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Naturkosmetik-Wissen

Mit gutem Gewissen

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© gettyimages, anneleven

Die Hersteller von Naturkosmetik fühlen sich mehr als nur unserer Schönheit verpflichtet. Sie kümmern sich auch darum, dass die Menschen, die für sie die Rohstoffe anbauen, eine bessere Lebensperspektive haben. Wir stellen 3 Anbauprojekte vor. // Astrid Wahrenberg

1. Ylang-Ylang aus Madagaskar

Projektpartnerschaft: Farfalla, Schweiz, mit der Ylang-Ylang-Plantage von Monsieur Bruno in Ambanja/Madagaskar

Ylang-Ylang aus Madagaskar

Pflückerin Justine bei der Arbeit auf der Bio-Plantage.

Zielstrebig läuft Justine durch die Baumreihen. Sie entdeckt mit routiniertem Blick schon von Weitem die sternförmigen gelben Ylang-Ylang-Blüten in den Bäumen. Ein schwerer, süßer Blütenduft liegt in der Luft. Justine ist das längst gewöhnt, sie mag diesen Geruch. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet die 59-Jährige auf Ylang-Ylang-Plantagen auf der Insel Madagaskar. Sie pflückt Blüte für Blüte und legt sie in den Weidenkorb.

Langfristiges Engagement

Der Ylang-Ylang-Baum mit seinen Duftblüten, die er rund ums Jahr trägt, gehört zu Madagaskars botanischen Schätzen. In der Küstenregion im Nordwesten liegt eines der Hauptanbaugebiete der Insel. Hier befindet sich auch die Ecocert-zertifizierte Bio-Plantage von Monsieur Bruno. Der gebürtige Franzose baut neben Ylang-Ylang weitere Duftpflanzen wie Citronella und auch Kakao an.

Die Naturkosmetikfirma Farfalla ist ein wichtiger Partner. „Es geht uns bei diesem Projekt nicht allein um ein hochwertiges Ylang-Ylang-Produkt. Wir engagieren und beteiligen uns langfristig finanziell an diesem Projekt, weil wir die Lebenssituation der Menschen vor Ort verbessern möchten“, sagt die Kommunikationsverantwortliche Julia Fiagbedzi. Der Arbeitstag beginnt für die Sammlerinnen um sechs Uhr in der Früh. Zu Tagesbeginn enthält die Blüte die meisten ätherischen Öle. Ein Traktor fährt die duftenden Blütenberge zur Destillerie. Dort werden sie sofort verarbeitet.

Justine gehört zu den schnellsten Pflückerinnen. Sie hat ihr Arbeitspensum, das neben dem Pflücken aus Unkrautjäten und Baumrückschnitt besteht, meist schon gegen 12 Uhr geschafft. Danach geht sie nach Hause. Bezahlt wird sie trotzdem für einen 8-Stunden-Tag. So bleibt der siebenfachen Mutter genug Zeit, in ihrem eigenen Garten Kakao und Reis anzubauen.

Eine Sechstage-Woche mit geregeltem Acht-Stunden-Tag ist nicht der einzige Vorteil, wenn man wie Justine auf der Bio-Plantage von Monsieur Bruno beschäftigt ist. Alle hier bekommen gemessen an den üblichen Einkommensverhältnissen einen überdurchschnittlichen Lohn, jeder Angestellte ist renten- und krankenversichert. Das ist keineswegs selbstverständlich. Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Bevölkerung leidet seit einigen Jahren zunehmend unter schwierigen politischen Bedingungen. Viele Madagassen können nicht lesen und schreiben. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang geht auch der ökologische einher. Brandrodung und die daraus folgende Bodenerosion bedrohen zunehmend die reiche Flora und Fauna der Insel.

Justine schätzt die Duschen

Umso wichtiger sind daher nachhaltige Bio-Anbauprojekte wie die von Monsieur Bruno. Justine, die die Arbeitsbedingungen auf anderen Plantagen gut kennt, schätzt die soziale Absicherung und besonders auch die sauberen Toiletten und Duschen. Sie ist froh, dass einige ihrer Kollegen in erster Hilfe ausgebildet sind. Das bedeutet Sicherheit am Arbeitsplatz. Auch das Dorf in der Nähe der Plantage, wo viele Arbeiterinnen und Arbeiter leben, profitiert von der Bio-Plantage. Monsieur Bruno zahlt ein Prozent des Ertrags in einen Fonds. Daraus wurde kürzlich Geld für die Renovierung der Dorfschule und weiterer Gebäude sowie sanitärer Anlagen bereitgestellt.

