sieb von der Größe eines Trampolins. Alles was größer als 1,5 Millimeter ist, bleibt darin zurück.

Naturrein und pulverfein

Die kleineren Partikel gelangen in ein geschlossenes Röhrensystem, das zur Hallendecke aufsteigt. Ein Luftstrom befördert die Heilerde nach oben. Je nach Stärke des Luftstroms, der sich sehr genau dosieren lasst, können Partikel von 100 bis zu winzigen 20 Mikrometer exakt herausgefiltert werden. Schwerere Teilchen fallen nach unten, wo sie in Säcken aufgefangen werden. Mit dieser ausgeklügelten Siebtechnologie erhält man besonders homogene und feine Erdpartikel – ohne Mahlprozesse, Chemie und Zusatzstoffe.

Kontrollen im angeschlossenen Labor sichern die hygienische Qualität und Reinheit. Fein säuberlich in Tüten und Kartons verpackt erreicht die pulverfeine Heilerde schließlich ihre Bestimmung in der modernen Kosmetikfabrik von Cattier, wo sie ganz im Sinne von Monsieur Cattier als naturreiner Wirkstoff weiter verarbeitet wird. –

Steckbrief

Name: Cattier Paris, Marke Cattier Naturkosmetik
Gegründet: 1968 von Pierre Cattier, seit 2011 im Besitz der deutschen Firma Kneipp
Sitz: Bondoufle, Frankreich
Mitarbeiter: 45
Produkte: Pflegende Naturkosmetik mit Ecocert-Siegel, von Gesichtsreinigung, Masken und Cremes für Gesicht und Körper bis zu Shampoo, Duschgel, Zahnpflege und Männerkosmetik
www.cattier-paris.de