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Naturkosmetik-Wissen

Gut verpackt?

HIntergrund - Töpfe und Tiegel (© istockphoto / Uniyok)
(© istockphoto / Uniyok)

Verpackungen haben viele Aufgaben und sollen sie möglichst umweltverträglich erfüllen. Einfach ist das nicht. Naturkosmetik-Hersteller versuchen es trotzdem. // Leo Frühschütz

Verpackungen müssen wahre Multitasking-Meister sein: Sie sollen den Inhalt schützen, Kunden informieren, gut aussehen und dabei auch noch möglichst umweltfreundlich sein. Allerdings gibt es keine Verpackung, die jede Anforderung zu 100 Prozent erfüllt. Deshalb gehen die Hersteller von Naturkosmetik zwangsläufig Kompromisse ein, wenn sie ihre Produkte in Flaschen, Tuben oder Tiegel füllen.

Dabei gibt es einen Punkt, der nicht verhandelbar ist: „Unsere wichtigste Anforderung ist der Produktschutz“, heißt es im Nachhaltigkeitsbericht von Weleda. Naturkosmetika mit ihren natürlichen Inhaltsstoffen und Konservierungssystemen sind empfindlich und müssen deshalb besonders gut vor Licht, Luft und möglichen Schadstoffen und Keimen geschützt sein. Glas und Porzellan sind chemisch inert und geben dadurch keine Stoffe an das verpackte Produkt ab. Das ist besonders bei fetthaltigen Produkten wichtig, weil sie organische Schadstoffe leicht aufnehmen können. Doch beide Materialien sind energieaufwendig in der Herstellung und wiegen viel, was die Ökobilanz beim Transport belastet. Außerdem lässt durchsichtiges Glas Licht an die Creme. Manche Hersteller setzen deshalb grünes, braunes oder blaues Glas ein.

Flaschen und Tiegel aus Glas oder Porzellan sind teurer als solche aus Kunststoff, sehen aber auch edler aus.
Deshalb setzen eher Hersteller hochpreisigerer Produkte auf diese Materialien.

Tuben aus Aluminium verbrauchen bei der Herstellung viel Energie. Doch weil sie keine Luft ziehen, schützen Alutuben den Inhalt besser vor Verkeimung als Plastiktuben. Deshalb füllen einige Hersteller ihre Cremes in Alu ab.

Plastikverpackungen sind leicht, un­zerbrechlich und preiswert. Deshalb sind Polyethylen (PE) und Poly-ethylenterephtalat (PET) die wichtigsten Verpackungsmaterialien, nicht nur für Naturkosmetik. Plastikflaschen mit Pumpspender schützen eine Lotion wirkungsvoll vor Licht und Luft. Plastiktuben hingegen ziehen Luft und damit Keime an und eignen sich deshalb vor allem für Produkte, die rasch aufgebraucht werden wie Zahnpasta, Shampoo oder Duschgel.

Auch Kunststoffe lassen sich recyceln  (siehe Kasten) und ihre Ökobilanz ist wegen des niedrigen Gewichts nicht unbedingt schlechter als die von Einwegglas. Aber Plastik ist nun mal aus Erdöl, heizt deshalb das Klima stark an und passt als Hülle nicht so gut zur Naturkosmetik, die ja beim Inhalt bewusst auf jegliche Zutaten aus der Erdölchemie verzichtet.

Das Plastik ersetzen? 

