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Naturkosmetik-Wissen

Was gut ist, bleibt

Firmengründer Walter Rau und seine Frau Carola. (© Speick Naturkosmetik)
Enkel Wikhart Teuffel leitet die Firma heute. (© Speick Naturkosmetik)
Die Speik-Pflanze wächst ausschließlich im österreichischen UNESCO-Biosphärenreservat Nockberge. (© Speick Naturkosmetik)
Die Speik-Pflanze gehört zu den Baldriangewächsen. (© Speick Naturkosmetik)
cosmia-Autorin Astrid Wahrenberg, Seniorchef Wikhart Teuffel und Sohn Valentin im Speick-Firmensitz in Leinfelden-Echterdingen. (© Speick Naturkosmetik)
Die Reklame aus den 60er-Jahren zeigt: Der Siegeszug von Speick führte durch viele deutsche Badezimmer  und Kulturbeutel. Mit ihrem duftenden Schaum galt sie früher als Gegenstück zur Kernseife und als kleiner Luxus im Bad. (© Speick Naturkosmetik)

Vor 90 Jahren hielt Speick-Seife Einzug in deutsche Badezimmer. Wikhart Teuffel, Enkelsohn des Firmengründers, ist es mit neuen Produkten und alten Werten geglückt, die Traditionsmarke weltbekannt zu machen. // Astrid Wahrenberg

Was früher war und heute ist, davon erzählen die Exponate im Foyer der Speick-Zentrale. Hier, im baden-würt- tembergischen Leinfelden-Echterdingen, reihen sich Trophäen aus Metall und Glas aneinander, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren für die Anstrengungen in Sachen Nachhaltigkeit bekommen hat.

Der Schatz der Firma hat einen Ehrenplatz: Hinter dickem Glas liegt ein ledergelbes Seifenstück mit der Prägung „Speick Seife“, daneben steht ein Apothekerfläschchen, gefüllt mit einer dunklen Flüssigkeit. Es ist die Essenz aus der Wurzel des Speiks, botanisch Valeriana celtica, der die Marke weltweit einzigartig macht. 

Diese Pflanze, die nur auf den Bergwiesen des UNESCO-Biosphärenparks Nockberge sprießt, duftet ungewöhnlich: herb mit einer Kampfernote. „Der Speik ist in unserer Kosmetik kein Duftstoff, sondern ein wertvoller Inhaltsstoff“, betont der 64-jährige Wikhart Teuffel. Laborchefin Susanne Gans, die mit 42 Jahren Betriebszugehörigkeit länger im Unternehmen ist als ihr Chef, erläutert: „Der echte Speik gehört zu den Baldriangewächsen, und das riecht man auch.“ Über den Speik könnte sie stundenlang erzählen: dass er früher als Schönheitsmittel in den Orient exportiert wurde, dass man das Kraut mit Gold aufwog und dass es als Medizin den römischen Kaiser Marc Aurel von einem Magenleiden kurierte. Gans beschreibt die harmonisierende Wirkung der Pflanze, die entspanne, aber nicht müde mache, sondern Körper und Geist belebe – „wie eine Happy-Pille“, sagt sie und lacht.

Firmengründer Walter Rau, Spross einer Seifendynastie, gehörte in den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts der Lebensreformbewegung an. Wie die Gründer von Weleda und Dr. Hauschka ist er ein Pionier, der ganzheitliche Produkte entwickelte. Seine Seife sollte die Haut nicht nur reinigen, die Inhaltsstoffe sollten sie auch pflegen. Rau, der als Jugendlicher sein Gehör verlor, war von Rudolf Steiners anthroposophischem Weltbild überzeugt – und davon, dass Pflanzen Kräfte innewohnen. Bei seinen Recherchen stößt er auf die fast vergessene Heilpflanze Speik. Zwei Weltkriege halten ihn nicht vom Aufbau seines Unternehmens ab. Selbst das 1936 von der österreichischen Regierung verhängte Sammelverbot für die Pflanze entmutigt ihn nicht. Kurzerhand lässt er den Speik im Schwarzwald anbauen. Eine Notlösung, denn der daraus gewonnene Wurzelextrakt hat nicht dieselben Eigenschaften wie der Speik aus Österreich.

