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Naturkosmetik-Wissen

Natürlich mit Siegel?

© gettyimages- McMillan Digital Art

Immer mehr Bio-Läden führen nur noch zertifizierte Naturkosmetik. Sie lassen ihr Sortiment auch überprüfen. Damit die Kundinnen sicher wissen, was sie kaufen. // Leo Frühschütz

Überall Blüten, Blätter, Samen. Alles ist natürlich und organisch und stammt aus der Zusammenarbeit mit örtlichen Bauern. Zumindest auf der Internetseite des Unternehmens. Drogeriemärkte und Versandhändler verkaufen die Produkte der bekannten Marke ihren Kundinnen als Naturkosmetik – und vertrauen darauf, dass keine im Laden die Lesebrille zückt und das Kleingedruckte in der INCI-Zutatenliste liest.

Etwa bei der Extra Moisturising Cream mit Brunnenkresse als „Hauptinhaltsstoff“. Tatsächlich findet sich „Nasturtium Officinale Extract“, so die offizielle lateinische Bezeichnung, auf Platz 41 der ellenlangen Zutatenliste. Vorne bei den tatsächlichen Hauptinhaltsstoffen stehen dagegen Wasser, Glyzerin und gehärtetes Pflanzenöl unbekannter Herkunft. Einzige wertvollere Zutat in größerer Menge ist Bienenwachs. Macadamia- und Mandelöl folgen auf den Plätzen zehn und zwölf der Zutatenliste. Insgesamt finden sich in dieser Creme rund 20 Zutaten, die in zertifizierter Naturkosmetik nichts zu suchen hätten.

„Naturnaher“ Graubereich

Eigentlich normal, denn die Brunnenkressecreme ist nicht zertifiziert. Sie gehört in den großen Graubereich der „naturnahen Kosmetik“. So bezeichnen Fachleute Produkte, die pflanzliche Zutaten einsetzen und mit deren Wirkung werben, daneben aber auch Inhaltsstoffe aufweisen, die für echte Naturkosmetik nicht in Frage kommen.

Deutschlandweit ist der Marktanteil der naturnahen Kosmetik etwas größer als der der zertifizierten Naturkosmetik. In Drogeriemärkten stehen konventionelle, naturnahe und echte Naturkosmetik oft schlecht unterscheidbar nebeneinander. Anders in Bio-Läden und NaturkosmetikFachgeschäften. Sie haben von Anfang an auf Naturkosmetik gesetzt.

Doch auch hier finden sich gelegentlich Ausnahmen – mittlerweile aber nur noch sehr wenige. „Die Kunden kaufen im Naturkostfachhandel ein, weil sie sich sicher sind, dort nur Produkte zu bekommen, die ihren Ansprüchen genügen“, erklärt Daniela Wannemacher, die beim Bundesverband Naturkost und Naturwaren (BNN) für die Qualitätsarbeit zuständig ist.

Schon 1989 hatte deshalb der damalige Bundesverband Naturkost eine Sortimentsrichtlinie erlassen – für Lebensmittel. Zusammen mit anderen Verbänden des Naturkosteinzelhandels hat der BNN diese Richtlinie überarbeitet und auf Kosmetik ausgedehnt.

Sie schreibt vor, dass die Läden nur zertifizierte Naturkosmetik verkaufen dürfen. Externe Experten kontrollieren regelmäßig das Sortiment der Läden. „Denn zu den Ansprüchen der Kunden gehört es auch, dass sowohl die Produkte als auch die Geschäfte neutral und unabhängig überprüft werden“, ist Daniela Wannemacher überzeugt. 2010 trat diese überarbeitete Richtlinie in Kraft, versehen mit einer Übergangsfrist, um Herstellern Zeit zu geben, ihre Rezepturen zu ändern.

Neue Rezepturen

Betroffen davon waren vor allem Haarpflegeprodukte. Einige von ihnen enthielten Tenside und Zutaten für bessere Kämmbarkeit, die in Teilen aus der Erdölchemie stammten. Die Rezepturen zu ändern sei keine leichte Aufgabe gewesen, berichtet Lavera-Pressesprecherin Sabine Kästner. „Wir wollten keine Produkte in den Handel einführen, die unsere Kunden hinsichtlich der Reinigungs- und Pflegewirkung enttäuscht hätten.“ Die Lösung habe schließlich eine neu entwickelte Pflanzenmilch gebracht, die aus Pflanzenextrakten und einer Lecithinmischung hergestellt wird.

Für einige wenige Randsortimente sieht die Richtlinie noch Übergangsfristen vor. Badespaßprodukte für Kinder mussten bis Jahresmitte 2013 zertifiziert sein. Nagellack braucht ab Ende 2013 ein Logo. Bisher hat es allerdings noch kein Hersteller geschafft, bunte Lacke ohne chemische Filmbildner zu entwickeln, die von den Kundinnen auch gekauft werden.

Rund 400 der 2 500 Bio-Läden in Deutschland lassen ihr Sortiment nach den BNN-Richtlinien extern zertifizieren. Auch viele andere Bio-Läden und die Naturkosmetik-Fachgeschäfte nehmen die Richtlinie als Maßstab. Doch manche werden auch künftig einige nicht zertifizierte Produkte führen, um den Kundinnen ein breiteres Angebot zu bieten. Im Zweifelsfall hilft immer eins am besten: Nachfragen.

Unglaubliche Logo-Vielfalt

Es gibt in Deutschland und im Ausland zahlreiche Siegel, die für echte Naturkosmetik stehen. Die Sortiments-Richtlinie für den Naturkostfachhandel listet die Folgenden auf: BDIH, Bioforum, Cosmebio, Demeter, Ecocert, EcoGarantie, ICADA, ICEA, Natrue, Naturland, Österreichisches Lebensmittelbuch, Soil Association, USDA. Gemeinsam ist diesen Standards, dass unabhängige Zertifizierer ihre Einhaltung kontrollieren. In der Richtlinie heißt es auch: „Hauseigene Standards eines Herstellers gelten nicht als zertifizierte Naturkosmetik.“

Bekannte Naturkosmetik-Siegel: BDIH Natrue Ecocert

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