Deshalb suchen die Hersteller nach Wegen, Plastik zu ersetzen oder zumindest umweltverträglicher zu machen. Dabei setzt Speick Naturkosmetik bei seiner neuen Serie Organic 3.0 auf „Green PE“. Es verhält sich ebenso wie Polyethylen aus Erdöl, wird aber in Brasilien aus Zuckerrohr hergestellt. „Die brasilianische Organisation ProForest stellt sicher, dass das Zuckerrohr nachhaltig und sozial verträglich angebaut und geerntet wird“, sagt Speicks PR-Managerin Anke Boy. „Nach Berechnungen des Herstellers erspart ein Kilogramm Green PE dem Klima 4,5 Kilogramm Kohlendioxid.“ Auch der Verschluss der Flaschen und das Etikett sind aus dem Zuckerrohr-Kunststoff, sodass Speick eine Verpackung aus 100 Prozent pflanzlichen Rohstoffen ausloben kann. Bestehende Serien auf die neue Verpackung umzustellen ist schwierig. Nicht nur, weil Green PE momentan noch deutlich teurer ist. Zudem müsste für jedes Produkt getes-tet werden, ob es auch in der neuen Verpackung so stabil bleibt wie in der alten. Die nächsten Speick Organic 3.0-Produkte jedoch sollen in Green PE auf den Markt kommen.

Der amerikanische Hersteller Dr. Bronner’s füllt seine Produkte in Flaschen ab, die zu 100 Prozent aus recyceltem PE bestehen. Auch das senkt den Ausstoß an Treibhausgas gegenüber neuwertigem PE. Auch die Allgäuer Naturkosmetik-Firma Primavera setzt bei den Tuben einen möglichst hohen Recycling-Anteil ein.

Das Berliner Unternehmen i+m Naturkosmetik verwendet grundsätzlich Polypropylen (PP) für alle Spenderflaschen – pur und ungefärbt. „Dadurch lassen sich die leeren Behälter am besten recyceln“, erklärt Marketing-Leiterin Sylke Rademacher. Das farbenfrohe Design gelangt erst mithilfe der Etiketten auf die Flaschen. „Dabei achten wir als veganes Unternehmen natürlich sehr darauf, dass auch unsere Etiketten ohne tierische Rohstoffe hergestellt werden. Die konventionellen Etiketten kleben meist auf Basis von Kasein, das kommt für uns nicht infrage.“

Bei den Naturkosmetik-Verpackungen   spielt aber auch eine Rolle, dass viele Produkte eine Mischung ätherischer Öle enthalten – die Verpackung muss dafür stabil genug sein und darf sich nicht verformen. Sylke Rademacher von i+m sagt dazu: „Da haben wir bisher bei all unseren Versuchen mit PP die besten Resultate erzielt. Aber unser langfristiges Ziel ist es, ganz auf erdölbasierte Verpackungsmaterialien zu verzichten.“

Ohne Drumherum

Umverpackungen aus Karton sind eigentlich überflüssig. Aber sie bieten Platz für Informationen und sorgen bei transparenten Glasflaschen für zusätzlichen Lichtschutz. Die meisten Naturkosmetik-Firmen verwenden Faltschachteln aus FSC-zertifiziertem Karton, von nachhaltig bewirtschafteten Wäldern.

Einige Hersteller verzichten aber auch komplett auf Umverpackungen, dazu gehören Martina Gebhardt, i+m, Benecos sowie zu einem großen Teil auch Primavera.

Eine der Herausforderungen dabei: Sämtliche vorgeschriebenen Informationen für die Verbraucher müssen auf dem Etikett untergebracht werden – was zum Beispiel bei einer kleinen Augencreme gar nicht so einfach ist. 

Info - Wohin mit der leeren Tube?

Alle Naturkosmetik-Verpackungen lassen sich recyceln. Tuben und Flaschen aus Plastik kommen in die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack. Sie werden zu Recyclingkunststoffen weiterverarbeitet oder zusammen mit anderen kleinen Plastikverpackungen zu Ballen gepresst und verbrannt. So wird wenigstens noch die Energie genutzt, die im Kunststoff steckt. Alutuben und Spraydosen können zu neuen Alu-Produkten eingeschmolzen werden, wenn sie in die Gelbe Tonne oder in Metallcontainer gegeben werden. Glasflaschen lassen sich ebenfalls recyceln, auch wenn noch kleine Restmengen drin sind. Blaue Glasflaschen werden in den Behälter für grüne Flaschen geworfen.