Anzeige

Anzeige

Naturkosmetik-Wissen

Weniger ist mehr

Hinergrund: Die richtige Menge an Hautpflege

Zu viel Pflege kann der Haut schaden. Aber wie viel ist zu viel? // Leo Frühschütz

Zuerst rötet sich die Haut um den Mund herum, fühlt sich trocken an und spannt. Klarer Fall: Da muss mehr Fett und Feuchtigkeit ran, also eine Extraportion Creme. Doch es wird nicht besser. Nach einigen Tagen bilden sich kleine, entzündliche Knötchen oder gar Bläschen. Die Haut brennt jetzt, manchmal juckt sie auch. Also noch mehr Creme drauf und abdecken, sieht ja schrecklich aus. Doch es wird immer schlimmer. Jetzt rötet sich die Haut auch um die Augen und die Nasenflügel herum. Was ist das?

Hautärzte nennen diese entzündliche Reaktion periorale Dermatitis. Im Volksmund heißt sie Stewardessen-Krankheit, weil sie in dieser Berufsgruppe häufig auftritt. Denn betroffen sind vor allem top gepflegte Frauen zwischen 20 und 50. Die Rötungen sind nicht ansteckend, nicht gefährlich und heilen ohne Narben ab. Aber sie sind extrem unangenehm und knabbern am Selbstbewusstsein. Wie siehst du denn aus?

Betroffen sind Top gepflegte Frauen zwischen 20 und 50

Verursacht wird eine periorale Dermatitis durch zu viel Kosmetik. Unsere Haut braucht Nahrung, Pflege, Feuchtigkeit, je älter desto mehr, suggeriert die Werbung. Doch jeden Tag Cleanser, Creme, Serum, Make-up, das kann der Haut auch zu viel werden. „Die andauernde Zufuhr an Wirkstoffen bringt die Hautbarriere durcheinander, die Hornschicht wird aufgeweicht, verliert Feuchtigkeit und entzündet sich“, erklärt die Münchner Dermatologin Marion Moers-Carpi den Mechanismus. Das passiert vergleichsweise oft. In Deutschland leiden einer Schätzung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) zufolge etwa sechs Prozent der weiblichen und 0,3 Prozent der männlichen Patienten, die einen Dermatologen aufsuchen, an einer perioralen Dermatitis.

Und das oft schon länger, denn wer denkt bei den Rötungen und Knötchen an seine Pflegeprodukte? Schließlich wurden sie bisher ohne Probleme vertragen. Tatsächlich ist es meist ein zusätzlicher Stressfaktor, der bei schon geschwächter Haut die Krankheit ausbrechen lässt. Das kann Ärger im Büro ebenso sein wie die hormonelle Umstellung durch das Absetzen der Pille.

Irgendwann werden die Beschwerden so stark, dass die Betroffenen ärztliche Hilfe suchen. Nun gibt es für Hautausschläge im Gesicht verschiedene Ursachen und entsprechend unterschiedliche Therapien. „Manche Hausärzte verschreiben Cremes mit Cortison“, sagt Marion Moers-Carpi. „Die Symptome verschwinden dann zwar schnell, doch sie sind sofort und stärker wieder da, sobald die Creme abgesetzt wird.“ Dabei lässt sich die periorale Dermatitis gut daran erkennen, dass direkt um die Lippen herum ein ein bis zwei Millimeter breiter entzündungsfreier Saum bleibt. Steht die Diagnose fest, ist das einzige, was tatsächlich hilft, Abstinenz. „Sie müssen ihre Pflege absetzen“, eröffnet die Dermatologin ihren Patientinnen. Und zwar nicht nur ein paar Tage. „Es dauert einige Wochen, bis sich die Haut wieder normalisiert hat“, ist ihre Erfahrung. Oft könnten sich die Symptome anfangs sogar verschlimmern. Bei starker Entzündung verschreibt die Ärztin ein leichtes Gel mit Antibiotikum.

Der Rat für die richtige Pflege: Weniger und leichter

Ist die Haut wieder heil, müssen die Patientinnen ihre Hautpflege ändern. Weniger fett und weniger oft lautet die Regel, der Rest ist Ausprobieren. Denn die Krankheit selbst ist chronisch, sie kann immer wieder ausgelöst werden.

Sind Frauen, die häufig neue Kosmetika ausprobieren, stärker betroffen? Die Dermatologin sieht nicht wechselnde Produkte als Problem, eher deren Qualität: „Ich würde raten synthetische Konservierungsstoffe und Duftstoffe zu meiden, weil sie die Haut zusätzlich reizen können.“ Auch synthetische Öle wie Paraffin würde sie sich nie auf die Haut auftragen. „Doch auch der Kauf von

Naturkosmetik bewahrt nicht vor zu viel Pflege“, mahnt die Ärztin. Sie sieht es kritisch, dass viele Frauen Cremes verwenden, die für ihren Hauttyp zu reichhaltig sind. Es muss nicht immer gleich eine Dermatitis sein. Auch Akne-Pickel und übergroße Poren seien oft die Folge zu reichhaltiger Cremes. Ihr Rat: „weniger und leichter“. 

Wundgeduscht

Auch zu häufiges Duschen mit Seife oder Duschgel kann die Haut irritieren, sie wird dann an manchen Stellen trocken und schuppig, etwa in den Armbeugen. Betroffen sind vor allem Menschen mit trockener Haut und Neigung zu Heuschnupfen oder Neurodermitis. „Die Symptome treten vor allem im Winter auf, weil die Menschen da gerne lang und heiß duschen“, erklärt die Dermatologin Marion Moers-Carpi. Sie vergleicht das mit dem Abwaschen eines fettigen Tellers: „Je heißer und je mehr Spülmittel, des­to besser geht der Fettfilm weg.“ Nur ist es nicht der Film auf dem Teller, sondern der natürliche Fettschutz der Haut, der in den Abfluss rinnt.

Passiert das täglich oder öfter, kommt die Haut mit der Produktion von Talg nicht mehr hinterher und trocknet aus. „Duschen Sie daher eher kurz, nicht zu heiß und verwenden Sie Dusch­gel nur, wenn Sie verschwitzt oder dreckig sind“, rät die Hautärztin. „Und nach dem Duschen eincremen.“ Sie empfiehlt auch, gerade im Winter, die Dusche ein-, zweimal die Woche mit der Badewanne zu tauschen und sich ein duftendes Ölbad zu gönnen.