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Naturkosmetik-Wissen

Summ, summ, stumm?

© istockphoto- mightyisland
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Wer sich mit Honig und Bienenwirkstoffen beschäftigt, kommt um das Thema Bienensterben nicht herum. Was bedroht die fleißigen Bestäuber, wie können wir ihnen helfen?// Leo Frühschütz

Obwohl es noch Sommer ist, werden sie schon jetzt nicht mehr satt. Jeden Tag fliegen die Bienen aus und suchen im Umkreis von drei Kilometern nach Nektar und Pollen. Doch sie bringen nur wenig Nahrung zurück in den Stock. Obstbäume, Linden und Kastanien sind längst ausgeblüht, ebenso der Raps. Und auf den Weiden wächst nur Gras. „Monokulturen, ständiges Mähen, Unkrautvernichtung und Flurbereinigung rauben Honigbienen und anderen bestäubenden Insekten die Nahrungsgrundlage“, beschreibt Im­­ker­meister Thomas Radetzki von der Initiative Mellifera die Auswirkungen unserer zunehmend industrialisierten Landwirtschaft.

Pestizide und Parasiten

Vom Nahrungsmangel geschwächt, setzt ihnen der Mensch noch weiter zu, mit Neonicotinoiden, die er gegen Schadinsekten spritzt. Diese Mittel sind auch für Bienen giftig. Zudem befällt die Varroamilbe Larven und erwachsene Bienen. Beim Saugen überträgt sie gefährliche Viren. Dabei arbeiten die fleißigen Tiere mit Vollgas: In jedem 500-Gramm-Glas Honig stecken an die 100 000 Flugkilometer.

Im Winter bilden die Bienen im Stock eine dichte Traube und halten sich gegenseitig durch Muskelzittern warm. Dass einzelne Völker es nicht durch die kalte Jahreszeit schaffen, ist normal. Doch in diesem Jahr haben, wieder einmal, bis zu 30 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht überlebt, schätzt der Deutsche Imkerbund. „Es ist aber zu einfach, in Viren oder Milben den alleinigen Verursacher des Bienensterbens zu suchen“, sagt Thomas Radetzki. „Entscheidend ist, dass die Widerstandskraft unserer Bienen dramatisch abgenommen hat, da sie einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt sind.“

Ohne Bienen droht Hunger

Seit Jahren kämpfen Imker und Umweltschützer für ein Verbot der Neonicotinoide, um die Bienen zu schützen. 2013 hat die EU wenigstens drei dieser Wirkstoffe für einige Anwendungen und befristet bis Ende diesen Jahres verboten. Doch allen Neonics die Zulassung zu entziehen, das wagen die zuständigen Politiker und Beamten nicht – die großen Chemiekonzerne drohen mit Millionen-Klagen.

Dabei sind wir alle auf Honigbienen und andere Insekten angewiesen. Denn drei Viertel aller Nahrungspflanzen hängen zumindest teilweise von der Bestäubung durch diese Tiere ab. Auch deshalb versuchen immer mehr Menschen, den gefährdeten Bestäubern zu helfen (siehe Kasten). Auch Naturkosmetik-Hersteller setzen sich für Bienen ein. Denn die Pflanzen, deren Blüten, Blätter, Wurzeln und Samen die Unternehmen verarbeiten, müssen ebenfalls bestäubt werden. Einige Hersteller verwenden auch Honig, Wachs oder den Bienenkitt Propolis als Zutaten. Wegen der keimhemmenden Wirkung, aber auch, weil Honig im Shampoo dem Haar Volumen verleiht.

Der Honig stammt aus ökologischer Bienenhaltung, bei Lavera etwa von einem Bioland-Imker aus der Region. Martina Gebhardt bezieht das verwendete Bienenwachs von zwei kleinen bayerischen Demeter-Imkern. Weleda hingegen arbeitet mit äthiopischen Imkern zusammen, die im dortigen Bergregenwald auf traditionelle Weise Wildbienen in alten Baumstämmen halten. Auch darüber hinaus engagieren sich die Unternehmen.

