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Naturkosmetik-Wissen

Schön bunt, auch gesund?

© Jonathas-Fotolia.com
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Synthetische Farbstoffe in Lidschatten und Lippenstift können Allergien auslösen – und mehr. Naturkosmetik färbt deshalb mit anderen Mitteln. // Leo Frühschütz

Das grenzt schon an Körperverletzung: Die schwarz-rot-goldenen Streifen, die einem in diesem Sommer ständig auf die Wangen gemalt wurden. Nichts gegen die Farbkombination. Doch neun von 14 Fanschminken, die die Untersuchungsämter in Baden-Württemberg vor der Weltmeisterschaft untersuchten, ent­hiel­ten einen roten Farbstoff, der im Verdacht steht, Krebs zu erregen. Deshalb ist er seit 1993 bei uns verboten.

Auch in Kinderschminke finden amtliche Labore immer wieder diesen und weitere verbotene Farbstoffe, vor allem in Kosmetikpröbchen, die Kinderzeitschriften beigelegt sind. Häufig stammen solche Produkte aus China, denn sie sollen nicht viel kosten, und wurden von den Importeuren nicht richtig kontrolliert.

Der rote Farbstoff aus der Fan- und Kinderschminke – CI (Colour-Index) 15585 – gehört zu den sogenannten Azo-Farbstoffen. Diese synthetischen Substanzen können sich unter bestimmten Bedingungen in ihre Bestandteile zersetzen, die aromatischen Amine. Die können Allergien und im schlimmsten Fall sogar Krebs erzeugen.

Achtung Azo-Farben

In Lebensmitteln sind zehn Azo-Farben als Zusatzstoffe zugelassen. Sechs davon erfordern den Warnhinweis auf Produkten: „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen.“ Viele Azo-Farbstoffe finden sich in herkömmlichen Haarfarben (siehe Kasten). Auch für Kosmetika sind diese bedenklichen Farbstoffe nicht generell verboten. Für dekorative Produkte wie Lippenstift, Lidschatten und Mascara lässt die europäische Kosmetikverordnung 153 Farbstoffe zu, ein Drittel davon sind Azo-Pigmente, zum Beispiel CI 18050. Der rote Farbstoff, bekannt als Red2G, wurde 2007 für Lebensmittel verboten, weil er sich im Körper in krebserregendes Anilin umwandeln kann. Gleiches gilt für den roten Ton Acid Red 33 (CI 17200).

Bedenklich ist auch das gelbe Tartrazin (CI 19140), es kann Ausschläge und Juckreiz auslösen, wenn es versehentlich in den Körper gelangt. Das passiert vor allem dann leicht, wenn diese Farbstoffe im Lippenstift stecken. Selbst wenn man beim Abschlecken der Lippen nur winzige Mengen davon aufnimmt, summiert sich das über die Jahre.

Nano-Ruß in Mascara

Auch beim Schminken der Augen heißt es aufpassen, dass nichts ins Auge geht. Das gilt besonders für Carbon Black. So heißt der industriell hergestellte Kohlenstoff, der konventionelle Wimperntusche und Eyeliner tiefschwarz färbt. Mitunter sind die Rußpartikel nano-klein, was die Deklaration CI 77266 NANO verrät. Zwar können sie gesunde Haut nicht durchdringen, schreibt der zuständige EU-Expertenausschuss. Aber „ein das Auge irritierende Potential kann nicht ausgeschlossen werden“.

Azo- und andere synthetische Farbstoffe sind in der Naturkosmetik nicht erlaubt. Dort färbt das, was die Welt von Natur aus bunt macht: Pflanzen, Mineralien und Erde. Erdfarben bestehen aus vermahlener farbiger Erde. Für die gelben, braunen und roten Farbtöne wie Ocker und Umbra sind verschiedene Eisenoxide verantwortlich.

