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Naturkosmetik-Wissen

„Wir wollen für- einander da sein“

Jeder spricht von Nachhaltigkeit. Aber was ist damit eigentlich gemeint? Für Naturkosmetik-Hersteller weit mehr als „nur“ natürliche Zutaten. Wir zeigen, wo sie sich noch engagieren. // Astrid Wahrenberg

1. Frauenhaus für Sambia

Die Frauen singen und tanzen im schummrigen Licht einer Kerze, halbwüchsige Kinder wuseln ausgelassen zwischen ihren Röcken umher. Der Gesang mündet in lautes Gelächter. Bernhard von Glasenapp, Geschäftsführer des Berliner Naturkosmetik-Herstellers i+m, sitzt gerührt dabei und freut sich.

Viel zu lachen hatten diese Frauen bisher nicht. Gewalt in der Ehe kommt in Sambia häufig vor. Zwar drohen dem Peiniger bis zu 25 Jahre Haft, doch die wenigsten Frauen erstatten Anzeige. Der Grund: Es gibt für sie keinen sicheren Ort. Die Polizei bringt misshandelte Frauen meist wieder zurück zum Ehemann. Und weil die Frauen keine wirtschaftliche Alternative haben, bleiben sie.

Diese Situation war für Bernhard von Glasenapp und seinen Kompagnon Jörg von Kruse so unerträglich, dass die beiden Anfang 2014 einen gemeinnützigen Verein gründeten, um ein in dieser Art einzigartiges Frauenhaus in der Stadt Kabwe in Sambia zu bauen.

Beatrice, die gute Seele des Hauses

Die Firmeninhaber sind regelmäßig in Afrika, wo sie die Rohstoffe für i+m Naturkosmetik einkaufen. So lernten sie auch Beatrice kennen. Sie ist Dreh- und Angelpunkt dieses Projekts. Auch Beatrice litt unter ihrem gewalttätigen Ehemann. Doch sie trennte sich und wurde eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie treibt Handel, kauft beispielsweise Edelsteine, Getreide und Maniok im Kongo und verkauft die Waren in Südafrika. Damit kann Beatrice ihren Familienclan ernähren, sie wird respektiert und führt ein würdevolles Leben.

Frauenhaus Sambia

Diese Frauen können wieder lachen: Das neue Frauenhaus bietet ihnen einen sicheren Lebensort.

Dass ihre sambischen Schwestern jeden Tag Gewalt erdulden müssen, ließ der vierfachen Mutter genau wie den deutschen Geschäftsmännern keine Ruhe. Von Glasenapp und von Kruse luden Beatrice kurzerhand nach Deutschland ein und besuchten mit ihr ein Frauenhaus. Sie war begeistert von der Idee. Kurz darauf kauften die beiden deutschen Geschäftsmänner aus eigenen Mitteln ein Grundstück direkt neben Beatrices Haus, ließen eine hohe Mauer darum bauen und richteten einen 24-Stunden Wachdienst ein. Sie finanzierten zwei Gebäude für 24 Frauen und deren Kinder. Wenig später zogen die ersten Gewaltopfer ein. Für die Polizei ist das Frauenhaus die wichtigste Anlaufstation.

Die Frauen leben hinter der sicheren Mauer als Gemeinschaft, jede hilft beim Kochen, Putzen oder der Kinderbetreuung. Beatrice ist so etwas wie die gute Seele. Sie kümmert sich um Neuzugänge, begleitet die Frauen zur Polizei oder ins Krankenhaus, wo sexuelle Übergriffe dokumentiert werden. Außerdem führt sie die Bücher für den gemeinnützigen Verein.

Auf der Basis von Vertrauen

Das Frauenhaus ist eine Notfallhilfe. Einige der Betroffenen können nach ein paar Wochen wieder zurück zu ihren Familien. „Es gibt aber auch schwer traumatisierte Frauen, die können wir nicht zurückschicken“, sagt von Glasenapp. Deshalb hat er im Januar ein größeres Stück Land in der Nachbarschaft gekauft. Dort soll ein Frauendorf entstehen mit einem ökologisch bewirtschafteten Selbstversorger-Garten.