Außerdem ist eine Verkaufsstelle für Reis, Öl, Hülsenfrüchte und Seife geplant. Dort können die Dorfbewohner dann zu vergünstigten Preisen einkaufen. Mit Geld aus dem Fonds soll auch ein Anbauberater bezahlt werden, der die Dorfbewohner im Bio-Reisanbau schult. Damit sollen die Erträge aus den Hausgärten steigen. Justine könnte daher bald ihre Familie mit den wichtigsten Grundnahrungsmitteln der Insel selbst versorgen.

2. Karitébutter aus Mali

Projektpartnerschaft: Börlind, Calw, mit der Frauenkooperative Siokoro, Mali

Karitébutter aus Mali

Links: Kariténüsse. Oben: Guylaine Le Loarer, Leiterin Entwicklung und Forschung bei Börlind (Mitte), mit Nusssammlerinnen in Mali.

Für Nagnouma Traoré beginnt der Tag um vier Uhr. Sie kocht Tee und richtet das Frühstück für ihre drei Enkelkinder. Die Witwe kümmert sich um die beiden Jungen und das Mädchen im Teenageralter, weil die Eltern in der zwei Autostunden entfernten Hauptstadt Malis, in Bamako, arbeiten.

Wenn die 55-Jährige ihre Lehmhütte verlässt und im Dunkeln in den Busch läuft, schlafen ihre Enkel noch. Gebückt sucht sie im Schein einer Taschenlampe den Boden unter einem knorrigen Karitébaum nach heruntergefallenen Nüssen ab, immer auf der Hut vor Schlangen und Skorpionen.

Die Nüsse bringen Bildung

Das Sammeln der Nüsse und das Herstellen von Karitébutter ist in Mali wie in vielen afrikanischen Ländern traditionell Frauenarbeit. Die Bäume wachsen wild um das Dorf Siokoro. Etwa 170 kinderreiche Familien leben hier.

Die meisten Menschen sind arm, viele Frauen und Mädchen können weder lesen noch schreiben. Die Karitébäume sind aber ein Reichtum für das Dorf. Ihre Nüsse liefern Öl für Küche, Gesundheit und Körperpflege. Jetzt bringen sie den Menschen in Siokoro auch noch Bildung und den Frauen ein verlässliches Einkommen. Der Fortschritt kam mit der modernen Karitébutter-Fabrik und dem neuen Schulungs- und Bildungszentrum. Initiiert hat dieses Projekt der deutsche Verein Häuser der Hoffnung. Seine Spenden, Gelder der deutschen Entwicklungshilfe sowie die finanzielle und personelle Unterstützung des Naturkosmetikunternehmens Börlind sind in den Neubau und die Ausbildung der Menschen geflossen. Für Guylaine Le Loarer, Leiterin Entwicklung und Forschung bei Börlind, bedeutete dieses Engagement zwei Jahre lang fast tägliche Telefonate mit ihrer Kollegin Fatoumata Coulibaly in Siokoro. Zwei Mal war Le Loarer einige Wochen auch persönlich vor Ort.

Vor zwei Jahren baute die Naturkosmetik-Expertin in der entlegenen Region ein EU-Norm konformes Labor auf, analysierte die ersten Karitébutter-Proben und half der Frauenkooperative, Sicherheitsdatenblätter für den kosmetischen Rohstoff zu erstellen. „Wer auf dem Weltmarkt etwas verkaufen will, muss diese Informationen liefern“, sagt Le Loarer. Derzeit begleitet Börlind mit seinem Know-how die Bio-Zertifizierung der Karitébutter, die bald abgeschlossen sein soll. Im September 2011 war die Produktionsleiterin der Frauenkooperative, Fatoumata Coulibaly, eine Woche auf Gegenbesuch bei Börlind. Die 47-Jährige lernte, wie Lippenbalsame, Körperbutter und -öle mit Karitébutter entstehen und erfuhr, wie wichtig Hygiene in der Kosmetikproduktion ist. „Frau Coulibaly setzt ihr Wissen sehr gewissenhaft um, es ist jetzt im ganzen Dorf überall sehr, sehr sauber“, sagt Le Loarer.

