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Naturkosmetik-Wissen

Rein pflanzlich – tierisch gut

© istockphoto
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Wer sich vegan ernährt, will auch keine tierischen Produkte auf der Haut. Naturkosmetik hat viele Vegan-Produkte im Programm. Und für die wenigen erlaubten tierischen Zutaten gibt es gute Alternativen. // Astrid Wahrenberg

Wer schön sein will, muss leiden! Also stecken wir für den großen Auftritt unsere Füße auch mal in unbequeme, hohe Hacken. Was wir uns selbst zufügen ist eine Sache. Was Tieren im Namen der Schönheit angetan wird, eine andere. Deswegen lehnen die meisten Menschen Tierversuche ab. Veganer sind am konsequentesten. Sie essen und tragen absolut nichts, was von Tieren stammt. Dazu gehört auch Kosmetik mit tierischen Inhaltsstoffen.

Und das wollen immer mehr. „Die Nachfrage nach veganer Kosmetik steigt“, sagt Pressefrau Tanja Gusinde, deren Agentur die Marken Martina Gebhardt und Primavera Life betreut. Auch bei anderen Naturkosmetikfirmen reißt die Nachfrage nach Vegan-Kosmetik nicht ab. Verbraucher und Vegan-Blogger fordern Produktlisten an, haken bei einzelnen Inhaltsstoffen explizit nach und wollen ganz genau wissen, wie die Unternehmen zum Tierschutz stehen.

Nachfrage stark gestiegen

Wie sehr das Thema Vegan derzeit die Gesellschaft bewegt, zeigen auch die Zahlen der Vegan Society mit Hauptsitz in England. Sie vergibt das bekannte Gütesiegel mit der Veganblume. Allein im vergangenen Jahr haben 20 deutsche Kosmetikfirmen das Label für ihre Produkte beantragt. „Das ist in etwa eine 100prozentige Steigerung der Nachfrage verglichen mit früheren Jahren“, erklärt George Hill, der Leiter der Geschäftsentwicklung. Allerdings können oder wollen nicht alle Naturkosmetikhersteller die Lizenzkosten für dieses Zeichen bezahlen. Einige haben daher eigene Vegan-Logos entwickelt oder loben das Produkt mit dem Schriftzug Vegan aus. Einen gesetzlichen Standard oder ein staatliches Prüfsiegel gibt es nicht.

Reichlich Auswahl

Grundsätzlich liegen Verbraucher bei zertifizierter Naturkosmetik richtig. Die Hersteller verzichten schon immer auf Tierversuche und geben auch keine in Auftrag. In den Rezepturen stecken von vornherein hauptsächlich pflanzliche Roh- und Hilfsstoffe. Außerdem sind in den Richtlinien der verschiedenen Siegel wie etwa Natrue oder dem BDIH-Logo für kontrollierte Naturkosmetik Substanzen von toten Wirbeltieren grundsätzlich verboten. Zugelassen ist allerdings Karminrot (INCI-Kennzeichnung: CI 75470), ein Farbstoff, der aus Schildläusen gewonnen wird. Erlaubt sind außerdem ausgewählte Produkte von lebenden Tieren wie etwa Milch, Eier, Honig oder Wachs. Aber auch hierfür gibt es inzwischen Alternativen. „Die Auswahl der Rohstoffe auf pflanzlicher Basis ist sehr gut“, sagt Michaela Strunk von Alva.

Dafür werden die Naturkosmetikhersteller erfinderisch. Sie ersetzen zum Beispiel in der Rezeptur das hautpflegende Wollwachs (INCI-Kennzeichnung: Lanolin), das aus Schafswolle gewonnen wird, durch Pflanzenöle oder Sonnenblumenwachs. Lavera hat eine spezielle Ölmischung namens „Veganolin“ als Ersatz für das Wollwachs entwickelt.

