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Naturkosmetik-Wissen

Silikon in der Umwelt – überall!

© istockphoto
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Silikone aus konventioneller Kosmetik tauchen immer öfter in der Umwelt auf. Das erregt Besorgnis, denn die Folgen sind nicht abzusehen. // Leo Frühschütz

Silikone sind sehr vielfältige Kunststoffe. Man kann damit Fugen dichten und Backformen beschichten, Haaren Halt geben und Lippenstift kussecht machen. Doch die praktischen Chemikalien haben auch Nachteile: Sie bauen sich in der Umwelt kaum ab, manche von ihnen gelten als ungesund.

Der böse Bube unter den Silikonen ist Octamethylcyclotetrasiloxan, kurz D4 genannt. Er ist seit über zehn Jahren als Gefahrstoff eingestuft, kann „vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen“ und „für Wasserorganismen schädlich sein“, warnt das Umweltbundesamt. D4 steckt zusammen mit seinem Bruder D5 alias Decamethylcyclopentasiloxan in zahlreichen Kosmetika. Vor allem in Haarsprays, Deos und Pflegelotionen treten sie meist gemeinsam auf, als Cyclomethicone deklariert.

Silikon in der Antarktis

Noch 2010 hatten die Kosmetikexperten der EU D4 und D5 als sicher eingestuft. Erst im Frühjahr 2015 empfahlen sie aufgrund neuerer Studien, die Verwendung von D5 einzuschränken. In Bodylotions und Haarstyling-Produkten sei der Einsatz wegen der oft sehr hohen Gehalte nicht sicher. Gleiches gelte für Sprays, bei denen D5 eingeatmet werden könne.

Die Experten begründeten ihre Empfehlung damit, dass Leberschäden zu befürchten seien und dass sich in Tierversuchen mit D5 Gebärmuttertumore gebildet hatten. Noch sei unklar, ob dieses Risiko auch beim Menschen bestehe.

Die europäische Chemikalienagentur ECHA hat D4 und D5 aus einem anderen Grund auf dem Kieker. Die beiden Chemikalien werden kaum abgebaut und reichern sich in der Umwelt an. Sie finden sich in Fischen, im Schnee der Antarktis und im Feinstaub in der Luft, vor allem in Ballungszentren. Ein Großteil stammt vermutlich aus Kosmetika.

Extrem langlebige Stoffe

Die europäische Chemikalienverordnung REACH definiert solche extrem langlebigen Stoffe als „besonders besorgniserregend“, weil meist zu wenig über deren Langzeitwirkungen bekannt ist. Deshalb sollen sie möglichst gar nicht in die Umwelt gelangen und durch harmlosere Substanzen ersetzt werden.

Für D4 und D5 hat die Chemikalien-agentur das entsprechende Verfahren eröffnet. Noch 2016 soll eine Entscheidung fallen. Sie könnte dazu führen, dass der Gehalt von D4 und D5 in Kosmetika auf 0,1 Prozent beschränkt wird. Dagegen wehren sich die Silikon-Hersteller. „Unsere Produkte sind sicher“ lautet ihre Botschaft.

Extrem langlebig sind auch die anderen Silikone. Sie alle sind Kunststoffe, die aus einem Gerüst von Sauerstoff und Siliziumatomen bestehen. Hergestellt werden sie alle mit hohem Energieaufwand und mit Hilfe chlorierter Kohlenwasserstoffe. Ihre Eigenschaften lassen sich fast beliebig einstellen – das macht sie so begehrt. Allein in der INCI-Liste der Kosmetikzutaten findet man mit Suchworten wie „Methicone“ oder „Siloxan“ über 500 Einzelsubstanzen, die Silikone als Ganzes oder als Bausteine enthalten. Sie gelten derzeit –anders als D4 und D5 – als gesundheitlich unbedenklich. Doch aus Sprays, Shampoos und Co. gelangen die Substanzen in die Luft oder ins Abwasser und von dort in den Klärschlamm. Was sie langfristig in der Umwelt anrichten, ist noch unbekannt. „Man sollte das Gefahrenpotenzial dieser Substanzen nicht unterschätzen“, warnt das österreichische Umweltbundesamt.

Pflegewirkung gleich null

In der Kosmetik machen Silikone zwar vieles einfacher und billiger. Aber ihre Pflegeleistung ist gleich null. In Haarprodukten etwa machen Silikone zwar die Haare geschmeidig und leichter kämmbar, verleihen ihnen Volumen und Glanz, in Haarsprays und Festigern geben sie der Frisur Halt. Doch die Silikone, die nicht mit ausgewaschen werden, bleiben auf den Haaren und bilden einen Film. Mit der Zeit kann eine richtige Silikonschicht entstehen, die die Haare beschwert. Unter dieser Schicht trocknen die Haare regelrecht aus. Auch auf der Kopfhaut lagern sich Silikone ab und können dort die Schuppenbildung verstärken. Kurz: Silikon pflegt das Haar nur scheinbar.

In Cremes und Lotionen ersetzen Silikone teurere hochwertige Öle. Sie sorgen für ein angenehmes samtiges Gefühl auf der Haut und bilden einen dichten Schutzfilm. In großen Mengen dienen sie in Falten-Filler-Produkten dazu, das Gesicht zu glätten. Doch wie unter einer Frischhaltefolie kann die Haut dann nicht atmen. Auch bringen Silikone weder Feuchtigkeit in die Haut noch liefern sie pflegende natürliche Fettsäuren wie Pflanzenöle.

Auch konventionelle Lippenstifte, Lidschatten und Make-up enthalten Silikone. Mit ihrer Hilfe lassen sich die Farben geschmeidig auftragen und haften gut an Lidern und Lippen. In Deosprays und -sticks finden sich oft große Mengen an Silikonen. Sie fixieren den Duft unter der Achsel und machen die Rollkugel schön glitschig.

Doch das können andere Stoffe auch. Manch konventionelle Hersteller werben mit silikonfreien Produkten. Naturkosmetik nicht. Weil klar ist, dass ein synthetischer Stoff wie Silikon in ihren Produkten nichts zu suchen hat.

Info: Natürlich ohne Silikone

Das große Plus von Naturkosmetik: Wo Silikone nur zukleistern, pflegt sie mit Pflanzenölen und Extrakten. Doch auch Naturkosmetik-Shampoos funktionieren ohne Silikone und andere Erdölprodukte: Sie bauen strapaziertes Haar mit proteinhaltigen Pflegestoffen aus Weizen oder Reis wieder auf und glätten es. Gleichzeitig verbessern sie die Kämmbarkeit. Brokkolisamenöl verleiht den Haaren zum Beispiel neuen Glanz. In Haarsprays und Stylingprodukten sorgt der Filmbildner Schellack für festen Halt. Natürliche Wachse und Öle bilden auch die Basis von Lippenstiften und Wimperntusche. Die Farbe lässt sich damit problemlos auftragen.

Auch ohne Silikone versprechen einige Naturkosmetik-Produkte, dass die Wimpern deutlich voller und länger aussehen. Nur so richtig wasserfest wird die Tusche ohne sie nicht. Noch ein Effekt gelingt nur mit Kunststoff: Für kussechte Lippenstifte braucht man synthetische Harze und flüchtige Silikonöle. Ein roter Lippenabdruck auf Gläsern und Wangen ist also ein Indiz für Naturkosmetik.