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Naturkosmetik-Wissen

Mit oder ohne Wasser?

Wasser (© iStockphoto)
(© iStockphoto)

Wasser ist eine der wichtigsten Kosmetikzutaten. Trotzdem geht es auch ohne. // Leo Frühschütz

Aqua, lateinisch für Wasser, steht bei vielen Kosmetika ganz oben in der Zutatenliste. Es macht Duschgel flüssig und befeuchtet in Cremes die Haut. Weil Wasser so wichtig ist, haben sich die Naturkosmetik-Hersteller intensiv mit diesem Rohstoff beschäftigt – und ganz unterschiedliche Philosophien entwickelt.

Viele Naturkosmetik-Unternehmen wie Weleda, Wala (Dr. Hauschka), Laverana oder Logocos stellen selbst wässrig-alkoholische Heilkräuterauszüge her und verwenden sie als Basis für ihre Produkte. Auch wenn es sich um Kosmetik handelt, richten sie sich dabei nach dem Deutschen Arzneibuch. Es schreibt für die Herstellung von Arzneimitteln gereinigtes Wasser vor. Dazu muss Trinkwasser durch Ionenaustauscher oder Umkehrosmose von Mineralsalzen und anderen unerwünschten Inhaltsstoffen gereinigt werden. Nichts soll die Wirkstoffe beeinträchtigen.

Wasser als Bestandteil der Rezeptur

Es gibt auch Hersteller, die Inhaltsstoffe im Wasser nicht als Störenfriede sehen, sondern sie gezielt in ihre Rezeptur einbauen. Speick Naturkosmetik verwendet für seine Thermal-Sensitiv-Serie Thermalwasser aus Schlangenbad im Taunus. Es enthält mit 40 Milligramm je Liter viel Kieselsäure. „Sie sorgt im Bindegewebe für jugendliche Festigkeit und Elastizität und ist für verschiedene Stoffwechselfunktionen unverzichtbar“, erklärt Produktmanagerin Anke Boy. In zwei Produkten der Organic-3.0-Serie von Speick ist energetisiertes Wasser enthalten. Es wird verwirbelt, bevor es verarbeitet wird. „Die biophysikalische Energie des verwirbelten Wassers ist dann messbar höher“, sagt Anke Boy.

Oceanwell setzt bei seinen Produkten auf gefiltertes Meerwasser aus der Ostsee. Dessen Mineralstoffzusammensetzung sei der in den menschlichen Zellen sehr ähnlich, erklärt Geschäftsführerin Inez Linke: „Zudem liegen diese Mineralien im Meerwasser in einer Form vor, die es ihnen erlaubt, durch die Oberhaut zu dringen und ihre wichtigen Funktionen in den Zellen voll zu entfalten.“ So verbesserten Natrium, Kalium und Chlorid die natürliche Hautbarriere, während Selen die Widerstandsfähigkeit gegen oxidativen Stress erhöhe und Strontium den Juckreiz bei Hautkrankheiten lindere.

Santaverde, Pharmos und die koreanische Marke Whamisa haben in ihren Produkten Wasser komplett ersetzt durch den Saft aus Aloe-vera-Blättern. „Mit über 200 wertvollen Inhaltsstoffen hat die Aloe vera ein beeindruckendes Wirkungsspektrum – und das wollen wir in unserer Kosmetik zur Entfaltung bringen“, sagt Santaverde-Geschäftsführerin Sabine Beer. Weniger Wasser bedeutet nicht nur mehr Wirkstoffe. Die Rezepturen brauchen auch weniger Konservierungsstoffe, weniger Emulgatoren und weniger Konsistenzgeber, um wässrige Produkte zu verdicken.

Weniger Wasser, mehr Wirkstoffe

Wird Wasser nicht ersetzt, sondern einfach weggelassen, ergibt das ein staubtrockenes Pulver, etwa beim Pulverwunder von Plaine. Das Seifenpulver in Papiertütchen kann als Shampoo, Duschgel und Rasierschaum verwendet werden. Einfach nassmachen und aufschäumen. Der Vorteil: Wasser muss nicht als Zutat transportiert werden, das spart Energie. Es spart bei Reisen Platz im Kulturbeutel – und einen Konservierer braucht das Pulver auch nicht. Zu den wasserfreien Produkten zählen auch Deocremes, Masken und Haarfarben zum Anrühren sowie Lavaerde als traditionelles Produkt zur Körperreinigung.

Bei Herstellern von Kosmetik kommt Wasser nicht nur ins Produkt. Viel mehr Wasser wird zum Reinigen der Anlagen gebraucht und gelangt ins Abwasser und von dort in den Kanal und die Kläranlage. Der Hersteller Logocos (Logona, Sante) hat errechnet, dass er pro Tonne hergestellter Kosmetik über acht Kubikmeter Trinkwasser verbrauchte. Das war 2015. Zwei Jahre später hatte er die Quote auf 6,3 Kubikmeter je Tonne Kosmetik gesenkt. Beim Hersteller Wala (Dr. Hauschka) summieren sich die Abwässer aus der Produktion übers Jahr auf 9.500 Kubikmeter. Um die kleine örtliche Kläranlage nicht zu sehr zu belasten, bringt Wala die Abwässer „zu einer großen Kläranlage in der Region, die sie biologisch reinigt“, heißt es im Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens. Dort steht auch, dass Wala jedes Jahr 16.000 Kubikmeter Regenwasser in Zisternen sammelt. Damit werden die Toiletten gespült, Gartenflächen bewässert, technische Anlagen gekühlt – und wertvolles Grundwasser gespart.


Rechentricks

Die Verbraucherzentrale Hamburg zeigt an einem Beispiel, wie Hersteller bei der Angabe natürlicher Inhaltsstoffe tricksen: Das Shampoo Hello Nature trägt den Hinweis „97,2% Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs“. Dabei enthält es Tenside mit Erdölbestandteilen und einen für Naturkosmetik nicht erlau­b­ten Konservierungsstoff. Wie das sein kann? Der Hersteller hat das Wasser mitgezählt, aus dem Shampoos vor allem bestehen. Nur auf die Wirkstoffe bezogen würde wahrscheinlich die Erdölchemie überwiegen.

Abgesegnet ist der Rechentrick durch die ISO-Norm 16128 über kosmetische Mittel. Auch der Naturkosmetik Standard Cosmos zählt Wasser zu den natürlichen Zutaten. Der Standard Natrue wertet Wasser nur dann als Natur­­stoff, wenn es als Saft aus Pflanzen gewonnen wurde. Ansonsten bleibt es bei allen Berechnungen außen vor.