Mineralische Pigmente sind chemische Verbindungen von Zink, Mangan oder Kupfer, die in Erzgesteinen vorkommen und als essenzielle Spurenelemente in geringen Mengen unbedenklich sind. Von Natur aus enthalten frisch abgebautes Gestein und Erden allerdings häufig auch unerwünschte Schwermetalle. Deshalb werden die mineralischen Pigmente für Naturkosmetik heute meist chemisch aufbereitet und gereinigt. Diese naturidentischen Pigmente sind besonders rein, besser verträglich und färben zudem noch stärker.

Auch alle natürlichen Farbpigmente sind durch die Kosmetikverordnung zugelassen und tragen CI-Nummern. Eisenoxide und einige andere dieser Farbstoffe sind dabei auch für Lebensmittel erlaubt. In Kosmetika müssen sie dieselben Reinheitskriterien erfüllen wie für diese.

Bei Lidschatten und Lippenstiften sind auf jedem Produkt der Einfachheit halber meist sämtliche Pigmente aufgelistet, die innerhalb einer Serie zum Einsatz kommen. Die Nummer CI 77491 etwa steht für rotbraunes, CI 7449 für schwarzes Eisenoxid.

CI 75470 bezeichnet Karminrot. Veganerinnen stellen Lippenstifte mit diesem Farbstoff ins Regal zurück. Denn Karmin wird aus getrockneten Cochenille-Läusen hergestellt, ist also eine tierische Zutat. In veganen Lippenstiften findet sich Rote Bete-Extrakt als Ersatz, der allerdings nicht gar so kräftig leuchtet. Wer wissen möchte, was sich hinter anderen CI-Nummern verbirgt, dem hilft die INCI-Suche auf www.kosmetik-check.de weiter.

Für einen leichten Schimmer der Farben sorgt meist ein fein zerriebenes, glitzerndes Gestein, der Glimmer oder englisch Mica. Silberoxid im Lidschatten reflektiert das Licht und lässt so die Augen stärker strahlen.

Kunterbunte Naturfarben

Wie breit die natürliche bunte Palette ist, zeigen die Sortimente der Naturkosmetik-Firmen, die dekorative Kosmetik anbieten. „Was die Farben in zertifizierten Produkten betrifft, kann man eigentlich kaum noch von Grenzen sprechen. Außer Wasserfestigkeit, etwa bei Wimperntusche, und Neoneffekten ist eigentlich jeder Farbton mit pflanzlichen und mineralischen Farbstoffen machbar“, sagt Simone Heesch, Qualitätsmanagerin der Naturkosmetik-Marke Benecos.

Und für kleine Tiger und Indianer gibt es spezielle Kinderschminke mit Naturkosmetik-Siegel.

Info : Schädliche Haarfarben

Ein gängiger synthetischer Farbstoff in konventionellen Haarfarben ist Toluene-2,5-Diamine. Der Kosmetikausschuss der EU hat den Stoff als „extrem potentes“ Kontaktallergen bewertet.

Dennoch ist es erlaubt, diesen und etliche andere allergene Farbstoffe in Haarfarben einzusetzen. Es reicht der Warnhinweis: „Erzeugnis kann eine allergische Reaktion hervorrufen“.

Die zeigt sich ein bis drei Tage nach dem Färben an Stellen, an denen die Kopfhaut mit der Farbe in Kontakt kam. Eine natürliche Alternative dazu sind Pflanzenhaarfarben. Deren wichtigster Bestandteil ist ein Pulver aus den Blättern des Henna-Strauches, das die Haare rot-orange färbt.

Um möglichst viele Farbtöne zu erzielen, mischen die Hersteller Henna mit anderen fein pulverisierten färbenden Pflanzen: Rote Bete sorgt für weitere Rot-Nuancen, Walnussschalen und Kaffee färben braun, Kurkuma gelb. Der blau-schwarze Indigo wird für dunkle bis schwarze Farbtöne benötigt.