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Naturkosmetik-Wissen

Was steht da eigentlich drauf?

© istockphoto
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Ob Zutaten oder Haltbarkeit, solche Angaben sind auf Kosmetikpackungen Pflicht, jedoch meist kaum zu verstehen. Wir haben nachgeforscht. // Leo Frühschütz

Eigentlich sollte man die Lupe gar nicht brauchen. „Leicht lesbar und deutlich sichtbar“ müssen die Angaben auf der Verpackung stehen, heißt es in der Kosmetikverordnung der EU. Sie regelt, was die Hersteller auf Tuben und Tiegel oder deren Umverpackung zu schreiben haben. Weil das so viel ist, ist die Schrift manchmal unleserlich klein.

Die INCI-Sprache verstehen

Ärgerlich ist das bei der spannendsten Information – dem Zutatenverzeichnis. Es nennt sich INCI, für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients, und gilt weltweit. Dort steht genau, was Frau sich in die Haut massiert, aufgelistet in abnehmender Reihenfolge. Zuerst kommt die mengenmäßig bedeutendste Zutat, dann die zweitwichtigste und am Schluss finden sich jene Inhaltsstoffe, von denen der Hersteller nur einen Tropfen zugemischt hat.

Allerdings: Die INCI-Sprache ist eine Mischung aus Latein, für die Pflanzennamen, und Englisch für chemische Inhaltsstoffe. Sie ist für Laien kaum zu verstehen. Viele Naturkosmetik-Firmen drucken daher, wenn Platz ist, zusätzlich die deutschen Bezeichnungen ab. Andere übersetzen die INCI-Namen auf ihren Webseiten. Simmondsia Chinensis Seed Oil etwa heißt Jojobaöl, Prunus Amygdalus Dulcis ist die süße Mandel. Ein Sternchen hinter dem Namen drückt aus, dass die Zutat aus Bio-Anbau stammt.

Wirkstoffe: So viel ist drin

In vielen Kosmetika ist Wasser (Aqua) die erste Zutat. Verrührt mit Fetten bildet es die Grundlage für Cremes und Lotionen. Dabei zeigt das Wort Oil, dass der Hersteller reine Pflanzenöle verwendet hat, etwa Oliven- oder Sonnenblumenöl. Begriffe wie Triglyceride oder Tricaprylin stehen für stark verarbeitete Fettsäureverbindungen, die bei Naturkosmetik aus pflanzlichen Ölen stammen.

Bei Duschgel und Shampoo folgen in der INCI-Liste auf das Wasser die Tenside, die den Schmutz lösen. Stehen da „Glutamate“, sind das keine Geschmacksverstärker, sondern besonders hautverträgliche und teuere Tenside. Auch Coco oder Lauryl Glucoside gelten als milde Tenside, während Coco Sulfate, die auch für Naturkosmetik erlaubt sind, schon ein wenig aggressiver reinigen.

Der Duft bleibt geheim

Wasser, oft vermischt mit etwas Alkohol, dient bei Naturkosmetika auch dazu, Heilkräuterauszüge herzustellen. So gelangen die gelösten Wirkstoffe direkt mit dem Wasser in Creme oder Shampoo. Die Heilkräuter selbst und andere Wirkstoffe wie wertvolle Samenöle, finden sich bei vielen Produkten in der Mitte der Zutatenliste. Noch weiter hinten kann ihr Anteil nur einige Prozent ausmachen. Findet sich eine Zutat, etwa Granatapfel, groß im Namen des Produkts, steht aber bei den Zutaten eher am Ende, wird die Kundin verschaukelt. Das kommt vereinzelt leider auch bei Naturkosmetik vor. Schon deshalb lohnt also ein Blick auf die Zutatenliste.

Für Düfte sieht die INCI nur den Begriff Parfum vor. Welche Duftstoffe ein Hersteller im Einzelnen verwendet, darf er geheim halten. Ausnahme sind jene 26 Duftstoffe wie Citral, Limonene oder Geraniol, die die EU als allergisierend bewertet. Die müssen auf der Packung stehen. Sie kommen von Natur aus auch in reinen ätherischen Ölen vor, mit denen Naturkosmetik duftet.