Kleinkredite über 50 Euro sollen künftig Existenzgründungen ermöglichen, etwa den Aufbau eines kleinen Handelsgeschäfts oder den Anbau von Gemüse. Wie man ein Geschäft führt, lernen die Frauen von Beatrice. „All das läuft unbürokratisch, auf der Basis von Vertrauen“, sagt von Glasenapp. Kann der Mikrokredit nicht zurückgezahlt werden, hat das keine Konsequenzen.

Die Mittel für den Unterhalt des Projekts stammten bislang vor allem aus dem Verkauf einer i+m Fair Edition, deren Erlös zu 100 Prozent ins Projekt floss. Die Produkte waren in kürzester Zeit ausverkauft, weitere Aktionen sind geplant. Verwaltungs-, Reise- oder Spesenkosten zahlen von Glasenapp und von Kruse privat aus ihrer Tasche. Um das Frauendorf nachhaltig zu unterhalten sind sie jedoch auf Spenden angewiesen.

Senior-Experten2. Brücken schlagen zwischen Jung und Alt

 

Eigentlich ist Christine Goebel (siehe Foto) im Ruhestand. Doch vergangenes Jahr hat sie sich an vielen Tagen so erfüllt gefühlt wie früher, als sie noch im Berufsleben stand. Sie saß mit Kollegen zusammen, sie redeten sich die Köpfe heiß über Konzepte, diskutierten Ideen, formulierten Ziele und koordinierten Abläufe. Ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Meinung waren in der Runde besonders gefragt.

Einmal in der Woche traf sich die 68-Jährige mit Auszubildenden und Studierenden bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber, der Weleda AG. Deren Aufgabe: eine Juniorfirma gründen und ein eigenes Produkt kreieren und verkaufen. So bekommen sie die Chance, unternehmerisches Denken und Handeln in der Praxis zu üben. Christine Goebel war dabei als Senior Expert eine wertvolle Hilfe, sie stand den jungen Leuten mit ihrer langjährigen Berufserfahrung aus Marketing und Vertrieb zur Seite. Und auch sie profitierte davon: „Ich wurde wertgeschätzt“, sagt sie.

Ehemalige sind eine wichtige Stütze

Naturtalente by Weleda heißt dieses Projekt – nur ein Bereich, in dem sich ehemalige Mitarbeiter engagieren. Sie gehören zum Mehrgenerationen-Netzwerk, das Weleda im Jahr 2003 ins Leben gerufen hat. Es soll helfen, die Bereiche Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Eine wichtige Stütze sind dabei die Mitarbeitenden im Ruhestand. Eine Befragung im Unternehmen hatte ergeben, dass es Berufstätigen an etwas fehlt, was Ehemalige meist haben: Zeit. Die Pensionäre, von denen sich viele über die aktive Berufszeit mit „ihrer“ Weleda verbunden fühlen, äußerten gleichzeitig den Wunsch nach sinnvollen Aufgaben.

Der harte Kern im Netzwerk sind zurzeit zehn Ehemalige, darunter Christine Goebel. Sie treffen sich alle zwei Monate, wenn ein Projekt ansteht auch öfter, und besprechen anstehende Aufgaben. Zum Beispiel die Plätzchen-Back-Aktion im Advent. Die Senioren organisierten eine Großküche, kauften Backzutaten, legten Rezepte bereit und kneteten Teige vor, damit für die beruflich eingespannten Kollegen, die mit Kind und Kegel anrückten, alles vorbereitet war. Zur Weihnachtsfeier bot das Netzwerk eine Kinderbetreuung an.

Geld fließt für solche Leistungen in der Regel nicht. „Wir wollen füreinander da sein und eine Kultur des Miteinanders pflegen“, sagt Dr. Isabella Heidinger von Weleda, die das Netzwerk mit initiiert hat und leitet. Die Ehemaligen helfen auch in Notlagen, etwa wenn eine kranke Mitarbeiterin dringend ein Medikament braucht, aber niemand da ist, der es für sie aus der Apotheke holen kann. Sie übernehmen gelegentlich die Urlaubsbetreuung von Haustieren oder packen bei Gartenarbeiten mit an.