Fit für den Weltmarkt

Börlind schulte in Mali auch die Labormitarbeiterinnen und die Nusssammlerinnen. Nagnouma Traoré weiß jetzt minderwertige von hochwertigen Kariténüssen zu unterscheiden.

Das Engagement geht weit über die reine Rohstofferzeugung hinaus. So bezahlt das Unternehmen auch Lehrer, die den Frauen und Mädchen lesen und schreiben beibringen.

Wenn alles gut läuft, soll dieses Jahr die erste Bio-Karitébutter aus Siokoro in einigen Kosmetikprodukten verarbeitet werden. Die Partnerschaft ist damit aber noch lange nicht am Ziel. Die Frauenkooperative soll fit für den Weltmarkt werden, damit sie ihre Karitébutter überall gewinnbringend verkaufen kann.

3. Kaktusfeigenkernöl aus Tunesien

Projektpartnerschaft Safeas, München, mit Kaktusfeigen- Kooperative Region Zelfan/Tunesien

Kaktusfeigenkernöl aus Tunesien

Aus den Kaktusfeigen wird ein wertvolles Samenöl gewonnen.

Der Feigenkaktus fühlt sich in der zentraltunesischen Steppenregion besonders wohl. Zu Hunderten wachsen die bis zu eineinhalb Meter hohen Gewächse in der trockenen Erde. Sie kommen zurecht mit den heißen Sommern, kühlen Wintern und dem wenigen Regen.

Ökologisch und ökonomisch sind die Pflanzen ein Glücksfall für Mensch und Natur. Wo die Kakteen wachsen, tragen Wind und Regen keine Erde fort. Das hält die fortschreitende Wüstenbildung auf. Dem Tunesier Lofti Bennani und vielen anderen Menschen, die hier leben, hat der Feigenkaktus zu einem besseren Leben verholfen. Lofti hielt sich und seine Familie jahrelang als Hilfsarbeiter mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Als er vor drei Jahren beschloss, künftig Kakteen anzubauen und Mitglied einer Bio-Kooperative mit rund 30 kleinen Familienbetrieben wurde, wendete sich das Blatt.

Gutes Geld für die Früchte

Lofti hatte gehört, dass die neue Bio-Fabrik in der nahegelegenen Kreisstadt gutes Geld für Kaktusprodukte zahlt. Fast alles an den Gewächsen ist nützlich: Alte Kakteen sind ein gutes Viehfutter und in Trockenzeiten für die Tiere ein lebenswichtiger Wasserspender. Die jungen frischen Blattsprossen schmecken gekocht, gebraten oder als Salat.

Heiß begehrt auf dem Markt sind die bunten Früchte, die reich sind an Vitaminen und Antioxidantien. Sie werden frisch gegessen oder zu Saft und Gelees verarbeitet. Der daraus gewonnene rote Farbstoff ist außerdem ein wichtiger Lebensmittelzusatzstoff. Die getrockneten Blüten und Früchte haben eine medizinische Wirkung. In Studien wurde beispielsweise durch den Verzehr der Früchte eine blutdrucksenkende Wirkung bei Diabetikern festgestellt.

Endlich ein festes Haus

Die Kaktusfeigen sichern auch Loftis Zukunft. Wie die anderen Kleinbauern der Kooperative liefert er seine Ernte in die nahegelegene Bio-Fabrik. Dort werden die winzigen Samenkerne in Handarbeit vom Fruchtfleisch getrennt, gewaschen, getrocknet und anschließend kalt gepresst. Eine Tonne Früchte sind nötig, um einen Liter Kaktusfeigenkernöl zu erhalten. Das auf diese Weise gewonnene native Samenöl ist reich an Antioxidantien und essentiellen Fettsäuren und gilt als effektiver Anti-Aging-Wirkstoff in der Kosmetik.

Abnehmer für das hochwertige Bio-Öl aus Tunesien ist die Münchner Naturkosmetikfirma Safeas. „Wir unterstützen dieses tunesische Bio-Projekt durch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit und faire Preise, sodass wir mithelfen, den Menschen vor Ort eine gute Zukunftsperspektive anzubieten“, sagt die Firmeninhaberin Daniela Kandrova. Inzwischen arbeitet auch Loftis Frau auf den Kaktusfeldern. Mit seinen Einkünften konnte der Familienvater ein festes Haus bauen. Außerdem konnte er sich eine kleine Schafherde leisten. Die Tiere tragen zur Eigenversorgung bei und bessern das Familieneinkommen weiter auf.