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Naturkosmetik-Wissen

Schönheit vom Teller

Schönheit vom Teller - Karotte

Eine vollwertige Ernährung tut nicht nur unserem Körper gut, sondern auch der Haut. Das lässt sich sogar wissenschaftlich belegen. // Leo Frühschütz

Beauty Food gibt es wirklich. Damit sind nicht Gurkenscheiben im Gesicht gemeint, sondern Lebensmittel, die wir essen und die uns schön machen – oder genauer gesagt, die unserer Haut guttun und sie schützen. Knackige Karotten zum Beispiel sind reich an Betacarotin. Dieser natürliche orange Farbstoff ist ein ausgewiesener Radikalfänger. Er kann in der Zelle schädliche Moleküle neutralisieren.

Dass das Betacarotin aus der geraspelten Karotte auch tatsächlich dorthin gelangt, lässt sich sogar messen (siehe Interview unten). Es sind natürlich nicht nur Karotten, die unsere Haut mit wichtigen Nährstoffen versorgen. „Eine vollwertige Ernährung mit möglichst wenig verarbeiteten Lebensmitteln hat die Qualität, uns und unsere Haut gesund zu erhalten“, sagt Astrid Luger, Geschäftsführerin des österreichischen Naturkosmetik-Herstellers CulumNatura. Ausschlaggebend dafür sei die Versorgung mit Vitalstoffen, also mit Vitaminen, Mineralstoffen, ungesättigten Fettsäuren, Spurenelementen, Enzymen und Faserstoffen. In der Akademie, in der das Unternehmen Naturkosmetikerinnen und Naturfriseure weiterbildet, spiele das Thema Ernährung deshalb eine wichtige Rolle, sagt Astrid Luger, die selbst ärztlich geprüfte Gesundheitsberaterin ist. Kaltgepresste Öle, frisch vermahlenes Getreide statt Auszugsmehl und Honig, Agavendicksaft oder eingeweichte Trockenfrüchte statt Industriezucker lautet ihre Empfehlung. Dazu jede Menge Obst, Gemüse und Wildkräuter. „Wenn man die Ernährung umstellt, sich vollwertig ernährt, dann bleibt die Haut schön bis ins hohe Alter, das ist Happy Aging!“

Steht uns auch eine ungesunde Ernährung buchstäblich ins Gesicht geschrieben? Ja, sagt Luger: „Die Bratwurst von heute ist der Pickel von morgen.“ Auf Dauer kann eine fettige, fleischlastige Ernährung Hautprobleme verursachen – ebenso ein Übermaß an Milchprodukten. Gleiches gilt für Lebensmittel, die größere Mengen Zucker enthalten. Dieser geht schnell ins Blut über und lässt den Insulinspiegel ansteigen, was wiederum die Aktivität der Talgdrüsen in der Haut steigert und entzündliche Prozesse beschleunigt.

Schädlich für die Haut sind auch Alkohol und Nikotin: Alkohol schwächt das Bindegewebe, die Haut verliert an Elastizität und sieht schwammig aus. Das Gesicht rötet sich und langfristig können sich kleine Äderchen in der Haut bilden. Das Nikotin in Zigaretten behindert die Versorgung der Haut mit Sauerstoff und Feuchtigkeit sowie die Neubildung von Kollagen. Raucherhaut altert deshalb deutlich schneller.

Das genaue Gegenteil bewirkt eine Reihe von Vitalstoffen, die der Haut nachweislich guttun. Vitamin C etwa ist unentbehrlich für die Synthese von Kollagen, das sind die Eiweißfasern, die die Haut straff und elastisch machen. Vitamin A fördert die Erneuerung der Oberhautzellen, regt die Zellteilung an und verlangsamt so den Alterungsprozess.

Beide Vitamine gehören wie Vitamin E, Betacarotin sowie zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe zu den wirksamsten Radikalfängern. Diese Antioxidantien sind für die Haut besonders wichtig. Denn sie ist ständig Belastungen ausgesetzt, bei denen freie Radikale entstehen, die die Zellen schädigen, zum Beispiel beim Sonnenbaden (ohne Schutz). Die Haut braucht außerdem viele B-Vitamine: Biotin hilft beim Aufbau von Keratin, aus dem Haut, Haare und Nägel bestehen. Niacin kurbelt die Produktion von Hautfetten und Bindegewebsfasern an und Panthoten bindet Wasser in den tieferen Hautschichten.

Bei den Mineralstoffen sind vor allem Zink, Selen, Schwefel und Kieselsäure wichtig. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie die Gamma-Linolensäure stärken die Barriereeigenschaften der Haut. Einige dieser Wirkungen sind so gut belegt, dass sie behördlich genehmigt als „Health Claims“, also als erlaubte Werbeaussagen für Vitamine und Mineralstoffe verwendet werden dürfen. „Biotin kann einen Beitrag zum Erhalt normaler Haut und Haare leisten“ lautet einer dieser Claims. Darüber hinaus gibt es nur wenige seriöse Studien, die sich mit Beauty Food beschäftigen. Bei den meisten von ihnen wurden außerdem nur isolierte Wirkstoffe untersucht, nicht aber die Umstellung auf eine vollwertige Ernährung. Dabei ist unbestritten, dass ein Lebensmittel als Ganzes mehr Wirkung zeigt als ein einzelner, extrahierter Stoff. Das belegen Erfahrungsberichte von Ernährungsumstellungen: Brüchige Nägel werden hart, Pickel verschwinden und die teigige Haut im Gesicht strafft sich.