Milchsäure (INCI: Lactit Acid) wirkt gegen Körpergeruch und dient unter anderem dazu, den ph-Wert von Deos oder Shampoos und Reinigungsprodukten einzustellen. Ein optimaler ph-Wert harmoniert gut mit dem Säureschutzmantel der Haut und stärkt ihn. Milchsäure kann aber prima auch aus Zucker fermentiert oder durch Zitronensäure ersetzt werden. Selbst auf schimmernden Nagellack und verführerischen Lippenstift brauchen Veganer nicht zu verzichten: Um einen Glanz-Effekt im Lack zu erreichen, verwendet das Unternehmen Benecos statt Guanine aus Fischschuppen den mineralischen Inhaltsstoff Mica. In der gesam-ten Lippenstiftlinie von Alva couleur färben Rote-Bete- und Sanddornextrakt oder rotes Eisenoxid statt tierisches Karmin. Sogar für hochwirksame Anti-Aging-Wirkstoffe gibt es aufpolsternden Ersatz aus der Pflanzenwelt. Feuchtigkeitsspendende Hyaluronsäure gewinnen Naturkosmetikhersteller durch Fermentation aus Hefen.

Bienenwachs (INCI: Cera Flava), das in reichhaltigen Gesichtspflegepräparaten, Lippenpflegestiften, Cremes und Salben für die Festigkeit und Hautschutz sorgt, ersetzt die Firma Alva durch Carnauba- oder Beerenwachs. „Das ist rein chemisch nicht 100 Prozent identisch, erfüllt aber die gleiche Funktion“, erklärt Michaela Strunk. Bei Dr.Hauschka hat man zu diesem Rohstoff eine andere Philosophie. Bienenwachs sei der Konsis­tenzgeber mit den besten Eigenschaften, weshalb man darauf nicht verzichten möchte, sagt Unternehmenssprecherin Inka Bihler-Schwarz. Zudem verwende die Firma nur Erzeugnisse in Bio-Qualität und unterstütze die artgerechte und wesensgemäße Bienenhaltung, denn diese Tiere sorgen für die Fruchtbarkeit von Obstbäumen und Pflanzen. „So dient die Verwendung von Bienenwachs indirekt auch Teilen der veganen Ernährung.“

Wer genau wissen will, was Tierisches in Naturkosmetik steckt, kann bei den meis­ten Herstellern die (langen) Listen mit veganen Produkten anfordern. I&M produziert von Beginn an alle Produkte zu 100 Prozent vegan. „Das ist unsere Firmenphilosophie seit 35 Jahren“, sagt Pressesprecherin Julia Thöns.

Logo Die Veganblume der Vegan Society steht für Produkte, die auf tierische Bestandteile und Tierversuche verzichten.

Tierfreundliches im Netz

Der nach eigenen Angaben größte vegane Beauty-Blog im deutsch­sprachigen Raum heißt www.kosmetik-vegan.de. Die Inhaberin aus Kassel, die sich flapsig nur einfach Erbse nennt, bloggt mit drei Mitstreitern über Alternativen zu konventioneller Kosmetik, Nachhaltigkeit und Inhaltsstoffe sowie Neuigkeiten aus der Kosmetikbranche.

Auf den Seiten der Tierschutzorganisation www.peta.de findet sich unter anderem eine Liste mit tierischen Inhaltsstoffen und ihren pflanzlichen bzw. mineralischen Alternativen.

Die Seite www.kosmetik-ohne-tierversuche.de informiert über tierfreundliche Kosmetik. Hersteller, die aufgeführt sind, haben Peta schriftlich versichert, dass sie keine Tierversuche durchführen oder in Auftrag geben. Mit der kostenlosen App zum Herunterladen von www.barcoo.com kann jeder sein Handy als Barcode-Scanner nutzen und zu Hause, unterwegs oder im Laden an den Strichcodes der Produkte erfahren, was in ihnen steckt. Die App zeigt etwa Inhaltsstoffe sowie mögliche Allergene an und welche Kosmetikhersteller auf Tierversuche verzichten.