Naturkosmetik engagiert

Der Dr. Hauschka-Hersteller Wala sowie Weleda betreiben große Heilkräuter­gärten, in denen sie selbst imkern. Wala unterstützt darüber hinaus die Initiative Deutschland summt! und kooperiert mit dem Verein Mellifera. Der engagiert sich in den Bereichen Forschung, Lehre, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit für eine wesensgemäße Bienenhaltung. Weleda unterstützt Imkerprojekte am Firmenhauptsitz in der Schweiz. So führt das Projekt „Flugschnaisa“ Schüler in die Imkerei ein und bietet eine einfache Ausbildung zum Jungimker an. Das Vorhaben „Wabe 3“ fördert Züricher Stadtkinder in ihrer Wahrnehmung und ihrem Bewusstsein für Ökologie und unterstützt Jungimker. Zudem „ist das Gelände der Weleda in Arlesheim naturnah gestaltet mit eigenen Bienenvölkern, Insektenhotels, Hecken und Wasserflächen“, sagt der Sprecher des Unternehmens, Tobias Jakob.

Der Allgäuer Duftspezialist Primavera hat beim Neubau seines Firmengebäudes auf Bienenfreundlichkeit geachtet. Auf dem begrünten Dach bieten eine Bienen- und Schmetterlingswiese neuen Lebensraum für Tiere. Die Umgebung des Gebäudes hat das Unternehmen mit 35 000 Kräutern, Duftpflanzen und Wildgehölzen begrünt, be­­­richtet Sprecherin Tanja Gusinde. Mitten zwischen all den Pflanzen stehen zahlreiche Insektenhotels. Der Hersteller Melvita trägt das französische Wort „miel“ für Honig im Namen – das verpflichtet. Das Unternehmen hat 2010 eine Stiftung gegründet. Sie hat laut Satzung den Zweck, „Studien und Projekte zu unterstützen, die dabei helfen das Bienensterben zu stoppen, ihren Lebensraum zu schützen und die weltweite Bienenzucht zu fördern“.


Auch Wildbienen gefährdet

Denn die Bienen brauchen Menschen, die sich um sie kümmern. Laut Deutschem Imkerbund gibt es rund 94 000 Imker in Deutschland, die sich zumeist hobbymäßig um 750 000 Bienenvölker kümmern. Vor 30 Jahren summten noch 1,8 Millionen Völker hierzulande. Nicht besser sieht es bei den Wildbienen aus. Von 560 bei uns heimischen Arten steht die Hälfte als gefährdet in der Roten Liste. Für die Bestäubung sind die wilden Arten mindestens ebenso wichtig wie die Honigbienen. Auch sie brauchen also unseren Schutz.

Info: So helfen Sie, damit es weiter brummt

Auch Sie können Honig- und Wildbienen helfen, mit und ohne Garten:

• Den Tisch decken: Verzichten Sie auf Zierpflanzen, die keinen Nektar geben und sorgen Sie für ein vielfältiges, blühendes Nahrungsangebot. Im eigenen Garten oder zusammen mit anderen auf öffentlichen Grünflächen.
www.bluehende-landschaft.de
• Hotels bauen: Wildbienen brauchen spezifischen Wohnraum, der in unserer aufgeräumten Landschaft knapp ist. Beim Bau von Insektenhotels helfen örtliche Umweltverbände oder Bauanleitungen im Netz.
www.insekten-hotels.de
• Pate werden: Paten helfen Imkern und Initiativen mit regelmäßigen Spenden bei ihrer Arbeit – und bekommen meist als Dankeschön ein Glas Honig. www.beegood.de, www.bienenretter.de, www.wildbienenpaten.de
• Selber imkern: Es macht Spaß und ist gar nicht so schwierig. Hilfe, Ratschläge und womöglich einen frisch gefangenen Bienenschwarm bekommt man beim örtlichen Imkerverband.
• Anlaufstellen für alle, die sich engagieren wollen, sind örtliche Naturschutzorganisationen sowie die Initiativen www.mellifera.de und www.deutschland-summt.de