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Naturkosmetik-Wissen

Hautschutz gegen Umweltschmutz

Hautschutz gegen Umweltschutz - Auto mit Abgasen

Was Anti-Pollution-Pflege verspricht und was dahintersteckt. // Susanne Gschwind

Sie heißen „Anti Pollution Day Creme“, „Skin Booster Anti Pollution“ oder „Extra Comfort Anti-Pollution Cleansing“: In der konventionellen Kosmetik sind Pflegeprodukte, die die Haut vor schädlichen Umweltschadstoffen schützen sollen, längst ein Trend. Er kommt ursprünglich aus Asien, wo die Umweltbelastung in den Megacitys schon lange dramatische Ausmaße angenommen hat.

Auch Naturkosmetik-Hersteller greifen diesen Trend nun auf. Vorreiter war Lavera mit einem Serum, das einen Anti-Pollution-Komplex enthält.Das französische Unternehmen Laboratoires de Biarritz führt mit Meteo Logic gleich eine ganze Serie, die die Haut vor aggressiven Umwelteinflüssen schützen soll. Und Anfang des Jahres brachte Urtekram aus Dänemark eine Produktlinie heraus, die eben dies leisten soll.

„Vollständiger Schutz ist eine Illusion“

Denn Feinstaub & Co. können der Haut gleich mehrfach schaden: Sie verstopfen ihre Poren, rufen vermehrt Pigmentflecken hervor und führen zur Bildung freier Radikale im Körper, die die Haut schneller altern lassen (siehe Kasten). Anti-Pollution-Produkte versprechen hier Abhilfe. Ihr Ziel ist es, den schützenden Film aus Fett und Wasser, der die Haut umgibt, zu verbessern, damit die Schadstoffe nicht so leicht eindringen können. Neben dieser Barrierefunktion sollen Antioxidantien darin den freien Radikalen entgegenwirken.

Dr. Gerrit Schlippe ist da allerdings skeptisch: „Manche Produkte enthalten Antioxidantien und Wirkstoffe – häufig Pflanzenextrakte – die tatsächlich gegen einzelne Schadstoffe schützen. Aber nicht gegen alle“, so die Fachärztin für Dermatologie und Venerologie und Geschäftsführerin von Dermatest. Das Unternehmen erforscht und beurteilt kosmetische Produkte. „Der vollständige Schutz ist eine Illusion“, sagt Gerrit Schlippe. Zudem würden sich viele Präparate nicht grundlegend von herkömmlichen Kosmetika unterscheiden. Generell ist sie der Meinung, dass sich die Haut selbst „verteidigen“ kann. „Je intakter die Barrierefunktion, umso weniger Schadstoffe können eindringen“, so die Dermatologin. Auch Naturkosmetik-Expertin Elfriede Dambacher ist überzeugt: „Der beste Schutz vor Umweltschadstoffen ist es, die Haut natürlich zu schützen und regelmäßig zu pflegen.“

Die Eigenaktivität der Haut zu unterstützen, ist etwa Kern der Philosophie der Marke Dr. Hauschka. Man sehe schon, dass sich die Umwelt verändere und dass das Auswirkungen auf die Haut habe. „Durch einen guten Hautschutz und eine langfristige Stärkung und Unterstützung der Hautbarriere ist die Haut aber optimal für die Anforderungen des Alltags gerüstet“, ist Wala-Pressesprecherin Inka Bihler-Schwarz überzeugt. „So ist auch ein guter Schutz gegen Umwelteinflüsse gewährleistet.“

Bei Lavera sieht man das anders. „Unsere Haut steht in unmittelbarem Kontakt mit unserer Umgebung und hat somit auch am meisten Kontakt mit Schadstoffen, die sich beispielsweise in der Luft befinden“, so Dr. Henrike Neuhoff, die bei Laverana als Chief Scientific Officer den Bereich Wissenschaft leitet. Wissenschaftliche Studien belegten, dass Luftverschmutzung die Hautalterung um bis zu zehn Prozent beschleunige und auch zu Hautschäden, Austrocknung und Pigmentflecken beitragen könne. „Daher haben wir einen Anti-Pollution-Komplex entwickelt, eine Wirkstoffkomposition bestehend aus Bio-Alge, hochwirksamen Antioxidantien und einem Extrakt aus dem Weißem Andorn“, so die Wissenschaftlerin. Studien mit Hautmodellen belegten, dass Weißdorn-Extrakt die Aufnahme von Feinstaubpartikeln in den Hautzellen reduziere und somit Zellschäden vorbeuge.

Hautschutz mit Algen, Grüntee und Heilerde

Einen Algenextrakt verwendet auch Laboratoires de Biarritz bei seiner speziellen Feuchtigkeitspflege. Laut dem Unternehmen bietet sie dank patentiertem Rotalgenextrakt einen „aktiven Schutz vor vorzeitiger Hautalterung und Umwelteinflüssen“. Urtekram setzt auf eine Kombination aus Mikroalgen und grünem Matcha-Tee, der ebenfalls anti-oxidative Eigenschaften besitzt.

Auch Heilerde kann die Haut entlasten, denn sie bindet Feinstaub und Schadstoffpartikel. Heilerde-Spezialist Luvos kombiniert sie in seiner Anti-Pollution-Maske mit einem Wirkkomplex aus Seefenchel, grünem Tee und Vitamin E, der ebenfalls freie Radikale neutralisieren soll.

Was Schadstoffe der Haut antun

Dass Dieselruß und Feinstaub den Atem­wegen schaden, ist bekannt. Doch die Schadstoffe in der Luft können auf Dauer auch die Haut ziemlich alt aussehen lassen. Studien wie die von Professor Jean Krutmann vom Leibniz-Institut für umweltmedizini­sche Forschung zeigen, dass durch Feinstaub und Ruß mehr Pigmentflecken im Gesicht gebildet werden.

Zudem haften die Partikel nicht nur auf der Haut und verstopfen die Poren. Sie können auch in die Haut ein­dringen und sie in tieferen Regionen schädigen.

Und: Schadstoffe in der Luft wie auch UV-Strahlung und Ozon bewirken, dass sich im Körper vermehrt freie Radikale bilden. Zu viele von ihnen führen zu sogenanntem oxidativem Stress, der unter anderem die körper­eigenen Lipide, Proteine und Kollagenfasern schädigt: Die Haut wird schneller faltig.

Erschienen in Ausgabe 05/2019