Seine Speick-Seife mit zart-duftendem Schaum wird als Gegenstück zur praktischen Kernseife ein kleiner Alltagsluxus im Bad. Bergsteiger Luis Trenker wird das Werbegesicht von Speick. Jahrzehnte später gelingt Gründerenkel Wikhart Teuffel ein Kunststück: Er bekommt eine weltweit exklusive Lizenz, die das Sammeln des echten Speik im Naturschutzgebiet der österreichischen Alpen erlaubt. Seit 2002 ist sie als kontrolliert biologische Wildsammlung zertifiziert. Die Ernte schadet dem Bestand nicht, denn ein Teil der Wurzel bleibt in der Erde, „das regt das Wachstum sogar an“, sagt Teuffel. Für die Bauernfamilien in den Kärntner Nockbergen, die das Heilkraut wie früher von Hand auf alpinen Bergwiesen ernten, bringt die Arbeit einen wichtigen Nebenverdienst.

Als Teuffel das Familienunternehmen Ende der 80er von seinem Vater Lothar Teuffel – Walter Raus Schwiegersohn –  übernimmt, muss der dreifache Vater hart arbeiten. Am damaligen Firmensitz scheint die Zeit still zu stehen. In den alten Gemäuern einer ehemaligen Brauerei in Stuttgart-Möhringen wird Seife noch wie vor Jahrzehnten gesiedet. Teuffel macht das Beste daraus: Er entwickelt Rezepturen für moderne Pflegeprodukte mit Speik-Extrakt, von Rasiercremes über Deos bis hin zu Gesichtspflege und Bodylotions. Der Brückenschlag zur Moderne gelingt. Denn wie in der Mode gilt auch in der Kosmetik: Was sich bewährt, kommt wieder. Im Fall von Speick heißt das: Rudolf Steiners ganzheitliche Betrachtung ist gefragter denn je. Die Marke mit dem Original Speik-Extrakt blüht im wachsenden Naturkosmetikmarkt auf.

„Speik wirkt wie eine Happy-Pille“

 

Dem wirtschaftlichen Aufschwung folgte vor zehn Jahren der Spatenstich für die modernen Firmengebäude in Leinfelden-Echterdingen. Bis heute ist Teuffel seinem Großvater dankbar, dass er das Grundstück in den 60er-Jahren gekauft hat. Zu dessen Lebzeiten entstand nur eine Lagerhalle. Heute steht hier auch das Hochregallager, in dem 130 Artikel konfektioniert und für den Versand in Geschäfte in Deutschland und der ganzen Welt verpackt werden.

Seife siedet die Firma seit 2002 nicht mehr selbst. Das Rohseifengranulat, hergestellt nach dem Original Speick-Rezept, kauft das Unternehmen von einem Lieferanten aus Deutschland. Im Werk veredeln Mitarbeiter die Seifenspäne mit Bienenwachs, Honig, Kräuterzusätzen, ätherischen Ölen oder Speik-Extrakt. Rund 70.000 Seifenstücke entstehen hier täglich.

Was es heißt, an der Abfüllanlage zu stehen oder Ware in Kartons zu packen, das weiß jeder bei Speick. Bis heute gibt es das rotierende System, das Gründer Rau einführte: Jeder arbeitet in regelmäßigen Abständen in der Produktion, auch die Kollegen aus der Verwaltung. Ein respektvolles Miteinander und ein Bewusstsein für die Sinnhaftigkeit des Tuns gehören heute wie damals zum Firmenleitbild. Bald wird das von der vierten Generation weitergetragen: Teuffels Sohn Valentin, 31 Jahre alt und wie der Vater ehemaliger Waldorf-Schüler und studierter Betriebswirt, wird in ein paar Jahren die Nachfolge im Familienunternehmen antreten. 

Altes Werbeplakat von Speick
Die Reklame aus den 60er-Jahren zeigt: Der Siegeszug von Speick führte durch viele deutsche Badezimmer und Kulturbeutel. Mit ihrem duftenden Schaum galt sie früher als Gegenstück zur Kernseife und als kleiner Luxus im Bad.

Steckbrief

Name: Speick
Im Unterschied zur Pflanze schreibt sich der Firmenname mit „ck“

Gegründet: 1928 von Walter Rau
Sitz: Leinfelden-Echterdingen, Baden-Württemberg

Mitarbeiter: 60

Produkte: 6 Pflegelinien, darunter 2 Herrenlinien, überwiegend zertifiziert

Siegel:
Cosmos Natural

Homepage:
www.speick.de