Sich bei der Ernährung auf einzelne Nahrungsmittel zu beschränken, davon rät Luger ab. „Wenn ich vollwertige Lebensmittel regelmäßig esse, nehme ich alles zu mir, was ich brauche.“

 

Gute Mahlzeit für die Haut

Ein Gut-für-die-Haut-Frühstück stellt die Gesundheitsberaterin Astrid Luger aus folgenden Bestandteilen zusammen:

frisch geflockte Haferflocken (mit Biotin und Pantothen)

gemischt mit Mandeln (beinhalten Riboflavin)

und Aprikosen (Vitamin A)

dazu ein Glas Orangensaft (Vitamin C)

kombiniert mit einem Vollwertkornbrot (Niacin)

mit Sesamaufstrich (Selen)

Mittags gibt es dann:

Hirse (Kieselsäure)

Karottencurry

einen Salat mit einem Schuss Borretschöl (wegen der Gamma-Linolensäure)

Obst und Gemüse schützen die Haut

Wer Gutes isst, sieht auch so aus. Hautforscherin Martina Meinke erklärt, warum Karotten und Grüner Tee das Altern verzögern. // Leo Frühschütz

Frau Meinke, wenn ich tagelang Karotten futtere, nimmt dann der Gehalt an Antioxidantien in der Haut zu?

Ja. Eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse erhöht den Gehalt an Carotinoiden in der Haut. Wenn Sie Ihre Ernährung umstellen und die sonstigen Lebensgewohnheiten gleich bleiben, dann lässt sich der erhöhte Gehalt innerhalb von zwei bis drei Tagen nachweisen. Wir setzen unsere Studien meistens auf zwei Monate an, weil sich je nach Menge der aufgenommenen Carotinoide innerhalb von ein bis drei Monaten ein Sättigungspegel einstellt. Mehr geht dann nicht mehr.

Warum sind die Lebensgewohnheiten wichtig für unsere Haut?

Stress führt zu freien Radikalen, also zu Substanzen, die im Körper und in der Haut Antioxidantien abbauen. Wenn einer unserer Probanden plötzlich Stress bekommt, können wir das an sinkenden Werten feststellen. Das kann ganz unterschiedlicher Stress sein: Arbeitsstress, Stress durch Sonnenbaden, durch eine Krankheit oder auch Entzündungen. Um die Folgen auszugleichen, müssen Sie deutlich mehr Antioxidantien zu sich nehmen.

Wie gelangen diese Nährstoffe denn in die Haut?

Grundsätzlich gilt, wenn ein Stoff in die Zellen des Körpers gelangt, dann sollte er auch in die Zellen der Haut gelangen. Die Frage ist, ob er sich dort anreichert und in welcher Form er dort ankommt. Für Vitamin C gibt es im Blut aktive Transporter. Fettlösliche Substanzen wie Betacarotin und Vitamin E gelangen über Schweiß und Talg auf die Haut und ziehen von dort nach innen.

Können Sie denn auch Vitamine und Mineralstoffe in der Haut messen?

Mit der sogenannten Raman-Spektroskopie können wir nur Carotinoide bestimmen, die uns als Marker für die Versorgung der Haut mit Antioxidantien dienen. Mineralstoffe oder Vitamine lassen sich damit nicht messen. Es gibt noch ein anderes Verfahren, bei dem freie Radikale auf die Haut aufgetragen werden und ein Sensor misst, wie schnell diese abgebaut werden. Daraus lässt sich schließen, wie gut die Haut insgesamt mit Antioxidantien versorgt ist. Mit dieser Methode konnten wir zeigen, dass täglich drei Tassen grüner Tee die Fähigkeit der Haut, freie Radikale zu neutralisieren, um knapp 30 Prozent erhöhen. Mit weiteren Verfahren ließ sich nachweisen, dass ein carotinoidreiches Extrakt aus Grünkohl über längere Zeit eingenommen den Kollagenabbau in der Haut verlangsamte. 

Gibt es auch saisonale Effekte?

Ja. Selbst bei gesunder Ernährung sind die Carotinoidgehalte im März und April am tiefsten, weil Obst und Gemüse von weit herkommt oder lange gelagert wurde – und beides ist dem Vitamingehalt nicht zuträglich. Zwischen Mai und Juni geht es dann mit dem frischen Obst und Gemüse wieder bergauf mit den Werten.

Macht es denn einen Unterschied, ob die Antioxidantien als ganzes Lebensmittel aufgenommen werden oder als isolierter Wirkstoff?

Antioxidantien wirken im Netzwerk. Einzeln und hochdosiert können sie sogar schädlich sein. Im Lebensmittel ist das Antioxidans in seiner natürlichen Matrix und kann nicht überdosiert werden. Daher ist dies der bessere Weg, sie aufzunehmen. Sollte das nicht umsetzbar sein, ist ein natürliches Extrakt zu empfehlen.

 

Martina Meinke

Martina Meinke ist Professorin an der Hautklinik der Berliner Charité. Sie forscht seit Jahren über die Physiologie der Haut. www.ccp-berlin.org