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Naturkosmetik-Wissen

Faire Partner: Von Frauen für Frauen

(© M. Kunz, FairRubber e.V.)
(© M. Kunz, FairRubber e.V.)
Eine Arbeiterin an der Maschine, die die  koagulierte Latexmilch zu dünnen Bahnen presst, dem sogenannten Latex-Crêpe. (© M. Kunz, FairRubber e.V.)
(© M. Kunz, FairRubber e.V.)
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(© M. Kunz, FairRubber e.V.)
Drei Generationen auf einem Sofa:  Frau Premavati (rechts), ihre Schwiegertochter (links) und ihre Enkeltöchter. (© M. Kunz, FairRubber e.V.)
(© M. Kunz, FairRubber e.V.)

Wie Menstruationstassen aus fair gehandeltem Kautschuk dazu beitragen, Frauen in Sri Lanka das Leben zu erleichtern. // Astrid Wahrenberg

Schon früh am Morgen erwacht die Frocester Kautschukplantage im hügeligen Süden Sri Lankas zum Leben. Denn dann ist es noch kühl – und die Latexmilch fließt am besten bei niedrigen Temperaturen. Vor allem Frauen sind in der Dämmerung zwischen den schlanken, bis zu 30 Meter hohen Gummibäumen unterwegs. Mit einem speziellen Werkzeug ritzen sie die Rinde geschickt und hauchdünn an. Etwa eine halbe Stunde lang tröpfelt die Baummilch in ein darunter hängendes Gefäß, dann versiegt die Quelle von selbst.

Mehrere Hundert Kautschukbäume zapfen die Frauen täglich auf der FSC-zertifizierten Plantage an. Im Schnitt sammeln sie sieben Kilogramm Milch in ihren Eimern pro Tag. Die tragen sie zur nahe gelegenen Fabrik, wo die Milch gewogen und der Gummianteil darin gemessen wird.

Dort arbeitet auch Frau Premavati, seit mehr als 30 Jahren. Die 55-Jährige wohnt mit ihrer Schwiegertochter und zwei Enkeltöchtern in der Nähe der Gummiplantage. Ihr Sohn verdient sein Geld – wie viele Männer aus Sri Lanka – seit Jahren in einer Kleiderfabrik auf Mauritius und unterstützt damit seine Familie zu Hause.

Frau Premavati arbeitet in der Qualitätskontrolle der Latexfabrik. Bis dahin sind es – von der Anlieferung der Milch bis zum festen Produkt – noch einige Verarbeitungsschritte. Zunächst kommt die Milch in ein gekacheltes Becken. Arbeiter rühren Ameisensäure darunter, damit die Latexmilch ausflockt, ähnlich wie Kuhmilch, in die man Zitronensaft gibt.

Aus diesem „Latexjoghurt“ pressen sie in mehreren Arbeitsgängen mit Maschinen, die Wäschemangeln ähneln, möglichst viel Wasser heraus. Dabei entstehen dünne Gummibahnen, Latex-Crêpe genannt, die die Arbeiter nach dem Trocknen in mehreren Schichten über-einander legen und mit einer Maschine zu dickeren Lagen pressen. Schließlich landet das Material bei Frau Premavati. Sie steht an einem circa drei Meter langen Tisch, vor sich eine Bahn hauchdünnes Latex, das sie mit den Händen glatt streicht. Mit geübtem Blick hat sie kleine schwarze Punkte im Material entdeckt: organische Rückstände wie Baumrinde, die bei der Ernte in die Latexmilch geraten sind. Sie schneidet die Stellen flink mit einer Schere heraus.

„Das ist eine Arbeit, für die Konzentration und Erfahrung nötig sind“, sagt Martin Kunz, Gründer des Fair-Rubber-Vereins. Die Organisation stellt sicher, dass das Latex den Kriterien des Fair-Trade-Siegels entsprechend produziert und vertrieben  wird. Eine Schicht in der Fabrik geht acht Stunden, für die Mitarbeiter gibt es sogar eine Kantine. Geregelte Arbeitszeiten, Mindestlöhne und das Verbot von Kinderarbeit sind in Sri Lanka übrigens nicht ungewöhnlich.