Eine Wahloma für die Tochter

Manchmal entwickelt sich aus solchen gelegentlichen Hilfeleistungen auch mehr. So fand Christina Sauer, eine junge Mutter und Auszubildende in Teilzeit, eine „Wahl-oma“ für ihre Tochter. Die Tage der Woche, an denen sie zur Berufsschule musste, konnte sie zeitlich kaum bewältigen: Die Weleda-Kita öffnete um 7 Uhr, Christinas Zug fuhr jedoch schon früher. Mit Hilfe des Generationen-Netzwerks fand sie Cornelia Oesterle, die als Unterstützung einsprang und ihre Tochter zweimal in der Woche morgens abholte und zur Kita brachte. Oesterle ging im Notfall auch mal zum Elternabend, wenn die junge Mutter noch arbeiten musste.

Was die Senioren davon haben? „Wir fühlen uns unserem Unternehmen verbunden“, sagt Christine Goebel. Es sei ein gutes Gefühl, etwas zu geben, gebraucht und wertgeschätzt zu werden.

3. Produzieren mit der Kraft der Sonne

Öko-Strom Auto

Firmenchef Wolfgang Stix präsentiert stolz seinen Dienstwagen, der mit Öko-Strom fährt.

Auf dem Gelände der Naturkosmetik-Firma Styx in Ober-Grafendorf, Niederösterreich, reiht sich auf einer Fläche von 280 Quadratmetern Kollektor an Kollektor. Umweltfreundliche Sonnentechnik, soweit das Auge reicht. Die Module mit ihrer blau schimmernden Oberfläche tanken fleißig Energie. Darüber freut sich Wolfgang Stix. Der gelernte Drogist führt das traditionsreiche Naturkosmetik-Unternehmen in dritter Generation fort. Unter seiner Leitung wurde Umwelt- und Klimaschutz zur Chefsache erklärt. Ende 2013 ging das Solarstromprojekt ans Netz. Es produziert rund 30 Prozent des benötigten Stroms, den restlichen Bedarf deckt zugekaufter Öko-Strom.

Der Strom aus regenerativen Quellen treibt die moderne Industrieanlage an, in der jeden Tag unter strengen Hygienevorschriften 5 000 Kilo Creme gerührt und in 10 0000 Tuben und Tiegel gefüllt werden. Die Bio-Rohstoffe für seine Produkte bezieht Styx bevorzugt aus der Region. Die Ziegenbutter zum Beispiel aus der Steiermark, Stutenmilch aus dem Mostviertel und Kartoffeln für die Handcreme aus dem Waldviertel.

Seit vergangenem Jahr heizt ein Biomasse-Werk den Betrieb. Gefeuert wird mit Holz, das Bauern aus der Region anliefern. Die Anlage spart rund 58 Tonnen CO2-Emissionen im Jahr.

Firmenchef Wolfgang Stix hat kürzlich für die Firmenflotte auch noch drei Elektrofahrzeuge angeschafft. „Die haben eine Reichweite von circa 80 Kilometern und sind daher für alle Kurzfahrten ideal, die ja besonders schadstoffintensiv sind“, sagt er.

Mit dem Green Brand-Siegel belohnt

Anerkennung für die Umwelt-Mühen kamen im Oktober 2014: Styx wurde ins österreichische Klimabündnis aufgenommen. Es ist das größte kommunale Klimaschutznetzwerk in Europa. Die 1990 in Frankfurt gegründete Initiative will klimaschädliche Emissionen verringern und den Regenwald schützen. Wer in das Bündnis aufgenommen werden will, muss einen Klima-Check bestehen. Energieexperten prüfen im Unternehmen den aktuellen Energieverbrauch und besprechen Einsparpotenziale. Nach zwei Jahren checken die Experten, ob die vereinbarten Klimaziele erreicht wurden.

Am 1. Dezember gab es dann noch eine schöne, vorzeitige Weihnachtsüberraschung: Wolfgang Stix bekam die Green Brands Austria Trophäe verliehen. Die Organisation zeichnet grüne Marken für ihre Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit, Umweltschutz und gesunden Lebensstil aus. Man kann sich dort nicht selbst bewerben, sondern wird ausgewählt.