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Naturkosmetik-Wissen

Naturkosmetik – was ist drin?

Natur auf der Haut – das versprechen viele. Doch echte Naturkosmetik bietet mehr. // Leo Frühschütz

Wenige Dinge lassen wir so nah ran an uns wie Kosmetik: täglich, direkt auf und in die Haut. Klar also, dass Kosmetikzutaten nicht nur sauber und schön machen sollen, sondern auch sanft zur Haut sein müssen: gut verträglich, natürlich, am besten bio. Deshalb greifen immer mehr Menschen zu Naturkosmetik – oder zu Produkten, die sie dafür halten. Denn mit Natur werben viele Hersteller. Aber oft verspricht die Verpackung mehr Natur als tatsächlich in der Tube steckt.

Echte Naturkosmetik ist zu 100 Prozent natürlich. Die Zutaten werden aus Pflanzen und Mineralstoffen hergestellt, einige wenige auch aus tierischen Rohstoffen wie Honig oder Wollfett. Viele Produkte sind komplett vegan. Inhaltsstoffe, die aus der Erdölchemie stammen, kommen nicht in die Tube.

Das ist der große Unterschied zur sogenannten naturnahen Kosmetik. Deren Produkte setzen zwar auf natürliche Wirkstoffe wie Aloe vera oder Ringelblume, verwenden oft auch pflanzliche Öle und Fette. Doch in den Rezepturen finden sich auch synthetische Zutaten aus der Erdölchemie, etwa PEG-Tenside, Acrylate als Filmbildner oder problematische Konservierungsstoffe wie Parabene.

Inhaltsstoffe aus der Erdölchemie sind tabu

Es gibt auch Hersteller, die mischen lediglich ein wenig einer Bio-Zutat in eine ansonsten komplett konventionelle Rezeptur und werben dann groß mit dieser Bio-Zutat, etwa Olive oder Granatapfel. Erlaubt ist das, denn es gibt – anders als bei Lebensmitteln – keine gesetzlichen Vorgaben, die Begriffe wie Natur- oder Bio-Kosmetik definieren und schützen.

Deshalb haben sich die deutschen Pioniere der Naturkosmetik vor bald 20 Jahren zusammengesetzt und einen ersten Standard für kontrollierte Naturkosmetik entwickelt. Darin legten sie auch vieles fest, was ihnen über pflanzliche Rohstoffe hinaus am Herzen lag und immer noch liegt.

Sie beschlossen, dass für die Produkte und auch für neue Zutaten keine Tierversuche durchgeführt werden dürfen. Die radioaktive Bestrahlung von Rohstoffen wurde ebenso ausgeschlossen wie der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen. Wichtige Rohstoffe mussten in Bio-Qualität eingesetzt werden. Heute ist Bio bei pflanzlichen Rohstoffen für die meisten Hersteller selbstverständlich – wenn es verfügbar ist (siehe Kasten). Die Hersteller einigten sich auch auf schonende chemische Verfahren, die sie für die Verarbeitung pflanzlicher Rohstoffe erlaubten. Eine Positivliste legte fest, welche verarbeiteten Zutaten zulässig sind. Wie bei Bio-Lebensmitteln sollten externe Zertifizierer regelmäßig kontrollieren, ob die Hersteller alle Kriterien einhalten.

Leider blieb es nicht bei einem Siegel für alle. Andere Organisationen folgten, sodass es heute eine Handvoll Logos gibt. Sie unterscheiden sich in Details, aber alle garantieren den Verbrauchern, dass es sich um echte Naturkosmetik handelt. cosmia stellt diese Siegel in dieser und den nächsten Ausgaben kurz vor.

Kosmetik, die der Haut und der Umwelt guttut

Alle Standards listen auch auf, was auf keinen Fall in Naturkosmetik drin sein darf: synthetische Farb- und Duftstoffe, Silikone, problematische Konservierungsstoffe, chlorierte Chemikalien und vieles mehr. Denn Naturkosmetik entstand als bewusste Alternative zu einer immer stärker chemisierten Kosmetik, deren künstliche Zutaten sich immer wieder als schädlich entpuppten. Die Naturkosmetik-Pioniere waren eng mit der in den 70er-Jahren entstandenen Umwelt- und Bio-Bewegung verbunden und teilten deren Ideale.

Sie überzeugten Landwirte, Bio- Kräuter anzubauen und initiierten Projekte. Faire Preise und langfristige Partnerschaften bestimmen ihr Handeln bis heute. Bei der Herstellung spielen Umweltthemen eine wichtige Rolle: Öko-Strom, Abfallvermeidung, Energiesparen. Mehrere Unternehmen veröffentlichen Nachhaltigkeitsberichte, in denen sich die Zahlen nachlesen lassen. Dieses Engagement der Naturkosmetik- Hersteller wurde mit zahlreichen Nachhaltigkeitspreisen ausgezeichnet. Echte Naturkosmetik tut eben nicht nur der Haut gut, sondern auch der Umwelt und den Menschen, die sie herstellen.

Natur ist Pflicht, Bio die Kür

Naturkosmetik ist nicht automatisch Bio. Zwar setzen die meisten Hersteller Bio-Rohstoffe ein, besonders bei Heilpflanzen oder Ölen. Doch viele verarbeitete Zutaten wie Tenside oder Emulgatoren gibt es nicht in Bio-Qualität. Ihre Hersteller verarbeiten in großen Anlagen konventionelle Rohstoffe. Eine eigene Bio-Produktion nur für Naturkosmetikanbieter wäre zu aufwendig. Einige wenige verarbeitete Zutaten, etwa das Feuchthaltemittel Glycerin, gibt es dennoch in Bio-Qualität. Allerdings kostet es zehnmal mehr als konventionelles Glycerin. Damit Hersteller ihr Bio-Engagement sichtbar machen können, haben die meisten Standards Regeln für eine Auslobung als Bio-Kosmetik: 95 Prozent der pflanzlichen Zutaten müssen aus Bio-Anbau stammen. Ansonsten hilft ein Blick in die Deklaration: Bio-Zutaten tragen ein Sternchen*.

Inhaltsstoffe - Siegel