Ein Baum liefert fünf Kilo Latex im Jahr

Einer der Abnehmer für den fair gehandelten Horana-Kautschuk ist die Firma Fair Squared (siehe Kasten). Sie fertigt daraus Saatgutschalen und Menstruationstassen – kleine Kelche, die das Regelblut auffangen, als müllsparende Alternative zu Tampons. „Für eine Menstruationstasse benötigen wir rund 20 Gramm“, sagt Oliver Gothe von Fair Squared. Im Fair-Trade-Sortiment gibt es auch Kondome, Luftballons, Haushaltshandschuhe und Fitnessbänder. Der Kautschuk dafür stammt aus anderen Partnerprojekten.

Global betrachtet ist die Menge an fair gehandeltem Naturkautschuk verschwindend gering. Der Löwenanteil der weltweiten Kautschukernte geht in die Reifenindustrie. Und die will den Rohstoff so billig wie möglich einkaufen. Auch Horana kann bisher nur einen sehr kleinen Teil seines Gummis unter Fair-Trade-Bedingungen verkaufen. Dennoch kann dies viel bewirken. Für jedes Kilo Naturkautschuk, das als Fair-Trade-Ware verkauft wird, bekommen die Mitarbeiter eine extra Prämie. Wofür das Geld verwendet wird, entscheidet ein Fair-Trade-Komitee, das von den rund 400 Plantagen-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern gewählt wird. Frau Premavati ist seit Langem Mitglied im Sparverein der Plantage. Der Vorstand der Belegschaftsvertretung be-rät über Kleinkredite und plant, wie sich größere Anschaffungen finanzieren lassen.

Die Fair-Handels-Prämie brachte schon vor Jahren sauberes Wasser und Elektrizität direkt in die Häuser. Außerdem konnte eine Brücke gebaut werden, die einen abgelegenen Bezirk der Plantage mit der nahen Stadt verbindet. Damit verkürzte sich der Fußweg der Schulkinder um rund 40 Minuten. 2015 floss die Fair-Trade-Prämie in den Bau eines Gemeinschaftszentrums und in die Ausstattung des kleinen Ladens, in dem die Belegschaft Waren zum Großhandelspreis kaufen kann. Sogar Kühltruhen gibt es dort, sodass neben Reis, Öl und Waschpulver zum Beispiel auch Eiscreme und Hühnchen erhältlich sind.

Das Gemeinschaftszentrum ist auch ein Ort, an dem Schulungen und Weiterbildungen stattfinden, die Arztsprechstunde oder Geburtsvorbereitungskurse. Und es ist ein Ort, an dem Feste gefeiert, Zeremonien und Versammlungen abgehalten werden. „Wir haben endlich einen Platz, an dem wir uns treffen können“, sagt Frau Premavati. Vorher fanden die meisten Aktivitäten unter freiem Himmel statt, sofern das Wetter mitspielte.

Im Fair-Trade-Gremium spricht Frau Premavati auch über die Ausbildung ihrer 13-jährigen Enkelin Budini. Sie hat sehr gute Noten und möchte gerne Lehrerin werden. Doch für die Ausbildung an einem College in Colombo hat die Familie nicht genug Geld. Der Sparverein des Zentrums wird versuchen, Budini finanziell zu unterstützen. So tragen Frauen, die die Menstruationstassen mit dem Fair-Trade-Siegel kaufen, indirekt dazu bei, dass es Frauen in Sri Lanka besser geht.

Fair hoch zwei

Menstruationstasse

Die Firma Fair Squared, was so viel bedeutet wie „fair hoch zwei“, wurde in England gegründet und möchte ungerechte Handelsstrukturen abbauen. 2010 wurden die ersten Produkte über Oxfam und Amnesty International vertrieben. Dazu gehörten Kondome, Handcremes und Lippenpflege-Produkte.

Seit 2013 ist der Firmensitz in Köln. Außer fair gehandelten Latex-Produkten wie der hier abgebildeten Menstruationstasse, gehören fair gehandeltes Olivenöl aus Palästina, Mandelöl aus Pakistan und Sheabutter aus Ghana zum Sortiment. Inzwischen arbeitet das Fair Squared weltweit mit 15 Rohstoff-Lieferanten partnerschaftlich zusammen.