Anzeige

Anzeige

Naturkosmetik-Wissen

Gefahr durch Aluminium?

© istockphoto
© istockphoto

Aluminium gilt seit Jahrzehnten als mögliche Ursache von Alzheimer. Neue Studien geben dieser These Auftrieb. Doch wo steckt Alu überall drin? // Leo Frühschütz

Aluminium ist mit einem Anteil von 7,5 Gewichtsprozent das dritthäufigste Element der Erdkruste, nach Silicium und Sauerstoff. Aluminium ist aber auch ein bekanntes Nervengift und schädigt im Reagenzglas das Erbgut von Brustzellen. Müssten wir da nicht schon längst alle tot sein?

Zu unserem Glück ist das allermeiste Aluminium fest in kristallinem Gestein gebunden. Das reine Leichtmetall lässt sich nur mit großem Aufwand aus dem Rohstoff Bauxit gewinnen. Deshalb ist es erst in den letzten Jahrzehnten in großen Mengen in unser Leben getreten. In winzigen Mengen essen wir es schon immer, weil die Pflanzen Aluminium als Spurenelement enthalten – auch wenn es im Organismus zu nichts nutze ist.

Auch in kleinen Mengen

Über 99 Prozent des Aluminiums, das wir mit der Nahrung zu uns nehmen, scheiden wir über Kot und Urin wieder aus. Nur wenige Millionstel Gramm bleiben im Körper. Doch sind die Aluminium-Atome extrem reaktionsfreudig und wirken auch in kleinen Mengen. In Tierversuchen schädigten sie Hoden, Embryone sowie das Nervensystem.

Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hält eine wöchentliche Aufnahme von einem Milligramm je Kilogramm Körpergewicht für noch tolerierbar und schreibt, dass ein Großteil der europäischen Bevölkerung etwas mehr Aluminium zu sich nimmt, vor allem durch Lebensmittel. Das Aluminium darin ist zum Teil natürlicher Herkunft, zum Teil stammt es aber auch aus Lebensmittelzusatzstoffen oder aus aluminiumhaltigem Kochgeschirr oder Folien. Trinkwasser hingegen sei keine nennenswerte Belas-tungsquelle, schreibt die EFSA. Eine gewisse Grundbelastung mit Aluminium ist also unvermeidbar.

Umso wichtiger ist es, zusätzliche Mengen zu umgehen. Deshalb sollen saure und sehr salzige Lebensmittel wie Apfelmus, Tomatenpüree oder Sauerkraut möglichst nicht in Kontakt mit Alufolie oder Alukochgeschirr treten. Säure und Salz zerstören die dünne Oxidschicht auf dem Aluminium und können es dadurch lösen. Eine weitere vermeidbare Quelle sind aluminiumhaltige Zusatzstoffe wie E173, E520 oder E556, deren Anwendung die EU allerdings ab 2014 deutlich einschränkt. Hohe Dosen an Aluminium liefern manche Mittel gegen Sodbrennen sowie auch Impfungen – weil sie dann besser wirken.

Deo mit Brustkrebsgefahr?

Auch einige Kosmetikartikel enthalten Aluminium – allen voran Deos. Konventionelle Deodorantien arbeiten häufig mit Aluminiumchloriden, das sind synthetische Aluminiumsalze. Sie galten lange Zeit als hautirritierend, aber ansonsten harmlos – bis die britische Forscherin Philippa Darbre einen Zusammenhang zwischen Alu-Salzen in Deos und Brustkrebs herstellte. Sie fand erhöhte Aluminiumgehalte in der Flüssigkeit von Brustzysten, das sind meist gutartige Geschwulste. Außerdem stellte sie fest, dass Zysten und Brustkrebs gehäuft in dem Viertel der Brust auftauchen, das sich direkt neben der Achselhöhle befindet. Seither diskutieren Wissenschaftler intensiv die Risiken von Alu-Deos. Wichtigster Punkt dabei: Wie viel Aluminium gelangt von der Oberfläche der Achselhöhle ins Gewebe?

Bei gesunder Haut sind es maximal 0,5 bis 0,6 Prozent, schätzen die zuständigen Behörden in Frankreich und Norwegen. Bei verletzter Haut, etwa nach dem Rasieren, könnten es sogar 11 bis 18 Prozent sein. In diesem Fall würde der tägliche Deo-Gebrauch wesentlich zur Aluminiumbelastung beitragen, folgern die Norweger. Ihre französischen Kollegen schlagen vor, den Aluminiumgehalt in Kosmetik auf 0,6 Prozent zu begrenzen, das wäre etwa ein Zehntel der bisher in Deos eingesetzten Menge. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung hat sich dazu noch nicht geäußert. Die norwegische Einschätzung zeigt auch, dass Aluminium als Inhaltsstoff in manchen Zahncremes und Lippenstiften im Vergleich zu den Deos als Belastung keine große Rolle spielt.

Chlorierte, synthetische Aluminiumsalze sind in zertifizierter Naturkosmetik tabu. Die meisten Naturkosmetik-Deos bekämpfen Schweißgeruch mit ätherischen Ölen und antibakteriell wirkenden Pflanzenauszügen. Kristalldeos enthalten Alaun, eine natürlich vorkommende Aluminiumverbindung, als Wirkstoff. Der Hersteller Alva schreibt dazu: „Alaune sind chemisch inert, das heißt, sie spalten kein freies Aluminium ab, welches von der Haut aufgenommen werden könnte.“ Studien dazu liegen allerdings keine vor. Wenig riskant auf der Haut sind Verbindungen wie Aluminiumhydroxid oder Aluminiumstearat, die in manchen Produkten als Emulgatoren oder Gelbildner eingesetzt werden. Sie sind chemisch sehr stabil. Noch stabiler ist das Aluminium in Silikaten gebunden, die gelegentlich als Pigmente zum Einsatz kommen.

Unproblematisch sind auch Alutuben, die manche Kosmetikhersteller für Cremes verwenden. Da der Inhalt nicht sauer ist, löst er auch kein Aluminium.

Alu und Alzheimer

In den 70er- und 80er-Jahren galt Aluminium als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Alzheimer. Studien hatten gezeigt, dass in Regionen, in denen das Trinkwasser mit Aluminiumverbindungen gereinigt wurde, mehr Menschen an Alzheimer erkrankten. Auch fanden Forscher in den zerstörten Nervenzellen von Alzheimerpatienten Aluminium.

Weil weitere Studien auch gegenteilige Ergebnisse lieferten, wurde die These zur Jahrtausendwende beerdigt. „Ein Zusammenhang zwischen einer erhöhten Aluminium-Aufnahme und einer Alzheimer Erkrankung wurde bisher wissenschaftlich nicht belegt“, schrieb das Bundesinstitut für Risikobewertung noch 2008. Jetzt arbeitet die Behörde an einer neuen Stellungnahme. Ein Grund dafür sind die Ergebnisse italienischer Wissenschaftler. Die hatten sich das Ferritin vorgenommen, ein Speicher- und Transportmolekül aus Eiweißen, in dem Tausende Eisenatome Platz haben. Bei Alzheimer-Patienten jedoch enthält das Ferritin im Blut vor allem Aluminium. Dieses könnte mit Hilfe des Transporters auch ins Gehirn gelangen und dort Alzheimer auslösen, folgerten die Wissenschaftler. Die Diskussion hat wieder begonnen.