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Naturkosmetik-Wissen

Hält Werbung, was sie verspricht?

Hintergrund - Werbeversprechen

Viele Kosmetika werben mit starker Wirkung oder Natur pur. Dafür sollte es Belege geben, doch viel zu selten wird das kontrolliert. // Leo Frühschütz

Sicher haben Sie auch schon öfter auf einer Cremetube gelesen „reduziert nachweisbar die Faltentiefe“ oder „ohne Parabene“. Beauty-Claims heißen solche Werbeaussagen, mit denen Hersteller die Kunden von ihren Produkten überzeugen wollen. In einer EU-Verordnung von 2013 heißt es dazu: „Werbeaussagen über kosmetische Mittel müssen durch hinreichende und überprüfbare Nachweise belegt werden.“ Das gilt für konventionelle wie für Naturkosmetik.

Welche Anforderungen an solche Studien zu stellen sind, hat eine EU-Expertengruppe in einem Leitfaden zusammengestellt. So sollen die Tests auf geeigneten und wissenschaftlich fundierten Methoden basieren. Dazu gehören klar definierte Bewertungskriterien und standardisierte Bedingungen ebenso wie das Fachwissen der Studienleiter. Und wenn „dermatologisch getestet“ draufsteht, muss auch ein Dermatologe, also ein Hautarzt, dabei gewesen sein.

Wie elastisch die Haut ist, lässt sich messen

Für solche Studien greifen Kosmetikhersteller auf Dienstleister und deren Knowhow zurück. Diese können die Tiefe von Falten ebenso messen wie den Feuchtigkeitsgehalt der Haut und ihre Elastizität. Sie wählen auch die Probanden aus, die sich zwei oder vier Wochen lang täglich mit dem Testprodukt eincremen. Der Teufel steckt dabei im Detail. Verglichen mit Probanden, die sich gar nicht eingecremt haben, lässt sich für fast jede Creme feststellen, dass sie die Haut befeuchtet und glättet. Die Aussage „reduziert die Faltentiefe“ lässt sich also relativ leicht belegen. Schwieriger wird das, wenn eine Hälfte der Studienteilnehmer sich mit einer standardisierten Basispflege eincremt, die Fett und Feuchtigkeit liefert. Zeigt die Testcreme dann weitere Verbesserungen, gehen diese tatsächlich auf ihre speziellen Wirkstoffe zurück. Doch wie getestet wurde und ob die Reduktion 20 oder nur fünf Prozent beträgt, steht in der Regel nicht auf der Packung.

Viele Studien führen die Produzenten nicht mit den fertigen Produkten durch, sondern mit isolierten Zutaten oder Pflanzen. Im Reagenzglas lässt sich leicht nachweisen, ob ein Wirkstoff antioxidative Eigenschaften hat oder die Bildung von Kollagen anregt.

Auch die hautberuhigende oder antientzündliche Wirkung zahlreicher Heilpflanzen ist vielfach belegt. Unbekannt ist meist, welche Wirkstoffkonzentration im Produkt den erhofften Effekt hervorruft. Im EU-Leitfaden heißt es daher, dass eine Werbeaussage wie „enthält feuchtigkeitsspendende Aloe vera“ nur erlaubt ist, wenn auch das Gesamtprodukt Feuchtigkeit spendet. Ob das dann immer geprüft wurde, ist fraglich, denn dazu wäre wiederum eine Studie mit dem gesamten Produkt erforderlich.

Nicht nur Werbeaussagen müssen wahr, redlich und lauter sein, sondern auch bildliche Darstellungen. Ist beispielsweise Sanddorn auf der Packung zu sehen, muss er im Produkt „gezielt vorhanden sein“, schreibt der EU-Leitfaden vor. Konkrete Mindestmengen nennt er allerdings nicht.

Auch Bilder dürfen nichts Falsches versprechen

Der Begriff Lauterkeit meint, dass Werbeaussagen „weder Wettbewerber noch Bestandteile, die rechtmäßig in kosmetischen Mitteln verwendet werden, herabsetzen dürfen“. Juristen streiten noch, ob „ohne Parabene“ eine Herabsetzung ist. Zwar können einige Parabene im Körper hormonähnlich wirken, andere jedoch sind als Konservierungsmittel erlaubt. Naturkosmetik kommt übrigens ohne Parabene aus – das verspricht sie nicht nur, das garantieren die einschlägigen Siegel (siehe Kasten).

Ob ein Hersteller seine Werbeaussagen tatsächlich belegen kann, überprüfen die zuständigen Behörden der Bundesländer – allerdings eher sporadisch. Dabei versuchen viele konventionelle Kosmetikhersteller mit naturnaher Werbung und „ohne ...“-Claims von dem seit Jahren steigenden Interesse an Naturkosmetik zu profitieren. Nur selten bekommt einer dabei die Grenzen aufgezeigt wie im Fall des Landgerichts Hamburg, das einem Hersteller untersagte, seine Pflegeprodukte mit „pure & natural“ zu bewerben, da sie chemische Zusätze enthielten. Das würde die Verbraucher in die Irre führen, meinten die Richter.

Die EU-Vorgaben gelten übrigens für den „durchschnittlichen Endverbraucher eines kosmetischen Mittels, der angemessen gut unterrichtet, aufmerksam und kritisch ist“. Weil er klug genug ist, stark übertriebene Aussagen zu erkennen, sind diese weiterhin erlaubt, etwa „dieses Parfum verleiht Ihnen Flügel“.


Das garantiert Naturkosmetik

Zertifizierte Naturkosmetik verzichtet auf Zutaten, die auf Erdöl basieren – und damit auf etliche problematische Inhaltsstoffe. Ihre Siegel wie die von Natrue, BDIH, Cosmos, Ecocert und Icada signalisieren: ohne Parabene, Silikone und Mineralöle, ohne synthetische Farb- und Duftstoffe, ohne Form- aldehyd und chemische UV-Filter.

Diese Aussagen werden von externen Zertifizierern kontrolliert, darauf ist also Verlass! Dennoch werben einige Hersteller mit „ohne ...“-Claims, um auch jene anzusprechen, die sich nicht so gut mit Naturkosmetik-Siegeln auskennen.

Die Siegel stehen übrigens nicht nur für den Verzicht, sondern auch für die Verwendung bestimmter Stoffe: Heilpflanzen, meist aus Bio-Anbau, mineralische und pflanzliche Farben sowie duftende ätherische Öle. Verarbeitete Zutaten wie Tenside und Emulgatoren sind pflanzlicher Herkunft.