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Naturkosmetik-Wissen

Risiko: Mineralöl in Kosmetik

© istockphoto
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Vorsicht vor Kosmetikprodukten, die auf Mineralöl basieren! Sie sind oft mit krebsverdächtigen Stoffen belastet. Für welche Produkte das besonders gilt,
erfahren Sie hier. // Astrid Wahrenberg

Öl, Vaseline und Wachs aus Mineralöl sind beliebte Zutaten in der konventionellen Kosmetik. Sie sind günstig, halten lange und rufen keine Allergien hervor. Doch können sie eine riskante Fracht bergen, wie Stiftung Warentest jüngst feststellte. Die Warentester ließen 25 Kosmetika untersuchen, die als wichtigste Zutat Mineralöl enthalten, von Handcreme über Bodylotion bis hin zur Lippenpflege. Das erschreckende Ergebnis: Alle geprüften Produkte waren mit aromatischen Kohlenwasserstoffen belastet, kurz MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons) genannt. Ein Teil dieser Stoffe steht im Verdacht, das Erbgut zu verändern und Krebs hervorzurufen.

Belastete Lippenpflege

Die Tester fanden bis zu 15 000-mal so viel MOAH wie jemals in Lebensmittel-Tests der Stiftung gemessen wurden. Am stärksten belastet waren Vaselinen mit bis zu 9 Prozent, was nicht verwundert, da Vaseline rein aus Mineralöl besteht. Auch etliche Spezialcremes für spröde und rissige Haut wie Melkfette wiesen hohe MOAH-Gehalte auf. Das gilt auch für Hairstylingprodukte – und für mineralölbasierte Lippenpflege. Von deren Gebrauch rät die Stiftung Warentest nun ausdrücklich ab. Der Grund: Die fetthaltige Pflege wird abgeschleckt und gelangt so auf direktem Weg in den Körper. Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission schätzt, dass man im Schnitt sechs Mal täglich Lippenprodukte aufträgt und diese nahezu vollständig herunterschluckt. Das entspricht immerhin 57 Milligramm Produkt, die man so am Tag „verspeist“ – fast wie ein Lebensmittel. Und die sollten frei von MOAH sein, fordern die Europäische Organisation für Lebensmittelsicherheit EFSA und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Was dringt durch die Haut?

Bei anderen Kosmetikprodukten wie Cremes oder Babypflege stellt sich die Frage, ob sie durch die Haut dringen oder nicht. Das ist bislang umstritten. Das BfR geht davon aus, dass dies nicht oder nur in sehr geringem Umfang passiert. Die Behörde kommt daher zu dem Schluss, dass „nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand gesundheitliche Risiken für Verbraucher durch die Aufnahme von Mineralölen in Kosmetika über die Haut unwahrscheinlich seien.“ Von Auswirkungen auf die Gesundheit durch Mineralölkomponenten in kosmetischen Produkten sei bisher nicht berichtet worden – trotz ihres langjährigen und weitverbreiteten Gebrauchs. Allerdings bestünden derzeit noch umfangreiche Datenlücken, die eine gesundheitliche Bewertung erschweren. Es fehlen Daten zur Aufnahme über die Haut nach lang andauerndem Kontakt sowie zur Aufnahme über den Mund aus Lippen(pflege)stiften oder Handcremes, die Mineralöle enthalten. Deshalb rät das BfR, die MOAH-Gehalte in kosmetischen Mitteln auf technisch unvermeidbare Spuren zu reduzieren.

Mineralöl in Muttermilch

Einzelne Untersuchungen zeigen indes, dass Mineralöl aus Kosmetika durchaus in den Körper gelangen kann. So wies die Schweizerin Barbara Plattner bereits 2007 Mineralöl in der Muttermilch stillender Frauen nach, die ihre Brust mit Salben oder Vaseline vor dem Wundsein schützten.

Überhaupt stellte sie in ihrer Doktorarbeit an der Medizinischen Universität Innsbruck fest, dass mineralische Paraffine mengenmäßig eine der bedeutendsten Verunreinigungen im menschlichen Körper sind – und vermutete schon damals, dass Lippenpflege und auch Handcreme, die über die Hände in den Mund gelangt, als Quellen in Frage kommen. Das lässt befürchten, dass Mineralöle erst recht geschädigte Haut passieren können. Und das, wo manch konventioneller Hersteller Vaseline oder Melkfett besonders für raue, rissige Haut und sogar bei Abschürfungen empfiehlt.

Dass Warentest die krebsverdächtigen Stoffe in Kosmetik entdeckt hat, war übrigens eher ein Zufall: Bei einem Körperöl-Test fiel der hohe MOAH-Gehalt eines Produktes auf. Daraufhin nahm das Labor auch andere mineralölhaltige Kosmetikprodukte unter die Lupe – mit einer speziellen Analytik, die sich so ähnlich bereits bei Lebensmitteln bewährt hat.

Die Hersteller konventioneller Kosmetik versichern indes, dass sie nur Rohstoffe aus Mineralöl verwenden, die dem Europäischen Arzneibuch entsprechen. Laut Warentest sind die dort eingesetzten Prüfmethoden jedoch nicht dafür geeignet, MOAH nachzuweisen. Auch einige der gesättigten Kohlenwasserstoffe, kurz MOSH, aus denen Mineralöl hauptsächlich besteht, sind nicht unbedenklich. Ein Teil davon reichert sich in Leber, Milz und Lymphknoten an und kann dort im Tierversuch chronische Entzündungen hervorrufen. Die gesundheitlichen Folgen für den Menschen sind noch nicht geklärt.

Info: Naturkosmetik kommt ohne aus

In der Inhaltsstoffliste INCI tragen Mineralöle Namen wie Mineral Oil, Paraffinum liquidum, Paraffin, Cera Microcristallina, Ozokerit oder Petrolatum, auch bekannt als Vaseline. Diese Zutaten sucht man bei Naturkosmetik vergebens: Rohstoffe, die aus Mineralöl gewonnen werden, sind darin grundsätzlich verboten. Ihre Herstellung verbraucht wertvolle Energie und belastet die Umwelt. Mit der Natur haben die hochverarbeiteten Produkte im Grunde nichts mehr zu tun.

Auch kann die Haut mit der Molekülstruktur der künstlichen Öle und Fette nichts anfangen: Sie bleiben wie Fremdstoffe als Schicht obenauf liegen. Pflegende Eigenschaften, wie sie Pflanzenöle aufweisen, besitzen die künstlichen Fette nicht. Pflanzenöle sind reich an essenziellen ungesättigten Fettsäuren. Diese ähneln unserem Hautfett und können daher in den schützenden Lipidmantel integriert und verstoffwechselt werden. Sie unterstützen die Feuchtigkeitsbindung in der Haut, wirken hautglättend und machen sie geschmeidig. Pflanzenöle gehören zu den wichtigsten Inhaltsstoffen einer naturkosmetischen Creme.