Zahlencode für die Farben

Alle Farbstoffe werden mit CI (für Colour Index) und fünf Ziffern benannt. CI77491 etwa steht für rotes Eisenoxid. Bei Lidschatten und Lippenstiften sind der Einfachheit halber meist sämtliche Pigmente aufgelistet, die innerhalb einer Serie zum Einsatz kommen. Nicht in jedem Produkt der Serie müssen sie alle drin sein.

Das INCI-Verzeichnis hilft, konventionelle Kosmetika zu enttarnen, die auf natürlich machen. Hinter Methicone und Siloxane in herkömmlichem Lippenstift und Shampoo verbergen sich schwer abbaubare Verbindungen, die Haut und Haare versiegeln.

Die Silben –chloro- und –bromo- weisen auf synthetische halogenorganische Verbindungen hin. In dieser Gruppe finden sich zahlreiche allergieauslösende oder irritierende Stoffe. PEG oder die Silbe –eth stehen für ethoxilierte Tenside. Sie können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) lauten einige Namen für Plastikkügelchen, mit denen manch herkömmliche Zahncremes und Peelings reinigen. Über das Abwasser können sie in die Umwelt gelangen und dort Schaden anrichten. All diese Inhaltsstoffe sind für Naturkosmetik tabu, weil sie ganz oder teilweise auf Erdöl basieren.

Bei nanokleinen Zutaten muss neuerdings das Wörtchen „nano“ hinter dem Namen stehen. Außerdem ist es Pflicht, dass die Verpackung auf einige Gefahren hinweist. „Erzeugnis kann eine allergische Reaktion hervorrufen“ etwa muss auf Haarfarben stehen, die mit bestimmten synthetischen Farbstoffen färben.

Eindeutiger Produktname

Vorgeschrieben sind auch die Chargen-Nummer und die Füllmenge. Diese Hinweise müssen übrigens bei uns in Deutsch auf der Verpackung stehen. Ebenso wie der Verwendungszweck, falls der Produktname den nicht schon erklärt. Zum „Body Splash“ gehört deshalb der Zusatz „Körperspray“.

Noch Fragen? Kein Problem: Auf jedem Produkt muss der verantwortliche Hersteller oder Importeur seine Anschrift nennen. Da können Sie nachhaken.

Webtipps für Kosmetikdetektive:

Hand im Buch

Die Hand im offenen Buch ist häufig auf ganz kleinen Produkten wie Lippenstift oder Lidschatten zu sehen. Die Inhaltsstoffe stehen dann auf dem Beipackzettel oder einem Aushang in Regalnähe.

 

Siegel von NATRUE, BDIH, ECOCERT, DEMETER und ICADA

Die Siegel von NATRUE, BDIH, ECOCERT, DEMETER und ICADA garantieren, dass es sich um echte Naturkosmetik handelt. Sie setzt auf natürliche und biologische Inhaltsstoffe, die sanft und umweltschonend verarbeitet werden. Zertifizierte Naturkosmetik kommt ohne erdölbasierte Zutaten und synthetische Duft-, Farb- und Konservierungsmittel aus. Gentechnik und Tierversuche sind für sie tabu.

Vegan SiegelKosmetik mit diesem Label ist garantiert frei von tierischen Zutaten wie Bienenwachs oder dem roten Farbstoff Karmin aus Cochenille-Läusen. Manche Hersteller verwenden eigene vegan-Zeichen.

 

HaltbarkeitDie Eieruhr (mit Datumsangabe) sagt: „Mindestens haltbar bis ...“ Hält ein Produkt länger als 30 Monate geben Zahl und Tiegel an, wie viele Monate man es nach dem Öffnen verwenden darf.

FSC SiegelDer Zellstoff für den Pappkarton stammt aus nachhaltiger Waldwirtschaft. Das Siegel wird nach den Kriterien der Forest Stewardship Council, kurz FSC, vergeben.